Stühlerücken mitten in einer Theateraufführung - einfach undenkbar! Wirklich? Bei der Aufführung der Shakespeare-Komödie "Ein Sommernachtstraum" in der Aula der Siegmund-Loewe-Realschule findet das tatsächlich statt. Zwei Bühnen, zwei Blickwinkel - ein Novum in der Geschichte des Schulspiels.

War der erste Akt in Athen bei Theseus, dem Herzog, angesiedelt, so spielte sich das weitere Geschehen im Wald ab, auf der großen Bühne - und dafür mussten sich die Zuschauer eben mitsamt ihrem Stuhl umdrehen. Darauf wies der Betreuungslehrer für die Schulspieler, Thomas Hauptmann, in seiner Eröffnungsrede hin. Er meinte lachend, eigentlich sei er der Chef der Schulspielgruppe, aber diesmal habe er Lisa Weigel und Lisa Kaufmann das Feld überlassen - und es nicht bereut.


Lehrer nur für Rede zuständig


"Meine einzige Funktion bei dieser Produktion ist es, die Eröffnungsrede zu halten, mich hinzusetzen und die Aufführung zu genießen", sagte Kaufmann lachend, als er die anwesenden Zuschauer begrüßte und sie gleich darauf hinwies, dass sie nach dem ersten Akt falsch säßen und die Stühle um 90 Grad drehen müssten. "Sie werden Überraschungen erleben, nicht nur auf der Bühne, sondern auch weil sie gleich ganz andere Nachbarn haben", meinte der Lehrer verschmitzt.

Der Erfolg des Stückes zeigt, dass es vollkommen richtig war, Lisa Kaufmann und Lisa Weigel freie Hand zu lassen. Eine optisch modische Version des Klassikers von William Shakespeare und doch die "altmodischen" Texte - so kam "Ein Sommernachtstraum" super beim Publikum an.

"Wir sind erleichtert, uns fällt ein Stein vom Herzen", sagte Lisa Kaufmann nach der Premiere in der Aula der Siegmund-Loewe-Schule. "Wir hatten schon Bammel, denn normalerweise geht eigentlich jede Premiere in die Hose", ergänzte Lisa Weigel. Auch Lampenfieber hatten die beiden Mädchen; sie waren hinter der Bühne ganz hibbelig, so wie der Rest der Truppe. Aber das gehört zum Theaterleben einfach dazu. Vor allem die Wartezeit, bis es endlich losging, zehrte an den Nerven. Doch dann hob sich endlich der Vorhang, und die beiden Lisas konnten zeigen, was sie auf die Beine gestellt hatten. Und das konnte sich sehen lassen.


Aus dem Kleiderschrank-Fundus


Sie warteten mit Kostümen aus dem "heimischen Kleiderschrank-Fundus" auf, die so zusammengestellt waren, dass sich die am Ende zusammengehörenden Paare auch farblich ähnelten. Und mit Dialogen, die zwar von Shakespeare waren, aber durch das Spiel aufgepeppt wurden und leicht zu begreifen waren. "Es war die beste Premiere, die wir je hatten", begeisterte sich Lisa Weigel - und die beiden Mädchen hatten schon viele Premieren in ihrem jungen Leben. Seit der Grundschule sind sie bei den Schulspielen dabei, das hat sich in der Realschule auch nicht geändert.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge werden sie im Sommer nach dem Abschluss die Schule verlassen. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwo eine Theatergruppe, die zwei so hervorragende Talente sowohl im Spiel wie auch als Regisseurinnen braucht.

"Wir sind Herrn Hauptmann wirklich dankbar, dass er uns so viel zugetraut hat und uns hat machen lassen. Ihn haben wir eigentlich zu ,Hilfsarbeiter-Tätigkeiten‘ wie Plakate kopieren und dergleichen degradiert", sagten die beiden Mädchen lachend. Sie äußerten auch noch einen Wunsch, nämlich dass die "Männerquote" bei der Schulspielgruppe doch endlich steigen möge. "Wir haben sie schon um 100 Prozent gesteigert - von eins auf zwei", stellten Lisa und Lisa kichernd fest.

"Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeares ist eine Komödie um die Liebe mit all ihren Wirrungen und Irrungen. Eine Erzählung, die abgewandelt in jede Zeit passt. So liebt Lysander seine Hermia, die jedoch bereits Demetrius versprochen ist. Dieser jedoch wird von Helena geliebt, einer Freundin Hermias, von der er aber nichts wissen will.


Zauber funktioniert nicht richtig


Um sich vor der Gerichtsbarkeit Athens sicher fühlen zu können, fliehen Lysander und Hermia in den Wald, in dem es wirklich nicht mit rechten Dingen zugeht. Dort liegt der Elfenkönig Oberon mit der Elfenkönigin Titania im Streit. Oberon beauftragt daher seinen treuen, aber manchmal etwas schusseligen Begleiter, den Kobold Puck, Titania mittels einer Zauberblume einen Streich zu spielen. Wenn Titania mit der Blume in Berührung kommt, verliebt sie sich in das Geschöpf, das sie nach dem Aufwachen als erstes zu Gesicht bekommt. Aber Puck vermasselt den Plan, und die Elfenkönigin sieht als Ersten nicht Oberon, sondern den verwunschenen Handwerker Niklas Zettel in der Gestalt eines Esels. Zu den Klängen von "Ti amo" ist diese Szene eine komödiantische Meisterleistung.

Auch bei Hermia und Deme trius, der dem Liebespaar in den Wald gefolgt war, wirkt die Zauberblume nicht so, wie sie sollte: So verlieben sich Hermia und Demetrius beziehungsweise Lysander und Helena ineinander. "Was hast du da wieder angestellt!?", mahnt deshalb Oberon den Kobold Puck und befiehlt, alles wieder ins Lot und die richtigen Paare zusammenzubringen. Doch am Ende bekommen sich all jene, die einfach zusammengehören.

Und was wird aus dem Esel Zettel? Auch sein Bann wird gebrochen. Schließlich führt man am Tag der Hochzeit das Stück "Pyramus und Thisbe" aus "Ovids Metamorphosen" als Parodie auf. Das wird ein riesiger Spaß. Auch wenn am Ende Pyramus und Thisbe tot sind, so war ihr Sterben doch eine Leistung, bei der das Zwerchfell vor Lachen nicht zur Ruhe kam.


Die Beteiligten


Darsteller: Theseus, Herrscher von Athen: Vanessa Scheler (10b); Hippolyta, die Amazonenkönigin: Celine Coppens (10c); Egeus, der Vater Hermias: Victoria Krieger (9c); Hermia: Jennifer Straubinger (10d); Lysander: Magdalena Ruppert (10d); Demetrius: Katharina Breiter (10c); Helena: Rosa Dümlein (10d); Zeremonienmeister: Carina Hader (7c), Jan Kürschner (6b); Oberon, König der Elfen: Lisa Kaufmann (10c); Titania, Königin der Elfen: Christin Hader (10a); Puck: Lisa Weigel (10c); Elfen: Selma Neubauer (10c), Sarah Mergner (6d), Sophia Roder (6d), Emma Höpp (6d), Ramona Haderlein (5c), Sophie Schreiner (6d), Erika Scheffler (6b), Kimberly Kessler (6d); ein begehrter Knabe: Bastian Hader (8a); Handwerker: Janine Langner (8b), Sophia Letsch (7b), Elena Pietrafesa (6b), Sandra Jakob (10c), Sarah Partheymüller (8c), Nadja Jakob (7b).

Weitere Aufgaben: Souffleuse: Janine Kotschenreuther (10a); Bühnenbild: Robert Lee Haynes; Licht und Ton: Felix Wich (9a), Fabian Tübel (10a), Georg Maier (10b); außerdem halfen mit: Harry Engelhardt, Thomas Hauptmann, Firma Appel und Klinger; Textbearbeitung, Regie, Bühnenbild und Idee: Lisa Kaufmann, Lisa Weigel.