"Was möchte ich die nächsten 40 oder 50 Jahre machen?" Für Einstellungsberater Robert Schwarz von der Bayerischen Polizei ist das die essentielle Frage, die sich junge Menschen auf der Suche nach dem Beruf ihres Lebens stellen sollten.

Bei der Ausbildungsmesse "Abitura" am Caspar-Vischer-Gymnasium (CVG) trifft er einen jungen Mann, der für sich eine Antwort gefunden hat. "Mein Traum wäre es, als Pilot bei der Hubschrauberstaffel der bayerischen Landespolizei zu arbeiten", sagt Tim Mähringer. Mit einem dualen Studium zum Polizeikommissar will er seinen Traumberuf verwirklichen. Für den 16-jährigen Marktschorgaster, der die zehnte Klasse des CVG besucht, ist das ein abwechslungsreicher Beruf. Ihn reizt der Gedanke, bei der Vermisstensuche und Verkehrsüberwachung mitzuarbeiten und anschließend die Arbeit zu dokumentieren.

Hunderte von angehenden Abiturienten aus den beiden Kulmbacher Gymnasien und dem Beruflichen Schulzentrum Kulmbachs, aber auch von Schulen aus den Nachbarlandkreisen, informieren sich am Samstag über die vielfältigen Berufs- und Studienmöglichkeiten. 81 Unternehmen und Bildungseinrichtungen sind mit Ständen vertreten. 30 Vorträge runden das Informationsangebot ab.

"Die Ausbildungsmesse ist eine wichtige Säule in der Zukunftsplanung junger Menschen", erklärt Schulleiterin Ulrike Endres bei der Begrüßung. Viele Schüler und Eltern hören den Rednern aus Kommunalpolitik, Schule und Wirtschaft zu, die erstmals nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit sprechen. Angesichts der vielen Ausbildungswege ist für Vorsitzenden Michael Pfitzner vom Arbeitskreis Schule/Wirtschaft die Ausbildungsmesse ein wichtiger Baustein für junge Leute, ihren beruflichen Königsweg zu finden. Präsident Thomas Zimmer von der Handwerkskammer Oberfranken und Harald Vorleuter, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Oberfranken, betonen, dass man als Abiturient auch mit einer dualen Ausbildung durchstarten könne.

Nicht alle, die am Samstag die Ausbildungsmesse besuchen, haben ein so klares Ziel vor Augen wie der eingangs vorgestellte Schüler. Zu ihnen zählt Emily Schreder aus Altenkunstadt. "Ich muss die gesammelten Informationen sortieren und verarbeiten", sagt die 17-jährige vom Gymnasium Burgkunstadt.

Interessiert verfolgt sie am Stand der Schule für Pharmazeutisch-Technischen-Assistenten (PTA-Schule) Kulmbach wie Augentropfen durch Sterilfiltration hergestellt werden. Aus Marik Trukenbrod spricht der Lateiner: "Alea iacta est - der Würfel ist geworfen". Wie ein Wasserfall sprudeln die geschichtlichen Hintergründe des lateinischen Ausdrucks aus dem Kulmbacher heraus und man merkt hier spricht der Historiker. Dementsprechend lautet auch sein Berufswunsch: "Ich möchte einmal Geschichte studieren und dann vielleicht als Geschichtslehrer den jungen Leuten vermitteln, dass man aus Geschichte lernen kann."

Am Stand der Uni Halle besorgt sich der 16-jährige Schüler des CVG die nötigen Infos.

Mathematik zählt zu den Lieblingsfächern von Jacqueline Kummer aus Stadtsteinach. Bei der Innovative Software Group GmbH aus Kulmbach informiert sie sich über das duale Studium IT-Systemkaufmann. Bei diesem Job ist Prozessanalyse gefragt. "Das in Mathe geschulte logische Denken lässt sich in diesem Beruf gut anwenden", findet die Schülerin der Fachoberschule Kulmbach. Das Unternehmen, für das sich Kummer interessiert, gehört Start-Up-Unternehmer Michael Ihnen. Zusammen mit Carolin Schuberth, bekannt aus der Fernsehsendung "Die Höhle des Löwen", die dort mit ihren Wasch- und Abschminkpads ("Waschies") großen Erfolg hatte, spricht er bei der Eröffnung.

Ihr Auftritt wird zu einem Plädoyer an die jungen Leute, ihrer Heimat nach dem Abitur die Treue zu halten. "Hier gibt es tolle Unternehmen und bezahlbaren Wohnraum", schwärmt der Jungunternehmer. Für Landrat Klaus Peter Söllner "ist der Hype um die Ballungszentren vorbei und das oberfränkische Jahrzehnt angebrochen".