Die Aktivierung von Bürgerengagement und Eigeninitiative - darauf zielt das Projekt "Kommunalmarketing plus" ab. Dabei handelt es sich um eine Fortentwicklung des seit 2016 umgesetzten Modellprojekts. Die Trägerschaft hat weiterhin "Kronach Creativ" inne. Dessen Vorsitzender Rainer Kober stellte am Dienstag im Beisein der Projektleiterinnen Sabine Nuber und Sabine Baumgartner dem Weißenbrunner Gemeinderat das Projekt detailliert vor. Ziel ist es, erneut drei Modellgemeinden auf ihrem Entwicklungsweg zu einer attraktiven und nachhaltig vitalen Gemeinde zu begleiten.

"Wichtig ist Eigeninitiative als Motor für Veränderung. Der Motor wiederum braucht Sprit - und das ist die Perspektive", zeigte sich Kober sicher. Im Rahmen von "Kommunalmarketing plus" sollen die Ortsentwicklung analysiert, Entwicklungsziele formuliert und überzeugend kommuniziert sowie Interesse und schlummerndes bürgerschaftliches Engagement gefördert werden. Die erste Phase beinhaltet eine umfassende Bestandsaufnahme, wozu 15 ausgewählte Bürger zu den Gegebenheiten vor Ort interviewt werden. Neben Stärken und Schwächen werden auch gewachsene Werte, Potenziale und Charaktereigenschaften der Gemeinde erfasst. Die Erarbeitung von Zielen und die Weg-Beschreibung schließen sich an.

Das Wohnraumproblem

Phase zwei dient zur Bekanntmachung von Zielen und Umsetzungsstrategien in der Bürgerschaft, die aus eigener Initiative heraus aktiv werden soll. Erreichen will man dies insbesondere durch das Kreieren einer motivierend-identitätsstiftenden Leitbotschaft sowie Schlüsselprojekte. So unterschiedlich die Gemeinden auch seien, hätten sie doch, so Kober, alle das gleiche drängende Problem, nämlich fehlenden attraktiven Wohnraum. Wie solle sonst auch Zuzug stattfinden.

Wohnungssuchende und Investoren dabei unterstützen sollen ehrenamtliche Immobilienlotsen - ein Angebot, das sich in den drei Modellgemeinden Steinwiesen, Stockheim und Steinbach am Wald aus der ersten Projektphase bewährt habe. Neu hinzu kamen in der Projektphase zwei bislang Wallenfels und Wilhelmsthal. Auch die Fortentwicklung wird vom bayerischen Heimatministerium gefördert. Die Kosten des zunächst bis Ende 2021 laufenden Projekts betragen für die Kommune jährlich 3000 Euro.

Die Ausführungen wurden parteiübergreifend positiv aufgenommen. "Das ist eine große Chance für Weißenbrunn", bekundete Bürgermeister Jörg Neubauer (SPD), eine derartige professionelle Unterstützung gerne anzunehmen. Zweiter Bürgermeister Michael Gödel (FW) erkundigte sich, welcher Personenkreis sich in den bereits teilnehmenden Gemeinden engagiere. "Es gibt hier zwei Typen", antwortete Kober: diejenigen, die sich schon anderweitig für ihre Heimat sehr einbrächten, aber auch "Neu"-Engagierte, die eines Anstoßes bedürften.

Günther Oßwald (SPD) fragte nach der weiteren Vorgehensweise und ob man die Ziele innerhalb der kurzen Projektdauer tatsächlich umsetzen könne. Laut Kober verfüge man über Erfahrung in den teilnehmenden Gemeinden. Zudem habe Weißenbrunn durch sein Gemeindeentwicklungskonzept eine gute Basis. Erfreulicherweise habe das Ministerium eine Fortführung um drei weitere Jahre in Aussicht gestellt. Nichtsdestotrotz sei die Mitarbeit der Gemeinde enorm wichtig. Einstimmig ermächtigte das Gremium den Ersten Bürgermeister, sich für das vorgestellte Projekt zu bewerben.

Noch einmal behandelt werden musste die 14. Änderung des Flächennutzungsplanes der Gemeinde für das Sondergebiet "Photovoltaik-Anlage Gössersdorf Nord-Ost". Bereits in seiner Sitzung vom 7. Juli dieses Jahres hatte der Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde hierfür grünes Licht gegeben. Dies geschah, so der Bürgermeister, durch einen Fehler der Verwaltung. Behandlung sowie Beschlussfassung oblägen laut der neuen Geschäftsordnung nämlich nicht mehr dem Ausschuss, sondern falle in den Zuständigkeitsbereich des Gemeinderats.

