Im Winter 1904 entstand am Haßlachfluss in Neukenroth eine aussagestarke Aufnahme, die eindrucksvoll den Wandel dokumentiert. In diesen Schnappschuss, von einem unbekannten Fotografen - damals ein echter Profi mit umfangreicher schwerer Gerätschaft - aufgenommen, lässt sich so einiges hineininterpretieren.

Waschen im Fluss

Diese seinerzeit unüblichen Aktivitäten boten eine willkommene Abwechslung für die Dorfbewohner. Für Gesprächsstoff war allemal gesorgt. Uns interessieren vor allem die beiden Frauen, die mit ihren Butten aus der zugefrorenen Haßlach recht mühevoll Wasser für den täglichen Bedarf holten. Üblich war seinerzeit das Wäschewaschen an den Flüssen. Heute wäre dies bei der derzeitigen Umweltverschmutzung wohl kaum mehr möglich.

Die Welt von 1904 - für uns kaum noch vorstellbar - war eine völlig andere. In jener Zeit gab es landauf, landab weder Radio, Fernseher, Telefon noch Strom. Alles Erfindungen, die das Leben der nachfolgenden Generationen grundlegend verändert hat. Es war aber auch die Zeit, da die Flößer mit ihren Holzverbänden auf dem Haßlachfluss für Abwechslung sorgten.

Verändert hat sich auch das Straßenbild von 1904, aber nicht wesentlich. Einige dieser Häuser haben die Stürme der Zeit bis zum heutigen Tag ganz gut überstanden. Vor allem mit dem Neubau der Gaststätte "Resi" (früher Heubach) erfolgte eine Umgestaltung der Straßenfront mit ihren verschieferten Häusern.

Kein Hochwasserschutz

Auffallend ist zudem noch, dass damals das Ufer gegen Hochwasser ungeschützt war. Eine autofreie Ortsdurchfahrt sorgte für eine stressfreie, gemütliche dörfliche Atmosphäre. Keine schädlichen Abgase belästigten die Anlieger. Die endlosen Blechlawinen von heute hätten sich die Neukenrother im Jahre 1904 wohl kaum vorstellen können.

Die zugefrorene Haßlach erinnert aber auch an den schleichenden Klimawandel. Die Bierbrauer - in Neukenroth gab es auch einige - hätten bei den aktuellen Witterungsverhältnissen schlechte Karten gehabt, denn die zugefrorenen Teiche sorgten mit ihren Eismassen in den Felsenkellern für gut gekühltes Bier, und zwar bis in den Sommer hinein.

Im Brauer- und Büttnermuseum in Weißenbrunn können Eissäge und Eishammer bewundert werden, die für die umfangreiche Eisgewinnung unentbehrlich waren.