Für Roland Friedrich geht in den nächsten Tagen eine Schaffens-Ära zu Ende. Denn er hat sein Atelier im Unteren Schloss in Wernstein bereits geräumt. Mit der Ausstellung, die den Titel "Camino de Roldan" trägt, möchte er sich von seinem Publikum verabschieden.

Die Ausstellung zeigt noch einmal einen Querschnitt aus dem Schaffen Friedrichs. Seit achteinhalb Jahren hatte der Künstler unter dem Motto "KulturLebenRaum" im Unteren Schloss seinen Arbeitsraum und einen Ausstellungsort. Er hat die Räumlichkeiten beim Schloss zu einem Treffpunkt für alle, die Kunst und Kultur lieben, entwickelt. Hier hatte Friedrich Schnitzkurse für Kinder und Erwachsene, Kunstkurse, aber auch musikalische Veranstaltungen durchgeführt. Er hatte Theatergruppen zu Gast, beherbergte Focus Europa. Außerdem hat er in der Werkstattgalerie die Broschüre "Schau dich um" entwickelt.


"Ich hoffe, dass dieses Jahr das Jahr der Vollendung wird. Ich hoffe, dass mein Wirken in die Region ausstrahlt", sagt Roland Friedrich alias "Camino de Roldan", wie er sich als Künstler nennt. Friedrich hofft, dass die Kunstfreunde so weit sind, dass sie "ein Stück Kunst in sich tragen" und selbst kleine KulturLeben(s)Räume - überall auf der Welt - entstehen lassen.

In seiner letzten Ausstellung präsentiert Roland Friedrich einen Querschnitt seiner Arbeiten: bildhauerische Werke, fotografische Arbeiten, Gedichte, Schriftstücke, Skulpturen und sogar eine Videoinstallation. Diese läuft in einer Endlos-Schleife im bereits geräumten Atelier. Sie zeigt Eindrücke aus Friedrichs Pilgerreise nach Santiago de Compostela. Denn dort wurde Friedrich zu "Camino de Roldan" und hatte Eingebungen und künstlerische Visionen.


"Prozesse organischen Wachsens"

Die Laudatio zur letzten Ausstellung hielt Matthias Liebel, musikalisch untermalten Diane Ernst und Fiona Friedrich die Vernissage. Liebel ging auf den "steinernen Knoten" ein, der aus einem Findling entstanden ist. "Die Kurvaturen des Steins stehen für die Prozesse des organischen Wachsens, wobei dieses Wachsen künstlerisch, gesellschaftlich und sozial gleichermaßen begriffen werden kann", so Liebel. Friedrich selbst interpretiert seine Skulptur als Sinnbild des Aufrichtens und des gegenseitigen Durchdringens von Körper, Geist und Seele, wobei der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis zu einem höheren Selbst führen.

Friedrich zeigt in der letzten Ausstellung aber auch sein Europa-Werk, an dem er 25 Jahre gearbeitet hat, aber auch Werke seiner Schüler. Die Kurse für Kinder und Erwachsene wird er in Zukunft in einer ehemaligen Töpferei, nur wenige Meter neben dem Schloss anbieten. Die Räume der Werkstattgalerie werden von Iris von Künßberg-Schmidt und Restaurator Uwe Franke genutzt.

Noch nicht spruchreif ist die Ansiedelung eines Ateliers. Doch Roland Friedrich ist überzeugt, dass sein neues Atelier bei seinem privaten Wohnhaus angesiedelt werden soll. Noch unklar ist er sich darüber, ob er ein Atelier in erster Linie für sich schaffen möchte oder doch offen wie bisher. Doch eins ist gewiss: Auch in Zukunft möchte Friedrich an der Schaffung eines "Inweltbewusstseins" arbeiten. "Man muss neue Klöster formen, frei von Religion, frei von Mauern", fordert der Künstler.

In den nächsten Wochen und Monaten wird Friedrich seine Werkstattgalerie räumen und sich neu einrichten. Die kunstpädagogische Werkstatt ist bereits fertig. "ich möchte, dass die Menschen schöpferisch tätig werden", sagt Friedrich.

Große Pläne haben auch die neuen Nutzer Uwe Franke und Iris von Künßberg-Schmidt. Denn der Experte für Baudenkmäler möchte sich mit Iris von Künßberg-Schmidt, die das Fachgebiet Holz als Restauratorin bearbeitet, zusammentun, und damit das Portfolio der bisherigen Restauratorenwerkstatt ausbauen erweitern. "Wir wollen noch in diesem Jahr umziehen. Auch früher war in diesen Räumen ja schon eine Restauratorenwerkstatt", erklärt Uwe Franke. Außerdem soll das Saalgebäude restauriert werden.