Zehn Jahre Kronacher Klassik Akademie: Aus den - so Burkhart Schürmann - "vergleichsweise bescheidenen Anfängen" heraus hat das Musikprojekt eine erstaunliche Entwicklung genommen. So bestanden die Konzertprogramme anfangs noch aus einer "bunten Sammlung von Kammermusikwerken" und enthielten nur sporadisch einen Einzelsatz aus einem Konzert oder einer Sinfonie. Mittlerweile riskiert man "Kopf und Kragen" mit sinfonischen Monumentalwerken - wie beispielsweise in diesem Jahr - von Saint-Saëns. "Heute betreiben wir einen Instrumentenaufwand wie er größer kaum sein könnte. Das liegt wohl an meinem Größenwahn, dass wir uns heuer an eine solch monströse Orgel-Sinfonie wagen", erklärte der künstlerische Leiter den zahlreichen Besuchern.

Hervor ging die KKA aus den Gedenkkonzerten für den 1999 verstorbenen Musikpädagogen Burghard Fussek, dessen Erfolge bei der Nachwuchsförderung von Streichern unvergessen sind.
Nach seinem Tod schlossen sich einige seiner ehemaligen Schüler sowie Kollegen zusammen, um zu seinem Gedenken ein Konzert zu geben. Daraus entwickelte sich eine jährlich wiederkehrende Veranstaltung. Die Organisatoren dieser Gedenkkonzerte setzten sich mit Lehrkräften der Berufsfachschule für Musik zusammen und entwickelten unter der Moderation von Rainer Kober Ideen, wie man durch eine zukünftige Kooperation dem Traum Fusseks von einem Kronacher Jugendsinfonieorchester ein Stück näher kommen könnte.

Helfer und Sponsoren

"Wir sind stolz darauf, dass wir lediglich durch Eigeninitiative und ohne jegliche staatliche Zuschüsse dieses Projekt nunmehr bereits zum zehnten Mal auf die Beine stellen konnten", freute sich Rainer Kober. Damit sei die KKA die erste und älteste Eigeninitiative von Kronach Creativ. Um dieses Jubiläum feiern zu können, bedürfe es der Unterstützung zahlreicher Helfer und Sponsoren und natürlich insbesondere der Dozenten und Musiker, die Jahr für Jahr voller Freude bei dem Projekt mitwirken.

Diese Freude der Teilnehmer und ihre Begeisterung für die Musik waren auch heuer wieder deutlich zu spüren. Kein Wunder; stellte doch das diesjährige Programm des sinfonischen Frühschoppens beziehungsweise des Abschlusskonzerts am Nachmittag einen absoluten Höhepunkt in der zehnjährigen Geschichte des Orchesterprojekts dar. Für die - dieses Jahr nach Frankreich führende - musikalische Reise konnte man herausragende Solisten gewinnen. Wendelin Treutlein hatte den Solopart an der Orgel bei der Toccata für Orgel solo aus der 5. Orgelsinfonie von Charles-Marie Widor (1844 - 1937) sowie bei der Sinfonie Nr. 3 von Camille Saint-Saëns (1835 - 1921) inne. Die Toccata bildete den Auftakt des wunderbaren Konzerts, die "Orgelsinfonie" war im zweiten Teil zu hören. Das Orchester und Wendelin Treutlein, der seit 1982 Dozent an der Berufsfachschule für Musik Oberfranken in Kronach ist, bewiesen eindrucksvoll, was in dem Werk steckt und wie viele Farben und Stimmungen Saint-Saëns darin erschaffen hat. Dabei ist die Orgel ein unverzichtbarer Teil des Ganzen. Ausgezeichnet war das Zusammenspiel mit dem farbenprächtigen Orchester, so dass die beiden Klangkörper wirklich verschmolzen.

Wunderschöne Harfentöne

Mit einschmeichelndem Harfenton formte die gebürtige Coburgerin Anna-Maria Frankenberger, die neben ihrer solistischen Tätigkeit regelmäßig in unterschiedlichen Orchestern mitwirkt, schlanke Tongirlanden bei Gabriel Piernés (1863 - 1937) Konzertstück für Harfe und Orchester. Die zauberhafte Komposition wird von der perlenden Akustik der Harfe und ihren filigranen Läufen bestimmt. Das zurückhaltend intonierende Orchester gab dezent die Stimmungen vor. Frankenberger überzeugte mit sicherem und ausdrucksstarkem Spiel. Unter ihren zarten, beweglichen Händen erklangen herrlich leichte Harfentöne.

Als exzellente Solistin erwies sich auch Ines Hauer in der "Blumenuhr" des französischen Komponisten Jean Françaix (1912 - 1997). "L' Horloge de Flore" ("Die Uhr der Flora") ist eine Suite für Oboe und Orchester, bestehend aus sieben Sätzen voll Poesie und anrührender Klangvielfalt. Mit Grazie und Witz widmet Françaix diese den Blumen im Stundenablauf des Tages und der Nacht. Die Musizierkunst von Ines Hauer, die in zahlreichen Konzerten als Orchester- und Kammermusikerin sowie als Solistin auftritt, auf der Oboe kann wohl kaum übertroffen werden. Neben der technischen Perfektion bestach ihre ausgezeichnete Tongebung. Auch das einsatzgenaue Orchester war von Burkhart Schürmann exzellent vorbereitet und zu einer großartigen Leistung inspiriert worden. Mit viel Einfühlungsvermögen gelang den rund 70 jungen und junggebliebenen Musikern die beeindruckende Umsetzung der höchst anspruchsvollen Werke.

Als Zugabe gab es für die begeisterten Zuhörer eine ganz besondere Überraschung. Der Kronacher Kammerchor und der Chor der Berufsfachschule für Musik ließen auf der Galerie des Atriums das "Ave Maria" in der französischen Fassung von Charles Gounod erklingen - ein einzigartiger Genuss zum Abschluss eines Programms voller magischer Momente.