Es gibt Lieder, die unweigerlich das Herz berühren. Als Andreas Thiel in der Klosterkirche "Komm, lass uns träumen, noch einmal Kinder sein" anstimmte, tauchten die Zuhörer in die ergreifende Atmosphäre des Weihnachtslieds ein. Man konnte das Besungene förmlich vor sich sehen: Der Opa, der - im Schaukelstuhl sitzend - Geschichten vorlas, die bescheidenen Geschenke unterm Weihnachtsbaum, die schneebedeckte Landschaft und die hell strahlenden Kerzen - in einer Zeit, in der so wenig noch so viel mehr war. Doch nicht nur bei diesem Stück standen den überwältigend vielen Gästen Tränen in den Augen.

Der Volkschor Kronach hatte auch in diesem Jahr - den Stammgästen des weihnachtlichen Singens schon liebgewonnene - Gäste eingeladen: Die Gruppe "Sechszylinder", die Stubenmusik Rothenkirchen, Roland Schöps an der Orgel und am Klavier, die Sopranistin Jennifer Wittmann und natürlich den Leiter des Volkschors, Andreas Thiel, dessen Bariton durch Mark und Bein geht. Mit ihrem Gastgeber bescherten diese den Besuchern einen Abend, der das "Prädikat" Weihnachtskonzert wirklich verdient hat.


Winterliche Stimmung

Die traumhaft schönen Arrangements ließen schnell eine winterliche Stimmung entstehen. Jeder Zuhörer fühlte sich dabei als Beschenkter bei dem an Höhepunkten reichen Konzert, das ganz in Zeichen der schönen Stimmen stand.

Musikalische Glanzpunkte setzte Jennifer Wittmann mit den von ihr unglaublich gefühlvoll dargebotenen "Quia respexit" von Bach sowie Mendelssohn-Bartholdys "Höre Israel" aus Elias - einfach traumhaft schön! Die in Lichtenfels geborene und nun in Köln beheimatete Sopranistin besuchte ab 2006 die Berufsfachschule für Musik in Kronach, die sie im Juli 2008 als "staatlich geprüfte Ensembleleiterin/Chorleiterin Fachrichtung Klassik" abschloss. Andreas Thiel kitzelte mit "Komm, lass uns träumen" sowie dem von ihm auf der Empore gesungenen "Ich steh an Deiner Krippen hier" die Gänsehautsensoren wach. So manches Taschentuch kam zum Einsatz, als seine berührende Stimme bis zum Kirchendach schwebte. Wunderbar mit den Gesangsdarbietungen verschmolz das technisch perfekte und stilistisch überzeugende Klavier- beziehungsweise Orgelspiel von Roland Schöps, das ihn als wichtigen, aktiv mitgestaltenden Teil des Konzerts unverzichtbar machte. Wunderbar waren seine Orgelsoli.

Der von Andreas Thiel sehr gut eingestellte Volkschor intonierte sauber und textverständlich - mit viel Gefühl und dazu fähig, jedes einzelne Werk zur überzeugenden persönlichen Aussage zu gestalten. Auf eine glaubwürdige und von Herzen kommende Art vermittelten die Sänger und Sängerinnen Weihnachtsperlen. An der Hingabe des Gesangs und der Ehrlichkeit der Lieder war deutlich zu spüren, dass ihnen religiöse Titel Freude und Bestimmung zugleich sind.

Mit geschlossenen Augen träumen

Eine große Bereicherung war - wie bereits im vergangenen Jahr - die Gruppe "Sechszylinder", deren Stimmen tief unter die Haut gingen und die Zuhörer träumen ließen - viele davon mit geschlossenen Augen.
Eine andächtige Atmosphäre schuf die Stubenmusik Rothenkirchen, die - unter Leitung von Josef Schneider - geradezu himmlische Töne erklingen ließ. Von ihren weihnachtlichen Weisen ging eine beruhigende, meditative Wirkung aus.

Der Rektor des Oblatenklosters, Pater Werner Pieper, hatte die Gäste zum Konzert willkommen geheißen. Er und auch die Vorsitzende des Volkschors Kronach, Christine Kirmes, bedankten sich bei allen Akteuren. Der besondere Dank von Kirmes galt Andreas Thiel, den sie mit "Nervenfutter" bedachte - für das große Engagement, das er bei der Arbeit mit dem Chor an den Tag lege - ein Engagement, das sich offensichtlich lohne, wie der nicht enden wollende Applaus der Gäste unterstrich.