Mit Schnee und starken Windböen meldete sich der Winter am Freitag im Frankenwald zurück. Auf den Straßen war wegen des Sturmtiefs "Egon" Vorsicht geboten. Mehrere Bäume brachen. Vor allem in der Rennsteig-Region sorgte der plötzliche Schneefall zeitweise für chaotische Verhältnisse auf den Verkehrswegen.

Wenigstens "nichts Spektakuläres" habe sich für die Feuerwehren im Landkreis in der Nacht zum Freitag und in den Morgenstunden ergeben, lautete das Fazit von Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger. Aber auch wenn dramatische Einsätze glücklicherweise ausblieben, hatten die Feuerwehrleute einiges zu tun. Über ein halbes Dutzend umgebrochener Bäume mussten sie nach Auskunft des Kreisbrandrats entfernen. Steinbach am Wald, Buchbach, Küps, Gehülz und Langenau sind Beispiele für solche Einsätze, die Ranzenberger spontan einfielen.
Gerhard Anders von der Kronacher Polizei meldete eine glimpflich verlaufene Nacht: "Da war für uns überhaupt nichts zu tun." Grund zur Entwarnung gab es bis zum späten Vormittag aber noch nicht; erst wollte die Polizei die weitere Entwicklung des Wetters abwarten. Ein auf die Straße geknickter Baum zwischen Fischbach und Wüstbuch oder ein kurz zuvor bei Gehülz-Bürg auf eine Stromleitung gefallener Stamm mahnten weiter zur Vorsicht. "Die Anwohner haben momentan keinen Strom. Aber auch da wird sich schon gekümmert", stellte Anders fest.

Alle Hände voll zu tun hatten seine Kollegen am Rennsteig. "Die Witterungsverhältnisse in Kronach sind total anders als bei uns", meinte Klaus Schadeck von der Ludwigsstadter Inspektion. "Es war das übliche Chaos. Wenn's hier schneit, dann richtig", ging er auf die nachts und morgens zeitweise "chaotischen Straßenverhältnisse" ein. Mehrere Bäume seien bei Wind und Schnee gebrochen. Viele Fahrzeuge seien in den Graben gerutscht oder in den Schneewehen stecken geblieben. Verletzte habe es zum Glück keine gegeben.
"Es war auch angedacht, die Kreisstraßen KC 9 und KC 35 zu sperren", berichtete Schadeck weiter. Diese beiden Strecken verlaufen im Bereich Windheim beziehungsweise Buchbach. Dort hätten einige Fahrzeuge trotz Winterreifen erhebliche Probleme bekommen. Gegen 11 Uhr habe sich die Lage jedoch beruhigt. Auch die Winterdienste hätten die Situation dann im Griff gehabt, weshalb die Polizei zu diesem Zeitpunkt zunächst wieder von einer Sperrung absah.


Bus landet im Graben

Diese gab es dann allerdings zwischen Lahm und Hesselbach, weil ein Bus in den Graben gerutscht war. Dadurch war die Straße für einige Zeit blockiert - nicht nur für die Verkehrsteilnehmer, sondern auch für den Winterdienst.

Die für die überregionalen Straßen zuständige Straßenmeisterei in Kronach kennt die Situation bei solchen Witterungsverhältnissen. Mit bis zu 14 Fahrzeugen war sie am Freitag im Einsatz, um die Straßen befahrbar und möglichst sicher zu halten.
"Natürlich gibt es Problembereiche an Steigungen - ich sage nur Frankenwaldhochstraße", erklärte Joachim Martin, der Leiter der Straßenmeisterei. Auf solchen Streckenabschnitten komme es immer wieder dazu, dass Lastwagen stecken bleiben. Deshalb appellierte Martin an die Brummifahrer, in solchen Situationen auf den Höhen des Frankenwaldes Schneeketten aufzuziehen.

