Staatsgelder für marode Schwimmbäder? Das wäre eine Möglichkeit, um sanierungsbedürftige Einrichtungen zu erhalten. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Zusammenkunft des SPD-Ortsvereins Tettau am Dienstagvormittag.

Für den Gemeinderat Willi Güntsch (SPD) gehört das Schwimmbad in der Tettauer Grundschule zur Lebensqualität. Es ist ein Teil des öffentlichen Lebens. Aber: Für eine Generalsanierung, die immerhin Kosten in Höhe von etwa 700 000 Euro verursachen würde, fehlt den Tettauern schlichtweg das Geld. Jetzt wird nach Lösungen gesucht.

Am Dienstagvormittag war der Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Markus Rinderspacher, vor Ort. Ihm schilderte Güntsch die Probleme mit dem Schwimmbad. Als Anfang der 70-er Jahre das Schwimmbad im Zuge des Anbaus der Schule mit gebaut wurde, hatte der Markt 3500 Einwohner. Vorhanden war neben einer Grund- auch eine Hauptschule. In den folgenden Jahren wurde ein DLRG-Stützpunkt aufgebaut, der den Badebetrieb und die Finanzen regelte und Schwimmkurse organisierte. In den vergangenen 30 Jahren schrumpfte die Bevölkerung in Tettau um rund 1400 Einwohner. Die Besucherzahlen, die derzeit mit rund 2400 pro Jahr zu Buche schlagen, gingen zurück. Hinzu kommen exorbitant gestiegene Energiekosten und anfallende Reparaturmaßnahmen.

Güntsch hat sich deshalb Gedanken gemacht. Er denkt an Energieeinsparmöglichkeiten, beispielsweise durch die Errichtung einer Photovoltaikanlage etc.


120 000 Euro Defizit

"Das Schwimmbad ist ein Luxus", so Bürgermeister Peter Ebertsch (BfT). Ein Defizit von rund 120 000 Euro fährt diese Freizeiteinrichtung mit dem Lehrbecken pro Jahr ein. Geld, das die Gemeinde finanzieren muss. Auch Ebertsch plädiert für den Erhalt des Schwimmbads, solange sich "die Kosten im Rahmen bewegen".

Ein Defizit gibt es auch in Teuschnitz. Wie hoch genau dies ist, das konnte die Bürgermeisterin Gabi Weber (CSU) nicht beantworten. Die Technik stamme aus der Anfangszeit, aus Mitte der 70-er Jahre, erklärte sie. Diese sei aber nicht zuletzt dank der Pflege des Hausmeisters in einem akzeptablen Zustand. Für sie ist das Schwimmbad eine wichtige und sinnvolle Einrichtung. Dankbar ist sie auch der DLRG Teuschnitz, die den Wachdienst übernimmt und eine aktive Jugendarbeit leistet. "In Teuschnitz kann jedes Kind in der Grundschule schwimmen." Die Stadt habe nun vor rund drei Jahren 100 000 Euro in ein Blockheizkraftwerk (BHKW) investiert. Wie die Bürgermeisterin weiter erklärte, sei die Erwärmung des Brauchwassers ein hoher Kostenfaktor gewesen. Weil durch das BHKW nicht nur Strom erzeugt, sondern auch die Abwärme genutzt werden könne, spare die Stadt im Schwimmbad pro Jahr 20 000 Euro an Energiekosten.


Hoher Unterhalt

Mit einem Defizit in Höhe von jährlich 940 000 Euro hat Kronach mit seinem Crana Mare zu kämpfen. Wie der stellvertretende Leiter der Stadtwerke, Jochen Löffler, erklärte, werden Instandsetzungsmaßnahmen so getätigt, dass ein ordnungsgemäßer Badebetrieb sowohl im Hallen- als auch im Freibad gewährleistet ist. Seit 1970 ist das Crana Mare in Betrieb, im Jahre 1994 wurde der Hallenbadbereich erweitert. "Die Anlage erfordert altersbedingt einen hohen Unterhalt", so Löffler. Zwar existiere ein BHKW, doch reiche dieses für die Erwärmung des Badewassers nicht aus. Was die Besucherzahlen anbelangt, so konnten in den vergangenen fünf Jahren im Hallenbad durchschnittlich 94 000 und im Freibad zwischen 35 000 und 50 000 Besucher pro Jahr registriert werden.
Grundsätzlich, so Löffler, müsse überlegt werden, wie es mit dem Crana Mare weitergeht. Man denkt teilweise an eine Kooperation mit dem Landkreis. Im Zuge dessen könnte ein Lehrbecken angebaut werden. Aber zuerst wolle man nun eine grundlegende Bewertung der Bausubstanz machen.


Millionengrab

Von einem Defizit in Höhe von über 200 000 Euro pro Jahr für das Steinwiesener Hallen- und Freibad sprach der Sprecher der SPD-Kreistagsfraktions und Steinwiesener Gemeinderat Richard Rauh. "Das Schwimmbad ist ein Millionengrab." Er forderte deshalb einen Fördertopf für Schwimmbäder. Denn nur so sei es möglich, dass Kommunen ihre Bäder behalten könnten.


Ein Drittel sanierungsbedürftig

Das sieht auch der bayerische SPD-Chef Markus Rinderspacher so. Aktuell würden in Bayern nur solche Schwimmbäder gefördert, in denen 40 Schulklassen Schwimmunterricht erhalten. 117 Schwimmbäder gebe es in Oberfranken, ein Drittel davon sei sanierungsbedürftig, sagte er. Der Freistaat könnte hier tätig werden und den Kommunen den Anteil des allgemeinen Steueraufkommens von 12,7 auf 15 Prozent erhöhen und damit deutlich mehr Geld in Kassen spülen. Rinderspacher sprach davon, dass jedes zweite Kind im Alter von zehn Jahren nicht schwimmen könne. Für ihn gehörten Schwimmbäder nicht nur deshalb zur Daseinsvorsorge.