Reh, Wildschwein, Dachs und Fuchs - gerade in der Dämmerung und in der Brunftzeit können Wildtiere überraschend die Straße queren. Alle zwei Minuten findet in Deutschland ein Verkehrsunfall mit einem Wildtier statt: 700mal am Tag.

Eindringlich appelliert der Leiter des Projektteams "Wild und Straße", Klaus Riedel, an die Autofahrer, in den nächsten Wochen nach der Zeitumstellung in wildunfallgefährdeten Bereichen besonders vorsichtig zu fahren. Schon bei nur 70 Stundenkilometern wäre die Gefahr dort deutlich geringer als bei Tempo 100.

"Warnschilder ernstnehmen"

Aufgrund verschiedener Maßnahmen konnte der Anstieg an Wildunfällen im Landkreis Kronach deutlich geringer als in vielen anderen Gebieten gehalten werden. Er war in den letzten Jahren dennoch dramatisch.
Die erfolgreichen Maßnahmen richteten sich insbesondere gegen Wildwechsel an besonders gefährlichen Stellen.
Ohne aktives Mittun der Autofahrer werde es weiterhin viele Wildunfälle geben. Wildwarnzeichen müssten endlich ernster genommen werden, sagt Klaus Riedel. Der Verkehr werde immer dichter. Immer eiliger seien viele unterwegs. Wildwarnzeichen würden da von den allermeisten überhaupt nicht ernst genommen.

Jetzt im Spätherbst werde das Wild häufiger über die Straßen wechseln, um an Nahrung zu kommen, erklärte Projektleiter Klaus Riedel, der auch dem Ausschuss für Revier- und Wildschutz im Bayerischen Jagdverband angehört.

Das Wild benötige für den Winter Kraftreserven. Durch die Zeitumstellung steige das Risiko von Wildunfällen. Wenn die Uhren am vergangenen Sonntag eine Stunde zurück gestellt wurden, falle der Berufsverkehr plötzlich weitgehend in die Dämmerung. "Das ist die Zeit, in der Wildtiere auf Nahrungssuche sind", warnt auch der Deutsche Tierschutzbund.

Geringere Geschwindigkeit in Gefahrenbereichen - meist durch Verkehrszeichen beschildert - und reichlich Abstand zu voraus fahrenden Fahrzeugen wären sinnvoll. Taucht Wild am Straßenrand auf kann Hupen helfen. Aufblenden mit Fernlicht hingegen irritiert das Wild und macht es auf der Fahrbahn orientierungslos.

Unfallzahlen gingen zurück

Ein Beispiel für die Effektivität der Maßnahmen ist die Bundesstraße B 85 hinter Weißenbrunn in Richtung Kulmbach. In diesen Bereichen gab es in den vergangenen Jahren erhebliche Wildunfallzahlen. Im Umfeld von Kirchleus konnten diese nunmehr durch engagierte Maßnahmen fast völlig verhindert werden, ist Klaus Riedel dem dortigen Jagdpächter Reiner Leutheusser sehr dankbar. Maßnahmen wirkten also auch weiterhin. Das Mittun und die Vorsicht der Autofahrer seien in den nächsten Wochen enorm wichtig.