Gut fürs Wohlbefinden, aber schlecht für die Umwelt? Am Holzofen im Wohnzimmer entzündet sich nicht selten Streit. Gilt die lodernde Flamme manchem gar als Symbol für den Klimaschutz, weil hier nur Nachwachsendes verheizt wird, wittern andere dicke Luft sprich Feinstaub.

Fakt ist: Obwohl die Zahl der "häuslichen Feuerstätten" in Deutschland seit Jahren mit rund elf Millionen auf gleichbleibend hohem Niveau bleibt, haben sich die Emissionen um etwa ein Drittel verringert. Das geht nach Aussage des Branchenverbandes Haus, Heiz- und Küchentechnik (HKI) aus Daten des Umweltbundesamtes hervor.

In der Region weit verbreitet

Michael Brand, als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger für den Bereich Kronach II (Teile Kronachs, Dörfles, Friesen, Steinberg, Gifting, Posseck, Trebesberg) zuständig, bekommt es auch im Frankenwald regelmäßig beruflich mit den Holzöfen in ihren verschiedensten Ausführungen zu tun. "Die Leute sagen, ihre Wärme sei molliger und strahle besser ab", nennt er ein häufiges Argument, das er für die Anschaffung einer solchen Feuerstätte hört. Gerade Frauen hätten es gerne mal etwas wärmer; da heize ein solcher Ofen eben schneller auf, als beispielsweise eine Fußboden- oder eine Zentralheizung. Manchmal gehe es den Besitzern aber auch einfach nur um das Ambiente im Zimmer.

Die Häufigkeit von Holzöfen sei dabei regional sehr unterschiedlich, stellt Brand fest. In Orten wie Friesen, wo viele noch Waldbesitzer seien, treffe man diese Feuerstätten vergleichsweise öfter an als beispielsweise im städtischer geprägten Kronach. Und in ländlichen Orten wie Gifting oder Posseck gebe es noch sehr viele solcher Öfen, die aus älterer Zeit stammen.

Auch überregional finden sich noch viele ältere Holzöfen. HKI-Geschäftsführer Frank Kienle sagt, dass von den rund 300 000 Öfen, die in Deutschland jedes Jahr verkauft werden, etwa 75 Prozent keine Neuanschaffungen sind, sondern Ersatz für ältere Geräte. Der Gesetzgeber hat die Anforderungen an Holzfeuerungsanlagen verschärft. Schrittweise verlieren Öfen und auch Holzheizungen, die den verschärften Auflagen der Immissionsschutzverordnung nicht entsprechen, ihre Betriebserlaubnis. Das prüft der Kaminkehrer.

Bestandsschutz für ältere Öfen

Was kaum bekannt ist: Das Gesetz sieht eine Ausnahme, sprich einen Bestandsschutz, für historische Öfen (älter als 1950) vor sowie für Öfen, die ausschließlich zum Kochen/Backen oder Räuchern verwendet werden. Ob der gebraucht gekaufte Oldtimer-Ofen oder -Herd im neuen Haus unter diese Ausnahmeregelung fällt, ist im Einzelfall zu prüfen.

Die wichtigste Frage, die bei der Anschaffung eines Holzofens zu beachten ist, lautet folglich: Entspricht das Gerät den gesetzlichen Anforderungen? Beim Kauf im Fachhandel ist das in der Regel garantiert; aufpassen muss man, wenn man einen Ofen im Internet und/oder gebraucht erwirbt. Ebenso ist beim Einbau Vorsicht geboten. Das sagt auch Michael Brand: "Eine Änderung sollte man planen und mit dem Kaminkehrer besprechen. Auf keinen Fall sollte man einfach auf gut Glück vorgehen." Sonst könnte ein böses Erwachen drohen.

Die Ofen-Frage

Doch was sollte bei der Anschaffung eines Holzofens berücksichtigt werden? Aus der offenen Feuerstelle im Haus, die bis ins späte Mittelalter weit verbreitet war, hat sich der Grund- oder Kachelofen entwickelt. Vom Fachmann gemauert, gilt er bis heute als Königsklasse des Ofens im Haus. Er speichert die Wärme lange und gibt gesunde Strahlungswärme ab. Er ist sehr wirtschaftlich, aber in der Anschaffung teuer.