Diplom-Geograf Norbert Köhler vom Ingenieurbüro IVS Kronach informierte daher nochmals über die im Zuge der öffentlichen Auslegung eingegangenen Anregungen und Stellungnahmen von Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange. Diese wurden - soweit erforderlich - in die Planungen aufgenommen. Seitens der Öffentlichkeit waren keine Äußerungen eingegangen. Die hierfür notwendigen Beschlüsse erfolgten jeweils einstimmig.

Photovoltaik: Konzept gefordert

Um die Ausweisung zukünftiger Photovoltaik-Flächen in der Gemeinde sowie im Umfeld ging es auch bei der Bürgerfragestunde eingangs der Sitzung. Zu Wort meldeten sich Peter Heuschmann und Anja Dietrich. Laut Heuschmann seien sicherlich alle Gemeindebürger regenerativen Energien gegenüber aufgeschlossen. In seinen Augen bedürfe es jedoch eines Konzepts, wie viele Flächen bebaut und auf welchen Gebieten Photovoltaik-Anlagen entstehen sollen. In der Gemeinde habe man Windvorrangflächen, die man dafür auch freihalten sollte. "Photovoltaik - ja, aber sinnvoll und an geeigneten Flächen", mahnte er.

Unterschriftenliste übergeben

Dietrich übergab eine Unterschriftenliste Gössersdorfer Bürger - mit dem Appell, die Ausweisung weiterer Flächen im Gemeindegebiet zu vermeiden. Neubauer äußerte für die Bedenken Verständnis, gerade auch hinsichtlich der gemeindeüberschneidenden Lage von Gössersdorf. Man habe aber weder Einfluss auf die Entscheidung von Nachbargemeinden, noch könne man in Privatrecht eingreifen. Zudem bestehe der Druck, bis 2030 rund 65 Prozent mit -neutralen Energien abzudecken. "Es soll keine Verlierer geben", betonte er. In diesem Zusammenhang soll eine baldige Zusammenkunft mit Vertretern der betroffenen Landkreise stattfinden.

Weitere Beschlüsse: Der Gemeinderat hatte in seiner Sitzung vom 24. September 2019 eine Zweckvereinbarung über die interkommunale Zusammenarbeit beim Datenschutz und bei der Informationssicherheit mit dem Landkreis beschlossen. Nachdem das Gremium mittlerweile bereits Klaus Völk vom Landratsamt Kronach als behördlichen Datenschutzbeauftragten der Gemeinde bestellt hatte, benannte man nunmehr Ronny Gremer vom Landratsamt Kronach zum Informationssicherheitsbeauftragten.

An Kosten fallen hierfür für die Gemeinde alljährlich insgesamt 4500 Euro an.

Aus dem Gemeinderat

Mobilitätskonzept Bürgermeister Neubauer freute sich über den Start des Mobilitätskonzepts ab 1. August. Davon profitiere gerade auch Weißenbrunn sehr. Die ersten fünf Wochen seien für alle Nutzer kostenfrei, um dieses zu testen. Im Gemeinderat geht man dabei mit gutem Beispiel voran. So wird man im Zuge einer Klausurtagung das neue Konzept ausprobieren und nach Steinbach am Wald fahren. Als Termin kommt der 28. August oder 4. September infrage.

Schule Schnell und unbürokratisch sei die Inanspruchnahme des Digitalisierungs-Förderprogramms für Schulen vonstattengegangen, acht iPads konnten an Schüler ausgegeben werden. Leider sei Weißenbrunn heuer nicht beim Ferienprogramm dabei. Er hoffe, dass 2021 wieder ein schönes Programm zustandekomme.

Freizeit Sehr erfreulich sei die Neueröffnung von "Heddi und Paul" am 17. August in Reuth. Dahinter verbirgt sich eine Freizeiteinrichtung für Jung und Alt mit einer Rundumbetreuung von 5 Uhr bis 22 Uhr. Flyer liegen im Rathaus aus. Näheres findet sich auch unter www.heddiundpaul.de.

Dorferneuerung Ende der Woche erscheint der Flyer für die Dorferneuerung Hummendorf. Im Herbst soll diesbezüglich eine Bürgerversammlung stattfinden, in dessen Zuge Landrat Klaus Löffler den Ausbau der Ortsdurchfahrt der Kreisstraße KC 5 vorstellt.

Anfragen Günther Oßwald (SPD) sprach das seit rund 14 Tagen stehende Vorfahrtsschild in Reuth bei der Straße hinauf nach Thonberg an. Hierüber wurde das Kreisbauamt mittlerweile informiert. Zudem wollte er wissen, ob in Hummendorf angesichts der bereitgelegten Schilder und aufgestellten Ampel Baumaßnahmen erfolgten. Dies bejahte der Bürgermeister. So werden diese Woche Bauarbeiten am Kanal der Kreisstraße Richtung Au getätigt und hierfür Schächte gehoben.