Graue Container machen sich seit Jahren auf der großen gepflasterten Fläche neben dem Kronacher Schulzentrum breit. Darin sitzen Schüler, die ihren Unterrichtsstoff pauken. Eigentlich sollte an dieser Stelle Rad gefahren werden. Die Container-Klassenzimmer stehen nämlich auf einem Übungsplatz. Darauf brachte die Polizei früher Schulkindern bei, wie sie sich im Straßenverkehr verhalten sollen. Inzwischen drückt bei dieser Pflichtausbildung nicht nur in der Kreisstadt der Schuh.

An vier Standorten sind die Übungsplätze im Landkreis zurzeit nicht oder nur eingeschränkt nutzbar. "In Kronach wegen der Container, in Neuses durch den Wegfall der Schule bedingt, in Steinbach am Wald ist der Platz verkehrstechnisch schlecht gelegen und in Teuschnitz auf Grund des baulichen Zustands und einer teilweise anderen Nutzung", nennt Schulamtsdirektor Mario Schmidt auf Anfrage die Brennpunkte.

Ein weiterer könnte auf Sicht dazukommen: Küps. Die dort anstehenden Baumaßnahmen werden sich wohl auch auf die Möglichkeit auswirken, radelnde Schüler auf die Gefahren im Straßenverkehr vorzubereiten. Das Schulamt hat daher bereits Gespräche aufgenommen, um Alternativen zu finden. Näher kann Schmidt momentan jedoch nicht darauf eingehen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Er gesteht aber ein: "Es brennt schon etwas auf den Nägeln. Es beschäftigt uns auch deshalb sehr, weil wir einen gewissen Vorlauf brauchen."
Was die Suche erschwert, ist die Nutzung eines solchen Geländes. Es benötigt eine gewisse Dimension, wird im Endeffekt aber nur in der warmen Jahreszeit für die Ausbildung der Schüler benötigt.


Wichtige Maßnahme

Diese Schulung hat für die Verantwortlichen im Landratsamt und bei der Polizei aber einen hohen Stellenwert. Schon die umfangreichen Schulweg-Sicherheitsmaßnahmen alljährlich zu Schulbeginn zeigten, dass der Auftrag ernst genommen werde, die Kinder heil in die Schule und wieder nach Hause zu bekommen, so Schmidt. Heute sei das mehr denn je notwendig. "Wir haben eine Verkehrssituation, die mit der Lage vor 20 Jahren nicht mehr zu vergleichen ist", unterstreicht der Schulamtsdirektor. Die Ausbildung werde deshalb kontinuierlich an die schwierigeren Bedingungen angepasst. Außerdem werde bewusst auch im Realverkehr geübt.

Dass der Radfahrunterricht heuer ausfällt, müssen die Eltern trotz der Engpässe nicht befürchten. "Notdürftig kommen wir über die Runden. Die Ausbildung ist ja Pflicht. Irgendwie machen wir das schon", verspricht Schmidt. Perspektivisch werde man aber etwas unternehmen müssen, denn die bisherigen Lösungen seien zwar tragfähig, aber nicht ideal. Von einer zentralen Jugendverkehrsschule für alle mag Schmidt derweil allerdings nur träumen. Eine solche Einrichtung sei aus jetziger Sicht lediglich Utopie.


Radfahren muss geübt werden

Bereits 2003 stellten die Bayerischen Staatsministerien für Unterricht und Kultus sowie des Innern in einer Bekanntmachung fest, wie wichtig ihnen die Radfahrausbildung an der Grundschule ist. Auch deren Durchführung wurde damals genau strukturiert. Dieses Schreiben hat bis heute Gültigkeit. Hier einige Auszüge.

Altersgerechte Mobilität und Sicherheit bei der Verkehrsteilnahme sind elementare Grundbedürfnisse auch und gerade von Kindern. [...] Der schulischen Radfahrausbildung in Real- und Schonraum kommt insbesondere vor dem Hintergrund einer weiter steigenden Verkehrsdichte auch weiterhin große Bedeutung zu. Sie ist daher im Lehrplan für die Grundschulen in Bayern als verbindlich durchzuführender Ausbildungsabschnitt verankert.

Die Verantwortung für die gesamte Ausbildung trägt die Schule; Schule und Polizei arbeiten eng zusammen. Die Schonraumübungen in den Jahrgangsstufen 2 und 3 sind ausschließlich von den Lehrkräften durchzuführen. [...] Die theoretische und praktische Radfahrausbildung wird in den Jahrgangsstufen 2, 3 und 4 nach dem geltenden Lehrplan für die Grundschulen in Bayern durchgeführt. [...] Die praktische Radfahrausbildung in mobilen oder stationären Jugendverkehrsschulen wird von Verkehrserziehern der Polizei übernommen.