Der 27-jährige Kronacher Johannes Jakob hat offenbar ein Näschen für verlorene Dinge. Als er vom Marienplatz die Treppen zur Stadtpfarrkirche hinauf läuft, stößt er auf eine Tasche. Sie liegt auf der obersten Stufe. Die Besitzerin ist weit und breit nicht in Sicht. Es ist nicht das erste Mal, dass er Wertsachen auf der Straße findet, doch dieses Mal hat es der Fund in sich.

"Die Tasche war ziemlich unscheinbar", erzählt Johannes Jakob, als er sich einige Tage später mit unserem Reporter auf den besagten Stufen in der Innenstadt trifft. Zunächst schaute er gar nicht in die Tasche hinein, wie er sich erinnert. Er wartete erst einmal zehn Minuten an Ort und Stelle, ob die Besitzerin nicht doch noch ihren Verlust bemerkt und wieder zurückkommt. Als jedoch niemand auftauchte, wagte er einen Blick in das Behältnis. Kontaktdaten fand er darin nicht, dafür aber reichlich Wertsachen. Sofort machte er sich damit auf den Weg zur Kronacher Polizeiinspektion.


Zur Polizei gegangen

6395 Euro wurden von den Polizeibeamten in der Tasche festgestellt. Es waren Geschäftseinnahmen. Ein Autoschlüssel und Ausweispapiere waren ebenfalls enthalten. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Geld ist", sagt der 27-Jährige. Doch der Inhalt war dem jungen Mann letztlich egal. Dass er die Tasche abgibt, stand für ihn nämlich nie in Zweifel. "Es ist doch selbstverständlich, dass man so einen Fund abgibt. Es gehört sich einfach nicht, ihn zu behalten", stellt Jakob fest. So sehr nage man schließlich nicht am Hungertuch, dass man jemand anderen um sein Vermögen bringen müsse, ergänzt er mit einem Schmunzeln.

Dass dieses Verhalten offenbar leider doch nicht so selbstverständlich ist, wurde ihm bei der Polizei bewusst, wo er sich gleich ein Lob abholen durfte: "Dort hat man mir gesagt, dass nicht jeder die Tasche zurückgegeben hätte." Inzwischen ist sie samt dem kompletten Inhalt bei ihrer überglücklichen Besitzerin angekommen. Die Frau hat sich auch schon bei Johannes Jakob bedankt.


Nicht der erste Geldfund

Ob er mit einem Finderlohn rechnen darf? Das sei denkbar, erklärt der 27-Jährige. Doch deshalb habe er die Tasche nicht zurückgegeben. Das sei für ihn nicht so wichtig. Offenbar wird solche Ehrlichkeit aber doch belohnt. "In der Woche zuvor habe ich 50 Euro abgeholt", erzählt der Glückspilz. Die hatte er zuvor ebenfalls gefunden, und in diesem Fall hatte sich der Besitzer nicht gemeldet. Allem Anschein nach trifft für Johannes Jakob eine alte Redensart zu: "Das Geld liegt auf der Straße."