Jörg Braun war es gar nicht recht, dass seine Vorsitzende bei der Hauptversammlung des Gesamtvereins eine Wutrede gehalten hat. "Insgesamt unglücklich", meint der Abteilungsleiter der ATS-Fußballer. "Aber ich musste mal öffentlich was sagen, sonst wäre ich geplatzt", betont Heidesuse Wagner drei Tage danach und rudert auch nicht zurück.

Immer auf dem ATS wird rumgehackt

Worum geht es? Wagner hat sich darüber geärgert, wie die ATS-Fußballer beim Hallenturnier um den Rundschau-Cup ("Unsere Mannschaft hat sich toll verhalten") beschimpft worden sind. Als ein verletzter ATS-Spieler rausgetragen wurde, hätten Zuschauer gejohlt und "Bravo" gerufen. Und die Siegerehrung hätte wegen des lauten Geschreis fast nicht stattfinden können. Sie wehre sich einfach dagegen, "dass immer auf dem ATS rumgehackt wird".

Aber wer genau waren die bösen Buben? Alle Zuschauer? Nein, sie meine schon eine bestimmte Gruppe - doch mehr will sie dazu nicht sagen.

Jedenfalls hat ihre Wutrede ganz schön Wellen geschlagen. Wobei sich die ATS-Fußballer - damals im Finale mit 1:4 gegen Kasendorf unterlegen - selbst offenbar gar nicht als Opfer sehen. Zwar habe ein Fanblock mit Fahnen und Lärminstrumenten auf der Tribüne den Ablauf der Siegerehrung gestört, "allerdings habe ich es nicht so empfunden, dass es gegen uns gegangen wäre", betont Jörg Braun. Ihm ist wichtig, "dass nicht wir an unserer Außendarstellung arbeiten müssen", wie ihm Heidesuse Wagner erklärt habe. Diese Äußerung sei missverständlich gewesen.

Welchen "Fanblock" er meint, will er nicht sagen. Es ist jedoch nicht allzu schwer, Augenzeugen zu finden, die etwas wissen: Es sollen Anhänger des VfR Katschenreuth gewesen sein.

"Teilweise unter der Gürtellinie"

"Es war schon teilweise unter der Gürtellinie", glaubt Sylvio Pachali, 2. Vorsitzender des VfB Kulmbach und Organisator des Turniers. "Fangesänge sind ok, wenn man die eigene Mannschaft anfeuert, aber nicht, um andere Spieler zu beschimpfen und niederzumachen." Wobei Pachali den Eindruck hatte, dass nicht nur der ATS, sondern auch der VfB das Ziel von Anfeindungen gewesen ist.

Beim VfR Katschenreuth versteht man die ganze Aufregung nicht. Zweiter Spielleiter Markus Naser, damals auf der Tribüne dabei, versichert: "Wir waren mit 100 Leuten die größte und lauteste Fangruppe. Daraus könnte man schließen, dass die Rufe aus dieser Gruppe kamen. Aber ich kann ausschließen, dass wir jemand beleidigt haben. Wir haben uns an die Regeln des Sports gehalten - da bin ich mir hundertprozentig sicher."

Keine "Sauerei" mitbekommen

Nach Nasers Ansicht "war es ein emotionsgeladenes Turnier, gute Stimmung auf den Rängen, wie es sein soll". Mehr nicht. Es könne höchstens sein, "dass hin und wieder was reingerufen wird, was nicht ganz in Ordnung ist - aber das machen die anderen auch." Wenn er "Sauerei" mitbekommen hätte, wenn ein verletzter Spieler beleidigt worden wäre, dann wäre er eingeschritten. "Wir haben nichts gegen den ATS oder gegen eine andere Mannschaft. Von unserer Seite gab es keine Anfeindungen gegen einen anderen Verein", stellt der VfR-Funktionär klar.

Auf Seiten der ATS-Fußballer hegt man keinen Groll. "Ich habe zu den anderen Kulmbacher Vereinen und Funktionären ein sehr gutes Verhältnis und schätze deren Arbeit", so Abteilungsleiter Braun. Er erwarte nur "Fairness uns gegenüber".

Ohne Sponsoren geht's nicht

Er habe vor sieben Jahren bei null angefangen, und "mit harter Arbeit" habe sich der sportliche Erfolg eingestellt. Es ärgere ihn aber, wenn mit dem Finger auf den ATS und dessen Transferpolitik gezeigt werde. Braun: "Wer Sport auf einem gewissen Niveau betreiben will, kann das ohne Sponsoren nicht bewerkstelligen. Wir sind keine Ausnahme in der Kulmbacher Fußballszene. Wir verhalten uns so, wie es in der Branche üblich ist."