Thorsten Becker, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern erklärte Anfang Februar in einem Interview mit infranken.de, warum Ketten wie ein C&A nicht nach Kronach kommen: "Das kleinste Konzept von C&A fängt bei 25.000 Einwohnern an, dafür werden 400 Quadratmeter Verkaufsfläche und fünf Meter Schaufensterfläche benötigt. Wo haben Sie das in Kronach?" - Haben nicht. Noch nicht. Denn derzeit lautet die Frage, die die Kronacher beschäftigt, vielmehr: "Wo hätte Kronach das haben können?"

Wenn es nach Michael von Keitz, Geschäftsführer der Firma Admira Handels- und Gewerbebau GmbH, geht, auf der Kronacher Europabrücke.

Im Winter 2012 sei es gewesen, dass er zu einem Gespräch bei Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) war. Geplant habe man ein Gebäude von "höchstens 800 Quadratmetern", dort wo heute der Parkplatz auf der Europabrücke ist. Dieser wäre auch erhalten geblieben, sagt von Keitz, denn das Gebäude hätte erhöht auf Betonsäulen gebaut werden sollen, so dass es darunter noch Parkmöglichkeiten gegeben hätte.

Entstanden wäre dort aber kein Einkaufszentrum, sondern lediglich ein C&A, erklärt er auf Nachfrage. So, wie die ursprüngliche Anfrage, die im Übrigen von Seiten der Stadt an Karlheinz Adam im Vorfeld herangetragen worden sei, gelautet habe.

Adam selbst, der als Immobilieninvestor im Kreis Kronach bekannt ist, bestätigt, dass es eine Anfrage der Stadt an ihn bezüglich des Baus eines C&A in der Innenstadt gegeben habe. Da er bei größeren Projekten mit der Firma Admira zusammenarbeite, sei er mit diesem Anliegen an diese herangetreten und zusammen mit von Keitz 2012 bei Bürgermeister Beiergrößlein gewesen.

Die Pläne hat von Keitz noch, Kronach den C&A nicht. Warum genau das Projekt letztlich aber nicht zu Stande gekommen ist, kann er nicht mehr sagen. Lediglich dass die Stadt es "aus irgendeinem Grund" nicht wollte.

SPD fühlt sich nicht informiert

Das und noch viel mehr, warum diese "Bauvoranfrage [...] nicht im Stadtrat behandelt worden" ist, will SPD-Fraktionsvorsitzender Sven Schuster in einer schriftlichen Anfrage von Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein wissen: "Warum wurde das Thema nicht dem Stadtrat zur Diskussion vorgelegt?"

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein erklärt konkret dazu, dass bei der Stadt Kronach "in meiner Amtszeit keine konkrete Bauvoranfrage für das Grundstück Europabrücke eingereicht wurde". Zu dem Gespräch mit von Keitz und Adam sagt er, dass es seit 2009 nicht nur eines, sondern eine Vielzahl an Gesprächen mit unterschiedlichsten Investoren und Maklern gegeben habe beziehungsweise gebe. Ziel dabei sei immer, eine Neunutzung des Bereichs Kühnlenzhof/Europabrücke anzustoßen.

"Dabei kamen Investoren, Makler auf die Stadt zu - andere wurde von der Stadt angesprochen und deren Fokus auf das Kühnlenzhofareal gelenkt. Wegen der gegenseitigen Abhängigkeit der Grundstücks-Areale Europabrücke, das möglichst als Parkplatz oder Parkdeck für die gesamte Innenstadt erhalten werden soll, und des Kühnlenzhofes, für das bei Neunutzung auf der Europabrücke die erforderlichen Parkplätze entstehen müssten, ist es für Investoren, Stadt und betroffene Eigentümer äußerst schwierig, eine alle Interessenslagen berücksichtigende und umsetzbare Neunutzung zu finden", so Beiergrößlein.

Aus unterschiedlichsten Gründen seien die verschiedenen Investorengespräche bisher nicht in eine konkrete Umsetzungsabsicht gemündet.

"Im konkreten Fall trugen die Beteiligten Herr Adam und Herr von Keitz im November 2012 die Idee vor, nur den Europabrückenparkplatz - nicht aber das Kühnlenzhof-Areal - zu bebauen", sagt der Bürgermeister. Als "möglicher Mieter" sei von Seiten des Investors die C&A-Gruppe genannt worden. Die Verwaltung habe daraufhin das Anliegen und die staatlichen Fördermöglichkeiten geprüft und den Investoren am 12. Dezember 2012 bei einem Termin im Rathaus die Ergebnisse mitgeteilt.

Interesse nur an Marienplatz

"Eine direkte Anfrage der Stadt bei C&A und Gespräche mit deren Expansionsleiter Herrn Wönnmann telefonisch im Winter 2012 und vor Ort in Kronach am 18. Januar 2013 ergaben, dass C&A nur an der so genannte 1A-Lage Interesse hat. Als eine solche Lage käme in Kronach für den Konzern nur direkt der Marienplatz in Frage", berichtet Beiergrößlein aus eben diesen Gesprächen. Zudem sei Voraussetzung, dass weitere zugkräftige Filialisten direkt angrenzen.

Doch Beiergrößlein weiß auch, dass die gewünschten Verkaufsflächen am Marienplatz derzeit nicht verfügbar sind. Und: "Eine Kontaktvermittlung mit Grundstückseigentümern führte nicht zu einer Einigung."
Über die "zahlreichen Gespräche und Anfragen von Maklern und Investoren" sei der Stadtrat ab 2010 regelmäßig in den Berichten des Wirtschaftsmanagements ausführlich informiert worden. Dabei seien im nichtöffentlichen Teil auch die Namen der Investoren beziehungsweise Makler genannt worden. "Dies müsste auch den Stadtratsmitgliedern der SPD-Fraktion, welche bereits vor 2014 im Stadtrat saßen, bekannt sein", wundert sich der Bürgermeister über die jüngste Anfrage Schusters, "die gleich auch an die Presse gegeben wurde. Sicher wäre die Frage auch mit einem Anruf bei mir zu erledigen gewesen - aber das bringt natürlich nicht so viel für die Eigenprofilierung."

C&A ließ durch Pressesprecherin Jasmin Beaugrand mitteilen, dass das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt am Standort Kronach nicht interessiert sei.