Was hat Untersteinach, das die anderen nicht haben? Jede Menge Verkehr - haben die anderen auch. Ein großes Neubaugebiet - haben die anderen auch. Aber böhmische Küche - das hat weit und breit niemand zu bieten. Neudeutsch heißt so was: Alleinstellungsmerkmal.

Knödel und Kartoffelpuffer

Aber der Reihe nach: Erst am Wochenende hat sich die griechische Taverne "Mykonos" aus Untersteinach verabschiedet. Doch das Lokal in der Hauptstraße wird nicht lange leer bleiben: Am Dienstag hat die gastronomische Zukunft begonnen - sie wird böhmisch sein. Milan Zelenka will die Gastwirtschaft aufwendig umbauen und dort künftig die traditionelle Küche seiner tschechischen Heimat anbieten: mit Gulasch, Schweinsbraten und Semmelknödeln, mit Kartoffelpuffern und Palatschinken.

Und weil die böhmische Speisekarte vor allem in der Zeit der k.u.k. Monarchie geprägt worden ist, hat sich Zelenka die tschechische Symbolfigur des Schwejk, der sich mit List und Witz durchs Leben schlägt, zu seinem Motto erkoren. "Der brave Soldat Schwejk soll sich wie ein roter Faden durchziehen - von der Fassade bis zur Speisekarte", erklärt der ausgebildete Hotelfachmann.

Wie kommt jemand, der viele Jahre in der Gastronomie in Frankfurt, Rüdesheim, Garmisch-Partenkirchen oder in seiner Heimat Harrachov ("bekannt vom Skispringen") gearbeitet hat, nach Untersteinach? Er habe ganz bewusst auf halbem Weg zwischen Frankfurt, wo ein Teil seiner Familie lebt, und Tschechien ein Lokal gesucht und den Markt sondiert. Die verkehrsgünstige und zentrale Lage in der Mitte Oberfrankens hätten ihn überzeugt.

"Da steckt Potential drin"

Hauseigentümer Ulrich Weigel freut sich, dass es - neben dem "Highlander"-Pub - auch weiterhin ein Gasthaus im Dorf geben wird, das täglich geöffnet hat. Zelenkas Energie und sein Konzept haben ihm gefallen. "Da steckt Potential für Untersteinach drin", sagt er und glaubt, dass die böhmische Küchenicht nur Gäste aus der näheren Umgebung anziehen wird.

Eine Einschätzung, die Bürgermeister Volker Schmiechen teilt. "Böhmische Küche gibt es weit und breit nicht. Das Lokal kann eine Bereicherung für Untersteinach und für die ganze Region werden", meint er.
Für Heinz Dupke, den Paten des Vermieters, ist es wichtig, dass es im über 300 Jahre alten Schirmers-Anwesen weitergeht, wo bis 1903 Bier auch gebraut worden ist. Das Haus habe - 1770 und 1932 - sogar zwei Brände überstanden.

Eröffnung Anfang Juni

In den nächsten zwei Monaten kommen auf das Gebäude - innen und außen - einige Umbauarbeiten zu. Der griechische Anstrich passt nicht mehr, und die Haustechnik muss zum Teil erneuert werden. In der Gaststube lehnt sich Zelenka ("mein erstes Großprojekt") mit einer umlaufenden Sitzbank und traditionellem k.u.k.-Mobiliar an die Tradition tschechischer Wirtshäuser an. "Aus jetzt 40 werden dann 60 Sitzplätze", sagt der Mann, der schon seit 1983 in Deutschland lebt. Historische Fotos mit altböhmischen Motiven sollen Gemütlichkeit schaffen. Und natürlich Schwejk, dem man im Lokal vielfach begegnen wird - fast wie in einem kleinen Museum. Viel Zeit bleibt nicht, am 4. Juni soll Eröffnung sein.

Zelenka betont, dass ihm und seiner Familie - die Frau hilft im Service mit, der Bruder steht in der Küche - auch die örtlichen Vereine willkommen sind. "Wir wollen die Einheimischen kennenlernen, wir wollen hier Fuß fassen", versichert er und hat sich vorgenommen, vor allem auf das im Hinterhaus angesiedelte Kulmbacher Kleinkunstbrettla (KKB) zuzugehen. Er will Vertrauen aufbauen und hofft auf gute Nachbarschaft. "Vielleicht können wir auch mal was zusammen machen."

Was den Vermieter freuen würde. "Kultur und Genuss - das passt zusammen", sagt Weigel.