Schon mal ein Döschen Bier gegessen? Die Pralinenmanufaktur Esther in Grafendobrach sorgt seit einigen Jahren dafür, dass Bier genüsslich auf der Zunge zergeht. Ein Bierbrand und Hopfenextrakt sorgen für eine angenehme Würze in der Trüffelmasse, die an ein süßes Weißbier erinnern lässt. "Mein Vater hatte einst die Idee für eine Praline, die aus der heimlichen Hauptstadt des Bieres kommt, wir haben das Rezept noch weiter ausgebaut", erklärt Peter-Alexander Pelz, Inhaber der kleinen aber feinen Confiserie. Der Bier-Trüffel sei auch einer der Topseller über das ganze Jahr, für Touristen ein ideales Mitbringsel. "Manche bestellen die Trüffel dann später auch online noch nach." Als kleinen Gag gibt es die Bierpralinen auch einzeln in kleine Bierdöschen aus Pappe verpackt, das komme besonders bei Feiern gut an.

Gründer war ein Quereinsteiger

1989 hat der Maschinenbauer Thomas Pelz als Quereinsteiger seine Pralinenmanufaktur gegründet, "er und seine Frau hatten wohl ein Mal zu oft schlechte Pralinen gegessen", sagt sein Sohn Peter-Alexander Pelz. Um 1992 habe er Rezepte ausprobiert und sei 1993 in die Eigenproduktion gegangen. "Nach meiner Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik bin ich etwa 2005 in die Firma eingestiegen - und gerade einmal einen Monat nach Beendigung meiner Ausbildung ist mein Vater leider verstorben." Der junge Unternehmer wurde ins kalte Wasser geworfen, Mutter und Schwester standen ihm jahrelang zur Seite. Seit 2015 ist Peter-Alexander Pelz alleiniger Inhaber der Manufaktur. Ein gutes, soziales Miteinander mit seinen Mitarbeitern liegt ihm am Herzen. Sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten heute am Produktionsstandort Grafendobrach, aktuell sucht er zwei neue Mitarbeiter für Produktion und Verpackung.

"Bei Neukreationen wirken wir alle mit", erklärt er. Vor drei Jahren etwa sei der Gintrüffel - übrigens seine persönliche Lieblingssorte - entwickelt worden. "Dafür mussten verschiedene Ginsorten verkostet, die weiteren Rohstoffe sorgfältig ausgewählt werden", sagt der Unternehmer. Schließlich müssten alle Mitarbeiter die Rezeptur testen und sich mit ihren Ideen und Verbesserungsvorschlägen einbringen. Es gibt wohl unangenehmere Arbeiten, als Pralinen zu verkosten. Das findet auch Julia Ostwald. Am Freitagvormittag steht sie in der Fertigung und verschließt Vanilletrüffel, eine von mehr als 20 Pralinensorten. Nach dem Einfüllen der Trüffelmasse in die Schokoladenhülle bleiben die Pralinen noch 24 Stunden offen stehen, diesen Vorgang nennt der Profi "Verhauten". Erst dann wird sie mit einem Deckel aus flüssiger Schokolade verschlossen, bevor sie ihren endgültigen Überzug erhält. "Wir arbeiten mit feinster Schokolade aus Belgien", erklärt Pelz. Manche Pralinen erhalten zum Schluss einen Überzug aus temperierter Vollmilch-, Zartbitter oder weißer Schokolade, andere werden "geigelt" oder bekommen einen Zuckermantel. Und nur wenn die Schokolade richtig temperiert ist, erhält sie den gewünschten Glanz, Knack und Schmelz auf der Zunge.

Für Julia Ostwald war es zu Beginn ihrer Tätigkeit bei Esther schwer, der Versuchung zu widerstehen. "Aber nach einer Zeit geht es, und wenn ich nach Hause komme, habe ich eher wieder Lust auf etwas Deftiges." Sie mag am liebsten die Sorten "Marc de Champagne", "Rum" und "Lebkuchentrüffel". Letzteres ist natürlich ein saisonales Produkt und wird aktuell für Genießer von nah und fern in liebevoller Handarbeit hergestellt. "Unseren Lebkuchentrüffel gibt es jetzt neu auch im Glas", erzählt Peter-Alexander Pelz und führt weiter durch die Produktion hin zum Arbeitsplatz von Olga Sartison.

Seit sieben Jahren ist sie in der Confiserie beschäftigt, ihre Arbeit sei abwechslungsreich, mache sie glücklich und: "Ich nasche so gern. Das aktuelle Tragen der Maske unterstützt mich dabei, standhaft zu bleiben", sagt die Mitarbeiterin und lacht. Sie füllt die Lebkuchentrüffelmasse in kleine Gläser ab, "man kann sie aufs Brot streichen oder zum Backen verwenden."

Demnächst auch Kaffee und Eis

"Eine kleine Manufaktur, wie wir es sind, muss sich ständig Gedanken über eine Produkterweiterung machen", erklärt Pelz. Die Sommerzeiten seien nicht mehr planbar, deswegen ergänzt er sein Sortiment in den beiden Ladengeschäften in Kulmbach und Coburg sowie im Online-Shop nicht nur um sommerstabile Partnerprodukte aus der Region, sondern auch um eigene Neukreationen. "Wir werden künftig eigene Kaffeesorten aus einer oberfränkischen Rösterei anbieten, auch haben wir für nächstes Jahr etwas mit Eis geplant und denken über Grillsaucen und -gewürze nach."

Die Stärkung der Region ist ihm dabei ein großes Anliegen, auch wenn er seine Pralinen inzwischen in ganz Deutschland verkauft. "Den Lockdown in der heißen Corona-Phase haben wir dank unseres Online-Angebots gut überstanden."