Hanna, Luisa und Leonie haben es sich auf einer Bank im Turnraum des Kindergartens gemütlich gemacht. Neben ihnen sitzt "hoher Besuch": Walter Klose, der Felix-Beauftragte im Sängerkreis Coburg/Kronach/Lichtenfels ist zu Gast. Erste Gitarrenklänge sind zu hören. Die drei Mädchen und die anderen Kinder stimmen sofort mit ein. Aus ihren Kehlen schallt das Lied "Sieh mit dem Herzen", musikalisch begleitet mit einigen Triangeln und Schlagstäben. Walter Klose ist begeistert. "Es macht mir immer viel Spaß, Euch zuhören. Ihr habt die Auszeichnung wirklich verdient", zollt er den Kindern ein großes Lob.


Aufmerksamer Zuhörer

Der Felix-Beauftragte ist im Kindergarten kein Unbekannter. Die Kleinen kennen ihn schon von seinem Besuch vor einigen Wochen, als er ihnen in der Einrichtung beim Singen und Musizieren zugehört hatte.
Damals hatten ihm die Jungen und Mädchen einen etwa 30-minütigen Einblick in ihr "musikalisches Tagesgeschäft" gegeben. Verschiedene Gruppen hatten vorgesungen und mit Kinder instrumenten musiziert. Auch Bewegungslieder wurden vorgeführt.

Klose war so beeindruckt von den Darbietungen, dass der Kindergarten nun für weitere drei Jahre die Felix-Plakette - zu erkennen an dem zwitschernden Spatz - erhielt. Diese wird auf das Email-Schild, das für alle gut sichtbar an der Außenwand im Eingangsbereich des Gebäudes angebracht ist, aufgeklebt.
Das vom Deutschen Chorverband ins Leben gerufene Gütesiegel belohnt die Förderung und Erhaltung des Chorgesangs als wichtige kulturelle Gemeinschaftsaufgabe.

Da diese bereits im Kinder- und Jugendalter beginnt, unterstützen der Deutsche Chorverband und die deutschen Landeschorverbände das kindgerechte Singen. Mit dem Felix werden nur Einrichtungen ausgezeichnet, die in besonderem Maße die Entwicklung der Drei- bis Sechsjährigen fördern.

"Zur Beurteilung werden insbesondere das tägliche Singen, die Anpassung der Tonhöhe der Lieder an die kindliche Stimme, eine vielfältige und altersgemäße Liedauswahl sowie die Integration von Liedern aus anderen Kulturkreisen herangezogen", erklärt der Felix-Beauftragte. Weitere Kriterien sind die Aufführung von Tanz- und Bewegungsliedern sowie das Einbeziehen rhythmischer Instrumente.

Die Auszeichnung ist auf drei Jahre befristet. Die Kindergärten können sich alle drei Jahre darum bewerben. Dann wird geprüft, ob die Voraussetzungen weiter gegeben sind.


Interesse lässt nicht nach

"Der Kindergarten Wilhelmsthal war einer der ersten im Landkreis Kronach, der die Felix-Plakette erhalten hat", lobt Walter Klose, der auch für Lichtenfels und Coburg zuständig ist. Der Landkreis Kronach sei in Sachen "Felix" mittlerweile gut aufgestellt. Die Begeisterung für die Auszeichnung sei ungebrochen. "Es kommen neue Kindergärten hinzu. Aber auch die, welche die Plakette schon haben, lassen sie nach Ablauf der drei Jahre verlängern", freut er sich. Für Klose ist das Wichtigste beim Singen mit Kindern, dass diese Spaß daran haben.

Und Spaß haben die Jungen und Mädchen in Wilhelmsthal auf alle Fälle. Hanna, Luisa und Leonie sind gute Sängerinnen und sehr musikalisch. Luisa und Leonie haben sogar jeweils eine eigene Gitarre zu Hause. "Wir bringen die manchmal mit in den Kindergarten. Im Morgenkreis spielen wir dann zu den Liedern", verraten die Fünfjährigen. Daheim spielen sie auch oft die neu einstudierten Lieder nach.

Luisa singt manchmal mit ihren Cousins zusammen. "Ich habe auch meiner Oma zu ihrem Geburtstag Lieder vorgesungen. Da hat sie sich sehr gefreut", verrät sie. Leonie singt manchmal mit ihrem älteren Bruder. "Ich habe auch noch eine kleinere Schwester, die kann aber noch nicht so gut singen - nur lalala", sagt Leonie mit einem Schmunzeln. Besonders das "Sieh mit dem Herzen"-Lied gefällt den drei Mädchen gut. Und natürlich kennen sie auch den "zwitschernden" Vogel Felix.

Laut Kindergartenleiterin Johanna Höfner nimmt die Förderung der musikalischen Entwicklung in ihrem Kindergarten von jeher einen hohen Stellenwert ein. "Die Musik ist uns ganz wichtig - gerade auch Lieder, zu denen man sich bewegen kann. Das macht den Kindern viel Freude. Musik ist einfach ein Lebensgefühl", schwärmt sie. Man singe so oft wie möglich. Das tägliche Singen gehöre seit jeher dazu. Zudem sei Singen bereits im frühen Alter auch für die Sozial- sowie Persönlichkeits-Entwicklung der Kinder wichtig. Es trage zum guten Miteinander und Gemeinschaftsgefühl bei.

Höfner nahm die Auszeichnung mit ihren Mitarbeiterinnen und den Kindern entgegen. Die Freude war riesig, als Klose die Urkunde übergab. Die Hauptpersonen bedankten sich dafür auf ihre ganz besondere Art, stimmten sie doch noch das Lied "Macht die Türen auf" an - passend zur Weihnachtszeit.