Alljährlich treffen sich in Wallenfels am Montag vor Heiligabend die Flößer des Frankenwaldstädtchens zur sogenannten "Flößerkärwa". Dieser deutschlandweit einmalige Brauch erfreut sich seit Jahrzehnten großer Beliebtheit. Das Willi-Schreiber-Flößerhaus an der Floßlände platzt dann förmlich aus allen Nähten. Doch auch dieser Termin - wie so viele andere Veranstaltungen - ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen.

Fünf neue Floßböden gebaut

Die Flößergemeinschaft Wallenfels mit Vorsitzendem Andy Buckreus sowie Bürgermeister Jens Korn hat frühzeitig aus diesem Dilemma die Konsequenzen gezogen und die fünfzehn Floßfahrten für 2020 abgesagt. Dies traf besonders hart die Wirte und Gastgeber im Oberen Rodachtal. Schließlich sind die 6000 Gäste, die alljährlich zu diesem Spektakel anreisen, für die Gastronomie ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Alle vier Floßvereine des Frankenwaldes aus Neuses, Friesen, Unterrodach und Wallenfels hoffen auf ein baldiges Zurück zur Normalität.

Trotz der täglichen Negativ-Schlagzeilen haben sich die Wallenfelser nicht entmutigen lassen. Immerhin sind wieder fünf neue 16 Meter lange Floßböden gebaut worden. So stünden für die Saison 2021, so Vorsitzender Andy Buckreus, 20 Holzverbände zur Verfügung.

Schon 900 Anmeldungen

Für das neue Jahr seien bereits an die 900 Anmeldungen für Floßfahrten eingetroffen. Voraussichtlicher Start sei der 22. Mai 2021. Bereits ausgebucht sei die Fackelfloßfahrt am 24. Juli mit 200 Personen. Die Abstandsregelung sei bei der Größe der Floße kein Problem, so Buckreus. Der Vorsitzende bedauerte, dass nach vierzig Jahren erstmals die beliebte Flößerkirchweih ausfällt. Trotz aller Rückschläge, und dazu zählen auch die extrem trockenen Sommer der letzten drei Jahre, sei man zuversichtlich, die Tradition fortzuführen. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", gibt sich Andy Buckreus optimistisch.

Warum die Flößer kurz vor Weihnachten ihre Kerwa feiern, ist leicht zu erklären. Früher waren die Flößer Mitte des Jahres auf großer Fahrt den Main hinunter bis zum Rhein, teilweise bis nach Holland. Während der traditionellen Wallenfelser Kirchweih im Juli verdienten also die Flößer ihr Brot in der weiten Welt. Und dieses Fest muss ein echter Frankenwäldler feiern. Dies galt erst recht in alten Zeiten.

So konnte es nicht verwundern, dass die rauen Burschen, wenn sie von ihren entbehrungsreichen, strapaziösen Fahrten zurückkehrten, die Kirchweih nachfeiern wollten. Als idealer Tag erschien ihnen dabei der letzte Montag vor Heiligabend. Solange in Wallenfels Flößerei betrieben wurde - gewerblich bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs hinein und später noch als Lohnflößerei auf dem Main bis Ende der 50er Jahre - wurde an diesem Tag die "Flößerkärwa" gefeiert.

Dieser schöne Brauch lebte Dank der Initiative des ehemaligen Vorsitzenden Heinz Ring zu Beginn der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts wieder auf. Und seit dieser Zeit hat Andy Buckreus als Nikolaus so manche Schandtat der Aktiven ans Licht gebracht und gekonnt mit seiner Rute die Bestrafung vorgenommen. Heuer kommen dank Corona-Krise die Bürgermeister Jens Korn (Wallenfels) und Gerhard Wunder (Steinwiesen) ungeschoren davon, denn den beiden Kommunalpolitikern wird sonst kurz vor Weihnachten vom Nikolaus gehörig der Kopf gewaschen.Und die Untertanen nahmen dies immer genüsslich zur Kenntnis.