Vor sechs Jahren war er stumm wie ein Fisch, stand angewurzelt da und verzog keine Miene. Jetzt gibt er wenigstens ein paar Laute von sich: Eingegipst und einbandagiert von Kopf bis Fuß brummt und brabbelt Gerd Sack in seinem Rollstuhl vor sich hin, dass es eine wahre Pracht ist. In dem neuen Stück "Es gibt auch Berge auf Hawaii" der Danndorfer Theatergruppe "Die Brandstifter", deren Akteure aus Mainleus und Altenkunstadt stammen, hat er seinen großen Auftritt.

An fünf Abenden sitzt der eingegipste Herr Schumacher, der einer lebendigen Mumie gleicht, in seinem Rolli auf der Bühne des "Fränkischen Hofs" in Mainleus und stößt dabei jede Menge Urlaute aus. Mal so eben locker vom Hocker ein ganzes Sammelsurium an Brummlauten, Empfindungs- und Ausrufewörtern von sich zu geben - wie macht man das? "Ich muss nicht lange überlegen. Die kommen einfach spontan aus mir heraus. Rollen, bei denen ich wenig sagen muss, liegen mir im Blut."

Ein hervorragendes Talent

Eine Aussage, die Regisseur Peter Wagner nur unterstreichen kann. Er bescheinigt dem Vollblutschauspieler aus dem Mainleuser Ortsteil Appenberg, über ein hervorragendes Talent zu verfügen, mit Gestik und Mimik sehr viel auszudrücken.

Wer meint, eine Rolle mit null Text sei einfach zu spielen, der irrt. "Ich muss mit meinen Lauten Gefühle so interpretieren, dass jeder versteht, was ich damit meine." Spricht's und imitiert gekonnt mit seiner Stimme eine Trompete als Ausdruck einer euphorischen Gefühlslage. Als Zugabe gibt es vom alten Rockfan Gerd Sack das weltberühmte Gitarrenriff aus dem "Deep Purple"-Hit "Smoke On The Water". Mit den gebrummten Gitarrenakkorden wolle er die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen, verrät Sack. "Schließlich sitze ich in meinem Rollstuhl im Abseits."

Szenenwechsel. Von den Brettern, die die Welt bedeuten, geht es hinter die Bühne, wo Maskenbildnerin Margit Drechsler aus Burghaig in ihrem Element ist. "Du wirst immer kränker", sagt die gelernte Kosmetikerin, während sie Sack die Halskrause anlegt. Mit Haftbandagen, Stützstrümpfen und einer Gipsschiene macht sie aus dem Appenberger einen Invaliden, der einer Mumie gleicht. "Die wiederverwendbare Gipsschiene hat ein befreundeter Arzt gebastelt", erzählt Drechsler.

Im Theaterstück verkörpert Gerd Sack einen Herrn Schumacher. Den Namen habe man ganz bewusst gewählt. "Er ist eine Anspielung auf Formel-Eins-Legende Michael Schumacher, der seit einem Skiunfall invalide ist", sagt Sack. Passend dazu wird der Schauspieler mit Tröte auftreten und Autogeräusche imitieren.

Viel Gips auf der Bühne

In der Rezeption des "Paradise Beach Hotels" auf Hawaii treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander. Auch Herr Schumacher befindet sich, zur Erholung von einem ärztlichen Kunstfehler mit seiner Betreuerin Mandy, gespielt von Sonja Hetz, im Hotel. Regisseur Peter Wagner verspricht eine kurzweilige Komödie in drei Akten mit jeder Menge Slapstickeinlagen und Wortwitz.

Im Verlauf der Geschichte muss sogar noch ein weiterer Schauspieler eingegipst werden, was zu allerhand Verwechslungen führt. Wer wird das sein? "Die Zuschauer sollen sich überraschen lassen", gibt sich Wagner einsilbig.

Das Theaterstück

Schauspieler Roland Schuberth, Uschi Kausich, Herbert Laschinsky , Hans Kausich, Michael Schmidt, Simone Grieß, Gerd Sack, Sonja Hetz, Natalja Kausich Carmen Scharner und Maximilian Meile

Regie Peter Wagner

Maske Margit und Rita Drechsler

Souffleusen Michaela Rössler und Christa Laschinsky

Bühnenbild Monika Schmidt und Heinrich Türk

Termine 21., 22., 28. und 29. März sowie 4. April. Mit Ausnahme der Sonntagsvorstellungen, die bereits um 16 Uhr beginnen, öffnet sich die Vorhang im Saal des "Fränkischen Hofs" jeweils um 19.30 Uhr.

Vorverkaufsstelle Lottoannahmestelle Karola Herold, Hauptstraße 22, Mainleus, Telefon 09229/7166