Die weit verbreitete Alternative ist der Kaminofen, der schon für wenige Hundert Euro zu haben ist. Sein Charme ist die Tür mit dem Glasfenster, das einen Blick auf das Flammenspiel erlaubt. Teure Kaminöfen haben eine Steinverkleidung, die die Wärme länger speichert. Kaminöfen der Premium-Klasse können über Rohrleitungen an das Heizsystem des Hauses angeschlossen werden und in gut isolierten Gebäuden sogar als alleinige Heizung dienen.

Als Alternative in Räumen ohne Kaminanschluss kommen Elektro- oder Ethanol-"Kamine" in Frage. Hier steht mehr die Optik als der Heiz-Effekt im Vordergrund, und die Betriebskosten sind sehr hoch.

Die Kamin-Frage

In Häusern älterer Generation gibt es oft zwei Kamine. Das ist praktisch, wenn man einen Ofen anschaffen will. Da am Kamin für die Zentralheizung keine zweite Feuerstätte angeschlossen werden darf, steht der zweite Abgasschacht dafür zur Verfügung. Vor Anschaffung und Anschluss muss man aber unbedingt den Kaminkehrer befragen. Schornsteine von "annodazumal" genügen den aktuellen Anforderungen in der Regel nicht, im schlimmsten Fall droht Lebensgefahr, wenn der Kamin nicht optimal zieht und der Ofen Kohlenmonoxid freisetzt.

Ältere Kamine kann man in der Regel nachrüsten (Verkleinerung des Querschnitts mit Edelstahlrohren und Isolierung). Ist das nicht möglich oder zu teuer oder steht gar kein Kamin zur Verfügung, kann man ein Haus nachrüsten, im einfachsten Fall mit einem Außenkamin aus Edelstahl. Optisch nicht immer schön, aber relativ preiswert (Bausatz).

Fünf Meter Kamin bekommt man schon für um die 500 Euro im Internet. Empfehlenswert ist allerdings der Kauf im Fachhandel; ein Kamin ist ja nicht nur ein simples Rohr, es braucht eine ganze Reihe von Zusatz- und Kleinteilen. Die Alternative für Sparfüchse: Manchmal bekommt man einen Kamin gebraucht günstig.

Die Brennstoff-Frage

In Franken ist es Teil der ländlichen Lebensart: Brennholz wird selbst im Wald "gemacht" und zuhause gelagert. Das ist die günstigste (und zugleich eine sportliche) Art der Heizung. Freilich ist das Hantieren mit Motorsäge und Axt nicht jedermanns Sache.

Wer sich gar nicht auf den Holzweg begeben will, greift zum mit Pellets befeuerten Kaminofen. Das macht dann nicht mal Schmutz: Die Holzpellets, Presslinge aus Holzspänen, kauft man bequem in 25-Kilogramm-Säcken.

Sie wandern in einen Vorratsbehälter des Ofens und werden dort vollautomatisch in die Brennkammer befördert. Die hat ein Sichtfenster, so dass man auf das Flammenspiel auch nicht verzichten muss. Zwischen 1000 und 2000 Euro sind für diese Öfen fällig.

Wer mit Scheitholz heizen will, muss für Ofen und Brennstoff weniger Geld ausgeben, aber eben Hand anlegen. Wichtig ist es, dass man im oder am Haus oder im Garten über ausreichend Lagerraum verfügt, in dem das Holz luftig und trocken liegt.

Ist der Ofen nur Zusatz- und Gelegenheitsheizung, kommt man mit zwei bis drei Ster Holz pro Saison aus. Kauft man frisches Holz (etwa ab 40 Euro pro Ster/Kubikmeter, je größer die Scheite/Stämme, desto günstiger), muss es etwa zwei Jahre lagern, ehe es brennen kann.

Holz mit einer Restfeuchte von mehr als 25 Prozent darf laut Gesetz nicht verbrannt werden. Als ideal gilt eine Restfeuchte von 15 Prozent. Geräte, die die Holzfeuchte messen, gibt es für 15 Euro.

Das Holz trocknet umso schneller, je luftiger es lagert und je kleiner die Scheite sind. Zusatzeffekt: Holzhacken und -Spalten per Hand ist ein sehr effektives Training mit einem Kalorienverbrauch von 1400 pro Stunde. Altes Sprichwort: Holz heizt zweimal!