Bauen in Kulmbach - ein Thema, das jede Menge Zündstoff liefert. In der Stadtratssitzung am Mittwoch kamen neben dem Neubau in Petzmannsberg und dem geplanten Verbot von Schottergärten (die BR berichtete gestern) weitere Projekte zur Sprache, bei denen Diskussionen und Ärger garantiert sind.

Wohnen in Mangersreuth

So liegt dem Stadtrat das Bebauungsplankonzept des Investors für das Gelände der Gärtnerei Büttner in Mangersreuth vor. Es sieht eine Wohnanlage mit vier Gebäuden und insgesamt 40 Wohnungen im Bereich Wickenreuther Allee/Erlenweg vor.

Anlieger haben deutlich gemacht, dass sie mit der angedachten Erschließung von der Wickenreuther Allee nicht einverstanden sind. Andere Anwohner befürchten eine Beeinträchtigung ihrer Wohnqualität durch die die viergeschossige Bebauung.

"Ein sehr umstrittenes Projekt", meinte Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD). Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, sprach er sich für eine öffentliche Informationsversammlung aus, und der Stadtrat stimmte zu.

Diskussion um Lärmschutz

Mitreden sollen auch die Bürger im Baugebiet Melkendorf-Siegberg. Hier will die Stadt ebenfalls zu einer Bürgerversammlung einladen. Thema des Abends: der Lärmschutz.

Beschwerden gibt es, seit im April 2019 die Umgehungsstraße freigegeben wurde. Offenbar hat auch die Reduzierung der Geschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer nicht viel gebracht. Besonders mit Lastwagen und Motorrädern soll es größere Probleme geben, sagte Lehmann.

Stefan Schaffranek (WGK) regte an, überall Flüsterasphalt aufzutragen. Auch über den abgetragenen Wall müsse gesprochen werden.

Bebauung im Außenbereich?

Lang und breit diskutiert wurde über ein Grundstück in der Mangersreuther Straße. Es liegt im Außenbereich: am Ortsausgang in Richtung Melkendorf. Der Eigentümer hatte beantragt, hier zwei Einfamilienhäuser bauen zu dürfen. Wenn gewollt, müsste dies im Rahmen einer Einbeziehungssatzung geschehen, stellte Stadtbaudirektor Gerd Belke fest.

Für Ralf Baumann (SPD) eine Abwägungsentscheidung: Hier die Bauherren, die sich den Traum vom Eigenheim verwirklichen wollen - dort die Natur, von der wieder etwas weggenommen wird. Die SPD sehe das Vorhaben kritisch: Es sei keine Ortsabrundung, und es dürften schon gar nicht Weichen gestellt werden. "Ins Rotmaintal reinbauen, das kann keiner wollen".

Dagegen vertrat 3. Bürgermeister Ralf Hartnack die Ansicht, dass die Stadt an die Zukunft denken müsse. "Wir werden weiter Baugebiete für Einfamilienhäuser benötigen", sagte er. Dafür geeignet wären zwei Grundstücke beim Amselweg, die der Stadt gehören. Die zwei geplanten Häuser dürften nicht die Zufahrt verbauen zu einem künftigen Baugebiet.

Rotmaintal schützen

OB Lehmann ("Weil das immer wieder hochkocht") hielt nichts von einem großen Baugebiet im Bereich Amselweg. "60 bis 70 Häuser im Rotmaintal, das ist der falsche Weg", erklärte er. Natürlich brauche die Stadt nicht nur eine Innenentwicklung. Wo im Außenbereich gebaut werde, müsse gut überlegt werden.

Auch 2. Bürgermeister Frank Wilzok (CSU) betonte die Schutzwürdigkeit des Rotmaintals. Aber hier gehe es lediglich um zwei Grundstücke von privaten Häuslebauern. "Wir öffnen nicht das Tor für ein großes Baugebiet", sagte er. Ergebnis: Die zwei Häuser dürfen gebaut werden (16 zu elf Stimmen).

Wenn es so kommt, wie der Stadtrat möchte, wird die Schützenstraße künftig nicht mehr durchgängig befahrbar sein. Beim Goldenen Feld soll ein Teilstück von 70 Metern eingezogen werden, das heißt die Straße wird eine Sackgasse - Zu- und Abfahrt nur noch vom Kreuzstein. Dort will die Firma Raps investieren und das ehemalige Grundstück der Stadtwerke kaufen. So könnten der Neubau und das bestehende Betriebsgelände verbunden werden.

Gesundheitspark geplant

"Wir versuchen alles Menschenmögliche, damit diese Investition zustande kommt", sagte OB Lehmann. Dadurch binde man das Unternehmen an die Stadt und ermögliche die Schaffung neuer Arbeitsplätze, hieß es. Einstimmig wurde die Verwaltung beauftragt, die Einziehung in die Wege zu leiten. Widerspruch dagegen haben allerdings bereits zwei Unternehmen und eine Familie eingelegt.

Keine Probleme sieht der Stadtrat bei der Bebauung eines Geländes in der Lichtenfelser Straße. Das 8200 Quadratmeter große Grundstück liegt zwischen der Firma Heinlein und den Bahngleisen zur Müllumladestation.

Dort plant ein Kulmbacher Investor den Bau eines Business- und Gesundheitsparks. In das viergeschossige Gebäude mit 5000 Quadratmetern Nutzfläche sollen Ärzte, Therapeuten, Labore, Beratungsfirmen und Pflegedienste einziehen. Gegen die Bauvoranfrage gab es keine Einwände. Dagmar Keis-Lechner (Grüne) regte aber an, Fuß- und Radweg und Bushaltestelle zu bauen: "Da muss etwas getan werden."

Um beim Innenausbau des früheren Turbinenhauses der Spinnerei voranzukommen, wurden für 40 000 Euro Planungsaufträge zur Konzeptentwicklung an vier Architekten- und Ingenieurbüros vergeben.

Oberbürgermeister Ingo Lehmann teilte mit, dass man sich ein Multifunktionshaus vorstelle, einen Ort der Begegnung für Kunst und Kultur und für Musikveranstaltungen. Auch die Universität Bayreuth habe Interesse, das Turbinenhaus für Vorlesungen und Veranstaltungen zu nutzen.