Die Wanderstiefel sind geschnürt, drei Liter Wasser, zwei Äpfel, ein paar Nuss-Riegel im Rucksack. Es ist noch früh am Morgen und perfektes Wanderwetter, als ich mich auf den Weg nach Presseck mache - zum Bootcamp für den 5. Frankenwald-Wandermarathon. Bootcamp? So haben die Organisatoren das freie Training zur Vorbereitung auf die XXL-Wanderung rund um Kulmbach genannt, angelehnt an die umgangssprachliche Bezeichnung für die Grundausbildung des US-amerikanischen Militärs.

Militärisch geht es glücklicherweise jedoch nicht zu. Auf dem Schützenhaus-Parkplatz hat sich ein fröhlicher Trupp sportlicher Menschen eingefunden - alle beschäftigt mit letzten Vorbereitungen. Auch Edgar Friedmann ist dabei. Der wandererfahrene Kulmbacher ist bestens ausgerüstet: Trinkrucksack, Proviant, Ersatzkleidung. "Ich hab immer alles dabei, was ich eventuell brauchen könnte."

Die Aufgabe heute: Wir wollen einen Belastungstest machen: 35 Kilometer über Stock und Stein, Berg rauf und Berg runter, insgesamt 1000 Höhenmeter. Verteilt auf zwei Etappen. Nach den ersten 20 Kilometern auf dem Siebenfreund-Weg werden wir wieder am Startpunkt vorbeikommen. Wer dann aufhören will, kann die Tour beenden. Der Rest startet zu weiteren 15 Kilometern.

Markus Franz, Geschäftsführer des Frankenwald-Tourismus, begrüßt die rund 120 Bootcamper und pünktlich um 8 Uhr geht's los. Schon nach den ersten Metern ist mir klar: Das wird kein Spaziergang. Das Tempo der Gruppe ist sehr zügig.


Marsch mit Hindernissen

Noch ist es kalt auf den Höhen rund um Presseck, und ich bin froh über meine drei Schichten Funktionskleidung und die warme Wollmütze auf dem Kopf. Die ersten zehn Kilometer bis zu einem kurzen Zwischenstopp am Bärenplatz sind kein Problem. Es sind ein paar knackige Anstiege dabei, bis der höchste Punkt der Strecke (und des Landkreises Kulmbach) auf 717 Metern erreicht ist. Hier gibt es den ersten - und einzigen - echten Stopp - der heutigen Tour.

Die nächsten zehn Kilometer sind schon deutlich anstrengender. Die vielen Höhenmeter machen sich bemerkbar. Die Anstiege sind lang, die Abstiege steil. Der Weg ist stellenweise sehr matschig und oft uneben - ein Hindernislauf. Man muss aufpassen, wo man hintritt, um nicht auszurutschen, und ich bin froh, dass ich meine Wanderstöcke mitgenommen habe.

Die Zeit vergeht dennoch schnell. Es ergeben sich nette Gespräche mit den anderen Wanderern. Zum Beispiel mit Angela Richter aus Neuenmarkt. Drei Mal war sie schon beim Wandermarathon dabei, und auch dieses Jahr hatte sie bei der Verlosung der Startplätze Glück. Sie mag die Atmosphäre der Touren: "Es gab auch für mich immer mal einen toten Punkt, aber wenn man den überwunden hat, geht's wieder."

Angela Richter freut sich schon auf den 30. April, wenn es rund um Kulmbach geht. Ihr Wunsch: Gutes Wetter. Bei den vergangenen Marathons hatten die Wanderer nämlich nicht nur mit der Strecke, sondern auch mit reichlich Regen zu kämpfen.

Nach etwas mehr als viereinhalb Stunden sind wir wieder zurück am Startpunkt, müde von einer kräftezehrenden Tour. Den meisten Wanderern reicht das Pensum. Sie fahren nach Hause. Auch meine Fußsohlen brennen schon, die Beine sind schwer. So kaputt, dass ich aufgeben würde, bin ich aber nicht.


Keine Zeit für die schöne Aussicht


Ich mache weiter. Und mit mir rund 20 weitere Unerschrockene. Runde zwei ist der Nordeck-Weg hinunter ins Steinachtal. Die Landschaft ist reizvoll, wild-romantisch. Doch es bleibt keine Zeit, die Schönheit zu genießen. Die kleine Gruppe ist schnell, ein wenig zu schnell für meinen Geschmack. Pause machen? Fehlanzeige. Es ist halt doch ein Bootcamp - eine Veranstaltung zum Sich-Durchbeißen.

Auf den letzten Kilometern Dauer-Anstieg Richtung Ziel treibt mich nur noch die reine Willenskraft vorwärts. Es ist kurz nach halb fünf nachmittags, als das Ortsschild von Presseck in Sichtweite ist. Geschafft!

Es war anstrengend, es hat Spaß gemacht, und ich bin stolz, zum Abschluss meine Bootcamp-Plakette in Empfang nehmen zu können. Sichtbares Zeichen dafür, dass ich die Herausforderung gemeistert habe. Jetzt bin ich bereit für den Marathon in vier Wochen!