Das Schöffengericht in Kulmbach hat die 27-jährige Auszubildende wegen der Einfuhr und des Handeltreibens mit der Teufelsdroge Crystal in mehreren Fällen und in jeweils nicht geringer Menge zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Das war knapp, denn Staatsanwalt Roland Köhler hatte kurz zuvor eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung gefordert.


Typische Drogenkarriere


Es ist alles andere als die typische Drogenkarriere. Die Angeklagte stammt aus gutem Hause, hat Abitur, sogar ein Studium begonnen und kam dennoch auf die schiefe Bahn. Schon mit 14, 15 Jahren hatte sie angefangen zu kiffen, geriet an die falschen Freunde, spätestens zum Abitur nahm sie Crystal, zuletzt ein halbes Gramm pro Tag. "Wahnsinn, wie schnell das einen packt und verändert", sagte die Frau vor Gericht.


Mehrere Studiengänge in Bamberg und Bayreuth hatte sie gestartet, nicht einen nach dem ersten Semester weitergeführt, die Droge war einfach stärker.


Gekauft und dann gestreckt


Als sie dann den Dealer im Herbst 2013 kennenlernte, war sie auf dem Höhepunkt ihrer Drogenkarriere. Mit ihm, der inzwischen vom Landgericht in Bayreuth zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, war die Frau im Zeitraum von nicht einmal zwei Monaten mindestens fünf Mal nach Tschechien gefahren, um zusammen rund 100 Gramm Crystal zu besorgen und nach Deutschland einzuführen.

Etwa die Hälfte hatte das Pärchen zum Eigenverbrauch benutzt, den Rest mit Vitamin-C-Pulver tüchtig gestreckt und weiterverkauft. Was für ein Geschäft dahinter steckt, machen die folgenden Zahlen aus der Anklageschrift deutlich: auf dem Vietnamesen-Markt in Tschechien kostete ein Gramm im Schnitt rund 30 Euro. Obwohl der Stoff hierzulande tüchtig gestreckt wurde, erzielte das Pärchen ein Verkaufspreis von 70 bis 100 Euro pro Gramm.


"Nur Beifahrerin gewesen"


Sie sei nur Beifahrerin gewesen, sagte die Frau vor Gericht. Da habe sich das alles nicht so schlimm angefühlt. Im Gegenteil, sie habe sich auf dem Vietnamesen-Markt sogar noch Klamotten gekauft. Außerdem sei sie ja selbst süchtig gewesen. "Da war der Druck einfach stärker", so die Angeklagte.

Die Droge war aber auch der Grund dafür, dass die Beziehung dann doch relativ schnell wieder auseinander ging. Am Ende habe sich alles um die Droge gedreht. "Das war sein Metier, er ist darin aufgegangen", sagte die Frau über ihren Ex-Freund. Sie habe das Ganze schon belastet, schließlich hatte sie bereits damals eine Ausbildung begonnen, während der Dealer seine Tage in Spielotheken verbrachte.

"Ich wollte einfach am normalen Leben festhalten", so die Frau, die sich wenig später aus eigener Kraft auf eine letztlich auch erfolgreiche Therapie in eine Spezialklinik begab. "Das Thema Sucht ist für mich abgeschlossen", machte sie dem Gericht glaubhaft.

Das war am Ende der Verhandlung auch einer der Gründe für die Bewährungsstrafe. Obwohl Staatsanwalt Roland Köhler noch auf zweieinhalb Jahre ohne Bewährung plädiert hatte.


Schlussstrich gezogen


Verteidiger Till Wagner aus Kronach beantragte dagegen eine Strafe von unter zwei Jahren auf Bewährung. Seine Mandantin sei ohne Zweifel wieder auf den rechten Weg zurückgekehrt, da wäre eine Gefängnisstrafe das völlig falsche Signal, sagte der Anwalt. Wer einen endgültigen Schlussstrich zieht, sollte auch mit der Milde des Gesetzes rechnen dürfen.

Vorsitzende Richterin Nicole Allstadt legte die Bewährungszeit auf drei Jahre fest, zudem muss die Angeklagte 500 Euro an den Bewährungshilfeverein "Fähre" in Bayreuth überweisen und die Kosten des Verfahrens übernehmen.