Wirklich allein sitzen Motorrad-Fahrer auch während eines Rennens nicht im Sattel - die Gefahr fährt immer mit. "Das ist Motorsport, da kann immer etwas passieren. Das muss jedem klar sein", betont Michael Scholz, der Vorsitzende des AC Kronach. Bis auf "kleinere Malheure" sei auf der Strecke des Vereins aber noch kein schwererer Unfall vorgekommen. Das änderte sich vergangenen Samstag. Zwei Tage lang sollte beim "Echt EnduroCup" - einer Rennserie, die in Franken und Thüringen ausgetragen wird - alles im Zeichen des Motorsports stehen. Ein Wochenende der Freude. Es wurde eines der Trauer.


Auf Ursachensuche

Im zweiten von insgesamt drei geplanten Läufen kam ein 46-jähriger Enduro-Fahrer aus dem Großraum Erfurt laut Angaben der Polizei am Nachmittag in einer engen Rechtskurve von der Strecke ab und prallte mit seiner Maschine gegen zwei Bäume. Dabei soll er sich schwerste Verletzungen im Oberkörperbereich zugezogen haben (wir berichteten). Ob diese der Grund dafür waren, dass der Fahrer noch an der Unfallstelle verstarb oder eventuell ein Herzinfarkt ausschlaggebend war, soll eine zeitnah stattfindende Obduktion klären. Auch das Motorrad wurde für eine genauere Untersuchung sichergestellt.

Zwei Tage nach dem sofortigen Abbruch des Rennens ist es Scholz noch immer ein Rätsel, wie es überhaupt zu einem solchen Unfall kommen konnte. "Die Streckenführung ist eigentlich offensichtlich. Es ist eine normale Hangwiese mit Schleifen", erklärt der Vorsitzende. "Da kann schon ein Dreijähriger fahren. Mir ist das einfach schleierhaft." Womöglich sei dem Fahrer schlecht geworden. Anders könne er sich nicht erklären, weshalb der Verunglückte Gas gab und geradeaus weiterfuhr, anstatt rechts abzubiegen. "Aber da müssen wir die Ergebnisse der Untersuchung abwarten", sagt Scholz.


"Strecke war optimal präpariert"

Geschwindigkeit habe jedenfalls keine Rolle gespielt. Vier Stunden hatten die Fahrer Zeit, insgesamt zwölf Runden zurückzulegen. Denn beim Enduro geht es in erster Linie darum, die Tücken einer Strecke dank technischer Fähigkeiten zu überwinden. "Dass aber ausgerechnet an diesem Streckenabschnitt etwas passiert, hätte ich mir nie denken können", sagt Scholz. Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen schließt er aus: "Aus unserer Sicht war alles optimal präpariert. Wenn jemand einfach geradeaus fährt, kann man nichts machen." Sobald es Engstellen gab und sich Fahrer stauten, sei der entsprechende Abschnitt gesperrt und die Strecke umgeleitet worden. Die Hangwiese sei allerdings zu keiner Zeit zu einem Problem geworden.

Einige Stunden zuvor war unter anderem Stefan Dietzer mit seiner Maschine auf der Strecke unterwegs. Der 32-Jährige ist nicht nur begeisterter Enduro-Fahrer, sondern auch Webmaster des "Echt E.V.". Während der AC Kronach lediglich die Strecke zur Verfügung stellte, war "Echt" der offizielle Veranstalter.

Auch Dietzer fällt es schwer, zu fassen, was am Samstag geschah. "Die Gerade ist vielleicht 20 Meter lang. Da kann man gar nicht schnell fahren", erzählt er. "Theoretisch kann man da sogar mit einem Moped fahren." Bei der Rennserie sei es das erste Mal, dass ein solches Unglück geschah. Er hofft, dass die Ursache nun möglichst schnell geklärt wird.

Noch handle es sich um offene Ermittlungen, mit einem Ergebnis der Untersuchungen werde aber noch im Laufe dieser Woche gerechnet, teilt die Polizei Kronach auf Anfrage mit.

Die Strecke ist noch bis Mittwoch gesperrt. Erst einen Tag später darf wieder mit Motorrädern darauf gefahren werden.