Die Nase läuft, der Hals kratzt. Also vor der Arbeit schnell zur Apotheke. Vorher geht es aber noch am Geldautomaten vorbei. Schließlich gibt es die "Waffen" im Kampf gegen die Triefnase nicht umsonst. Doch die böse Überraschung erlebe ich am Apothekenschalter - mein Geldbeutel ist leer! Keine Spur vom gerade "gezapften" 50-Euro-Schein. Im Automaten vergessen? Verloren? Gestohlen? Ich bin ratlos.

Zu meiner Erleichterung erfahre ich, dass mein Missgeschick kein Einzelfall ist. Und dass Hilfe nicht fern ist, wenn man das Geld im Automaten stecken lässt. Dieter Schirmer von der Raiffeisen-Volksbank in Kronach nimmt sich meines Problems an.

Per Überwachungsvideo versucht er, mein Vorgehen bei der Geldausgabe nachzuvollziehen. Kameras sind auf die vier Automaten der Kronacher Bank und die Räume gerichtet, in denen sie aufgestellt sind.
Die Bilder, die ich selbst natürlich nicht einsehen darf, haben laut Schirmer heutzutage eine sehr gute Qualität, so dass selbst Gesichter gut zu erkennen sind. Dadurch wird auch der Kriminalität in diesem Bereich ein Riegel vorgeschoben. Und wie Schirmer feststellt, habe ich mein Geld offenbar gezogen - und daher wohl beim Einstecken auf dem Weg zum Auto verloren. Pech gehabt!

Computer überwacht Automaten

Doch was passiert, wenn das Bare gar nicht entnommen wird? In der Regel ist das kein Beinbruch. "Wir haben ein Programm, durch das wir jeden Vorgang, jeden Schritt des Automaten einsehen können. Dadurch können wir zu 99 Prozent sagen, das Geld ist noch im Automaten oder es wurde entnommen." Und wenn es stecken bleibt, wird es nach wenigen Sekunden wieder eingezogen. Sollte ein anderer Kunde unmittelbar nachfolgen und es sich doch noch rechtzeitig unter den Nagel reißen, wird das wiederum von den Kameras festgehalten.

Im Automaten wird das eingezogene Geld separat gelagert und zeitnah von den Bankangestellten kontrolliert. So wird vermieden, dass das Geld aus mehrere Einziehungen den Kunden nicht mehr klar zuzuordnen ist. Und vergessenes Geld ist keine Seltenheit.

"Die häufigste Ursache für ein Einziehen durch den Automaten ist, dass der Kunde in ein Gespräch verwickelt wird, das kommt oft vor", berichtet Schirmer. Allein an den beiden Automaten in der Hauptstelle der Bank passiere das ein- bis zweimal pro Woche.

Zurück auf das Konto

Es komme auch vor, dass der Kunde das Einziehen bemerkt, im letzten Moment zugreift und noch ein paar Scheine erwischt. Dann werde das Konto des Betroffenen zwar zunächst mit der vollen Abhebungssumme belastet, aber nach der Kontrolle werde ihm das im Automaten verbliebene Geld natürlich wieder gutgeschrieben.
Und nicht nur die Kronacher Kunden kommen laut Schirmer so auf alle Fälle wieder zu ihrem Geld. "Wir hatten mit der Erstattung noch nie Probleme. Und wir haben ja - zum Beispiel während des Freischießens - auch Kunden aus München oder von anderswo, die auch am Wochenende abheben, wenn wir nicht da sind." In solchen Fällen werde Kontakt mit der Bank des Betroffenen aufgenommen und das Geld wieder auf dessen Konto transferiert. "Das haben wir immer geklärt", sagt Schirmer und ergänzt mit einem Lächeln: "Es ist noch nie Geld im Automaten übrig geblieben."

Der Bankangestellte geht aber noch auf ein anderes Problem ein: Die Kriminalität. Es sei auch kein Seltenheitsfall, dass versucht werde, mit fremden Karten Geld abzuheben. Dann komme zumeist die Polizei auf die Banken zu, um auf den Videos nach den Tätern zu suchen.

Um diese Situation von vornherein zu vermeiden, rät Schirmer zu einem vorsichtigen Umgang mit Karte und Geheimzahl sowie zu Aufmerksamkeit während des Abhebungsvorgangs. Dann lässt sich nämlich viel Ärger ersparen.