Zwei Künstler, eigenständig und voller Ideen, mit einer ganz eigenen Handschrift malen gemeinsam ein Bild - nacheinander oder gar zeitgleich? Schwer vorstellbar, doch genau das ist bei Lisa Stöhr und René Domke der Fall.

Am Anfang steht immer ein Fleck; daher auch der Name der Ausstellung im Atelier in Kronach, Lucas-Cranach-Straße 8. Ausgehend von diesem Farbklecks machen sie zusammen Kunst und arbeiten sie zusammen am selben Bild, das sich dann - ohne, das Ganze schon vorher bis zum Ende durchzuplanen - weiterentwickelt.

"Ich bin manchmal schon sauer, wenn René etwas wegnimmt, übermalt und etwas zerstört, an dem ich gerne weiter gemalt hätte.

Aber ich bin auch manchmal sehr froh, dass er, wenn es bei mir nicht mehr weitergeht, meine Bilder für mich weiterführt", erklärt Lisa Stöhr das ungewöhnliche Aufeinandertreffen verschiedener Ideen und fügt gleich hinzu: "Die Bilder sind klüger als wir. Sie sind uns immer ein Stück voraus".

Kreativität im Doppelpack
Erstaunlich ist dabei für den Betrachter insbesondere die Tatsache, dass es von außen nicht ersichtlich ist, wer welchen Teil zu den Bildern beigetragen hat. Die Malereien der sehr frisch und anregend daherkommenden Ausstellung sind stimmig, sie sind ästhetisch und abwechslungsreich. Man könnte auch sagen: Sie bestechen mit "Kreativität im Doppelpack".

Die beiden, die auch privat ein Paar sind, malen seit rund zwei Jahren zusammen. Sie lernten sich einige Zeit zuvor bei einer Ausstellung kennen.

Lisa Stöhr wurde 1972 in Coburg geboren. Heute lehrt und malt sie in Kronach und Mitwitz. Sie stellte schon mehrmals beim Kronacher Kunstverein aus - so vor etwa sieben Jahren bei ihrer Debütantenausstellung auf Papier.

Im vergangenen Jahr war sie mit drei befreundeten Künstlerinnen ebenfalls in den Räumen des KKV zu sehen, damals mit einer gemeinschaftlichen Ausstellung. Das Atelier in der Oberen Stadt hat sie im Rahmen ihres bayerischen Landesstipendiums seit einem Jahr.

"Ich dachte, es wäre einfach mal an der Zeit zu zeigen, woran wir malen", erklärt die Lehrerin an der Montessori-Schule in Mitwitz. Bevor sie das Atelier angemietet hatte, malte sie zuhause - beispielsweise auf dem Fußboden oder auf dem Tisch. Bei einer Ausstellung lernte sie René Domke kennen, der 1977 in Crivitz in Mecklenburg-Vorpommern geboren wurde.

 


Ein starkes Team
Mittlerweile leben sie in Kronach zusammen. Sie sind zweifelsohne ein starkes Team - und diese Vertrautheit merkt man den Bildern deutlich an. Der Ausdruck der Farben ist wichtig, manchmal sind auch Figuren zu erkennen. Die Bilder erzählen Geschichten, über die die beiden Künstler in Titeln wie "Spaziergang", "Entblößt" oder "Schulweg" einiges preisgeben. Aber die Geschichten soll jeder für sich erkennen; sie bleiben geheimnisvoll. Jeder sieht etwas anderes darin.

Da zeigte sich auch Helge Pfannenschmidt, ein guter Freund der Künstler, sicher. Der freie Lektor und Texter edition AZUR, der auch schon in verschiedenen Projekten mit René Domke zusammengearbeitet hat, führte in die Vernissage ein. "Ich mag diese Bilder sehr gerne. Sie sind mir nah und bedeuten mir etwas", erklärte er.

 

Es gebe Bilder, die einem im Gedächtnis blieben und andere, die man gleich wieder vergesse.

Eine von Lisa Stöhr geschaffene Traumszene, die er vor eineinhalb Jahren gesehen habe, gehe ihm noch heute im Kopf herum. Von René Domke habe er ein großes Gemälde in seinem Büro hängen, das er genau beschreiben könne. "Das sind Bilder, die bei mir bleiben", gestand er. Die Bilder enthielten für ihn im Kern eine ganze Geschichte, die er dann selbst für sich weiterspinne. Ihm gefalle daran, dass sie nicht mit einer Symbolschwere beladen seien, sondern am Material und am Gegenstand blieben.