Manchmal überfordern solche Witterungsbedingungen allerdings die Fahrer. "In Tschirn stehen drei Lkw", nannte Martin ein Beispiel. Deren Fahrer trauten sich nicht mehr weiter. Sollten sich noch weitere Brummis einreihen, würde das Dorf zugeparkt und es könnte für den Räumdienst schwierig werden, noch durchzukommen, befürchtete er. Der Leiter der Straßenmeisterei zeigte aber auch ein gewisses Verständnis. Die Lage, beispielsweise in Kronach, sei mit der auf den Höhen und auf freier Fläche überhaupt nicht zu vergleichen. "Bei Tschirn haben wir Sichtweiten von unter 50 Metern", erklärte er. Da reiche der Blick zum Teil nicht mehr von einer Schneemarkierung bis zur nächsten.


Schulen melden wenige Absagen

In den Schulen hielten sich am Freitag die Ausfälle wegen des markanten Wetters weitestgehend in Grenzen. Wenn Schüler den Weg nach Kronach nicht antreten konnten, dann kamen sie vorrangig aus dem oberen Frankenwald, wie auch stellvertretender Schulleiter Tom Carl vom Kaspar-Zeuß-Gymnasium berichtete.

"Wir hatten einige Anrufe aus dem Bereich Lauenhain, dass der Bus nicht gekommen ist", betonte Carl beispielhaft. Der Großteil der Schüler sei aber, wenn auch zum Teil verspätet, in der Schule angekommen. Carl erklärte, dass man an der Schule während des Winters grundsätzlich versuche, nicht in der ersten Stunde Schulaufgaben anzusetzen, um bei derartigem Wetter die Ausfallquote so gering wie möglich zu halten.

"Bei uns war es heute früh recht chaotisch", berichtete Christine Gehring, Sekretärin an der Maximilian-von-Welsch-Realschule, von etlichen Anrufen von Eltern, die ihre Kinder abgemeldet haben. Insgesamt 29 Schüler aus dem oberen Frankenwald hätten sich entschuldigt, so Gehring. Dabei habe es sich vorrangig um Kinder gehandelt, die mit Bussen zu den Bahnhöfen hätten fahren müssen. Weitaus weniger wild war die Situation am Frankenwald-Gymnasium sowie an der Siegmund-Loewe-Realschule, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass deren Schüler in erster Linie nicht aus dem oberen Frankenwald kommen. Während man am Frankenwald-Gymnasium von vereinzelten Ausfällen sprach, kamen Schüler aus Wildenberg nicht in die Siegmund-Loewe-Schule, weil der Bus nicht den Weg hochgekommen sei.


Verspätung auf dem Heimweg

Leidvolle Erfahrungen mit Sturm "Egon" musste auch unser Redakteur Marian Hamacher machen, der sich am Freitag mit dem Zug auf den Weg in seine rheinische Heimat begab. Bereits in Bamberg hatte sein Zug in Richtung Würzburg Verspätung. Unterwegs erhielt er dann die Nachricht, dass auf seiner Strecke zwischen Würzburg und Frankfurt kein Halt möglich sei. Ein Schaffner erklärte, dass Schneeverwehungen zu Streckenänderungen geführt hätten. "Wenn es nicht weitergeht, fahre ich wieder zurück nach Kronach", sagte Hamacher frustriert am Telefon. Der Zug, den er in Würzburg nehmen wollte, kam dann erst gar nicht an, weil er zuvor an Würzburg vorbei umgeleitet worden war.

Doch schließlich ergab sich eine neue Situation, da ein anderer Zug in Richtung Essen wegen zweistündiger Verspätung deutlich später in Würzburg ankam und so für Hamacher eine neue Option bot, die er auch zog. Wie prekär die Situation für Bahnreisende war, belegte die Aussage einer Schaffnerin an Reisende: "Heute ist eine Ausnahmesituation. Sie können jeden Zug nehmen, den Sie wollen." Das machte Hamacher dann auch, stieg in den Zug in Richtung Essen und kam schließlich mit mehr als zwei Stunden Verspätung in seiner Heimat an.