Fünf Jungrinder aus Tschirn sind aus ihrer Weide ausgebrochen. Weil unzählige Fangversuche erfolglos blieben, wanderten die Ausreißer über einen Monat lang durch die Wälder.
Als sie die Panik ergriff, rannten die Kühe los. Quer über die Wiese und ohne zu zögern durch den gespannten Elektrozaun. "Als ich ein paar Minuten später bei der Weide war, habe ich sie nirgends mehr gesehen", erinnert sich Besitzer Bastian Hofmann aus Tschirn. Ein Nachbar hatte ihn zuvor über die Ausreißer informiert. Dieser hatte einige Motorradfahrer vor dem Zaun beobachtet, als sie sich einen Spaß daraus machten, die Tiere mit dem Geheul ihrer Zweiräder zu verängstigen. Für die Kühe war die Weide komplett neues Terrain. Denn der Landwirt hatte von Stall- auf Freilandhaltung umgestellt. Die Tiere waren zwar beim Vorbesitzer bereits auf der Weide, aber in Tschirn grasten die fünf neu zugekauften Jungrinder erst einen Tag in der Natur. Als die Kühe schließlich am 9. Juni entwischt sind, begann eine Suche, die mehrere Wochen andauern sollte.
Versuch mit einem mobilen Zaun
"Am Abend haben wir sie das erste Mal auf einer Wiese in Tschirn wieder gesehen", erzählt Hofmann. Doch als der 32-Jährige sich den Kühen näherte, rannten sie sogleich in Richtung Effelter davon. Tage später wurden sie in Nurn gesichtet. Eine Woche darauf hatten sie sich wieder in Effelter niedergelassen. Wenn die Kühe mal an Ort und Stelle geblieben sind, versuchten Hofmann, dessen Lebensgefährtin sowie Freunde und Bekannte die Jungrinder mithilfe eines mobilen Zauns einzugrenzen. Dies blieb jedoch von den fünf Ausreißern nie unbemerkt. Und so sind sie immer wieder entwischt.
Die Kühe haben einen beachtlichen Weg zurückgelegt. "An einem Tag sind sie marschiert wie die Irren", berichtet Hofmann. Von Effelter über Lahm nach Geschwend. Doch das war noch nicht alles. Auch in Wickendorf, Marienroth und Teuschnitz waren die Tiere unterwegs. Sie seien während der gesamten Zeit aber immer zusammengeblieben.
Auf einer Straße waren die Kühe zum Glück nur einmal gewesen, erzählt Hofmann. Ansonsten hielten sie sich immer in Wäldern oder auf Wiesen auf. Trotzdem machten die Fünf etwas Ärger. Jäger beschwerten sich, dass die Kühe angeblich das Wild vertreiben würden. Sie durchquerten Getreideäcker und zertrampelten dort die Ernte. Eine Reiterin hatte Angst, dass die Kühe ihr Pferd verschrecken könnten. Letztendlich ist jedoch kein wirklicher Schaden entstanden.
Hofmann erhielt unzählige Anrufe, wenn die Tiere gesichtet wurden. "Die anderen Leute haben sie immer gesehen. Jedes Mal, wenn ich dann dort war, waren sie schon wieder weg. Und wenn ich in meinen Hof gefahren bin, hat schon wieder jemand angerufen." Als ein weiterer Fangversuch in Wickendorf scheiterte, glaubte der Landwirt nicht mehr daran, die Tiere irgendwann wieder einfangen zu können.
Mittlerweile hatte er sich auch schon nach einer Abschusserlaubnis erkundigt. Diese wird durch das Landratsamt erteilt, wenn eine personenbezogene Versicherung des Jägers vorliegt, in dessen Gebiet die Tiere geschossen werden sollen. Da sich Hofmanns Kühe in verschiedenen Gebieten aufhielten, hätten mehrere Abschussgenehmigungen eingeholt werden müssen. Außerdem muss für das Schießen ein triftiger Grund gegeben sein, beispielsweise eine bestehende Gefährdung durch die ausgebrochenen Rinder. Eine Genehmigung zu erhalten, gestaltet sich in solch einem Fall überdies als schwierig, da es Jägern grundsätzlich verboten ist, Nutztiere abzuschießen.
Hoffnung
Irgendwann keimte doch noch einmal Hoffnung auf, da die Kühe mittlerweile immer wieder den gleichen Weg zurücklegten. Sie wanderten zwischen Wickendorf, Teuschnitz und Marienroth hin und her und wurden regelmäßig bei einer Wasserstelle in Wickendorf gesehen. Hofmann witterte seine Chance. Mit rund zwölf Helfern zäunte der Landwirt mehrere Äcker und einen Wald nahe Marienroth ein. Ungefähr acht Hektar umfasste das Gebiet, schätzt der 32-Jährige. Eine Seite wurde offen gelassen und in regelmäßigen Abständen von den Helfern aufgesucht.