Behutsam setzt Marcel Preißinger das Rad auf die Reifenwuchtmaschine und spannt den Reifen auf. Er schließt die Schutzhaube und drückt auf Start. Sofort wird der Reifen in Drehung versetzt, wodurch er auf Unwucht getestet wird. Nach Abbremsen der Maschine zeigt ihm der Bildschirm die verlangten Gewichte an. Mit einem kleinen Gewicht, das an der Felge angebracht wird, können kleinste Ungleichheiten in der Masseverteilung des Reifens ausgeglichen werden.

Der Kronacher befindet sich im ersten Ausbildungsjahr zum Kfz-Mechatroniker. Das Auswuchten ist bei ihm bereits Routine. "Neue Reifen oder Felgen müssen immer ausgewuchtet werden", weiß er. Ein ungewuchtetes Rad könne den Reifen zum Hüpfen und das Lenkrad zum Wackeln bringen, besonders, wenn man schneller unterwegs sei. Auf Dauer könnten auch Fahrwerk und Lenksystem beschädigt werden. Der angehende Kfz-Mechatroniker ist begeistert von der neuen Reifenwuchtmaschine, die natürlich nur ein Bestandteil der neuen Kfz-Werkstatt der Berufsschule Kronach ist. "Mit solch modernen Maschinen zu arbeiten, macht noch viel mehr Spaß", freut sich der 22-Jährige.


180 000 Euro Kosten

Den Umbau der Halle, in der noch in diesem Sommer die Abschlussprüfungen für die Zimmerer stattfanden, hat sich der Landkreis Kronach einiges kosten lassen. Mit einer Investitionssumme von stolzen 180 000 Euro finanzierte der Sachaufwandsträger die Modernisierung der Ausstattung im Fachbereich Kfz-Technik. Nun wurde die neue Kfz-Werkstatt im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik und Wirtschaft - darunter Mitglieder des Prüfausschusses, der Innung sowie Kooperationspartner - offiziell der Bestimmung übergeben. Wie Schulleiter Rudolf Schirmer in seiner Eröffnungsrede betonte, bleibe die Technik nicht stehen. Es tue sich sehr viel, insbesondere im Bereich der Elektromobilität. Dass der aufwendige Umbau in dieser relativ kurzen Zeitspanne habe bewältigt werden können, sei dem Engagement des Landkreises mit seinem Kreiskämmerer Günther Daum, aber auch den verantwortlichen Lehrkräften der Schule zu verdanken. Die Maßnahme habe einmal mehr gezeigt, welch hohen Stellenwert die Bildung für den Landkreis Kronach einnehme.

Dem pflichtete stellvertretender Landrat Gerhard Wunder (CSU) bei. Der Umbau bilde den Startschuss der Generalsanierung der Berufsschule. Die Berufsschule mit den meisten Schülern im Landkreis sei enorm wichtig und müsse unbedingt erhalten bleiben. Bemerkenswert sei, dass die Maßnahmen zu 100 Prozent aus Eigenmitteln - also Haushaltsmitteln, ohne Zuschüsse finanziert worden seien.


Auf dem Weg zum Kompetenzzentrum

In einem zweiten - noch folgenden - Schritt unterstütze der Landkreis die Bemühungen der Berufsschule, sich zum Kompetenzzentrum für Elektromobilität zu entwickeln. "Das Thema Elektromobilität wird maßgeblich die Entwicklung in der Automobilbranche beeinflussen und damit natürlich auch die Ausbildung der Fachkräfte in den Kfz-Betrieben", war sich Wunder sicher. Neben zahlreichen Lehrgängen, denen sich die Lehrkräfte unterzögen, werde der Landkreis Kronach die Bemühungen der Lehrer durch die entsprechende Ausstattung im Bereich der Elektromobilität unterstützen. "Unseren Ausbildungsbetrieben und Auszubildenden wollen wir diese Zukunftstechnologie in der Berufsschule zur Verfügung stellen, um den neuen Anforderungen an Kfz-Mechatroniker gerecht zu werden und eine Vorreiterrolle einzunehmen", verdeutlichte er. So sei für die Umsetzung am realen Fahrzeug die Anschaffung eines Elektro-Autos geplant, das an der Berufsschule über eine Elektro-Tankstelle aufgetankt werden solle.

Stellvertretender Schulleiter Werner Zahner, Ideengeber und Planer der Kfz-Werkstatt, stellte die hochwertige technische Ausstattung vor. Darin finden sich beispielsweise eine Absauganlage, drei Hebebühnen - davon eine mit einem Achsmess-Stand, eine Reifenmontier- sowie eine Reifenwuchtmaschine. Es gibt auch einen Bremsenprüfstand und einen CAN-Stand. Seitens der Berufsschule werde viel Wert auf die Langlebigkeit der Bauteile gelegt. Aber auch das didaktische Lernen sei wichtig. Die Schüler sollten wissen, wofür sie lernen.

Wofür er lernt, weiß Marcel Preißinger, der große Ziele hat. So möchte er später entweder seinen Meister machen oder studieren. Er erklärt: "Ich habe Abitur und hätte gleich mit einem Studium beginnen können. Das wollte ich aber nicht. Mir war es wichtig, auch die Praxis von Grund auf zu erlernen." Damit ist für ihn und natürlich auch für alle anderen angehenden Kfz-Mechatroniker die neue Kfz-Werkstatt ideal, ermöglicht sie doch eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis.