Es sollte ein schöner Ausflug mit seiner Familie werden. Doch schon der Beginn trübte den Tag. Sebastian Kotschenreuther, seine Frau und ihre gemeinsame Tochter wollten sich einen schönen Tag in Lichtenfels machen. "Ich liebe eigentlich das Bahnfahren", sagt Sebastian Kotschenreuther. Los ging es am Bahnhof in Kronach. Ein Fehler. "Meine Frau musste den Kinderwagen der Kleinen und meinen Rollstuhl die Treppen nach oben wuchten. Ich habe dann versucht irgendwie mit meinen Krücken hoch zu kommen", sagt Sebastian Kotschenreuther. Wenige Meter kann der Neufanger mit seinen Krücken laufen. Für längere Strecken braucht er dann den Rollstuhl.

"Was bringt mir da die Wertmarke vom Versorgungsamt, mit der ich als Rollstuhlfahrer kostenlos Regionalbahn und Regionalexpress fahren kann, wenn ich nicht zum Gleis komme?", fragt sich der junge Familienvater schon lange. Dass die Deutsche Bahn (DB) an dem Bahnhof einer Kreisstadt wie Kronach nicht handelt, kann Sebastian Kotschenreuther nicht verstehen.

Wir haken bei der Pressestelle der DB nach: Warum wird der Kronacher Bahnhof nicht barrierefrei ausgebaut? "Der Freistaat führt derzeit mit der für die Bahnhöfe zuständige DB-Tochter Station & Service Gespräche über den weiteren barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen für den Zeitraum 2018 bis 2023", teilt ein Pressesprecher der DB mit.

Doch ob der Kronacher Bahnhof in dieses Programm mit aufgenommen wird, sei nicht sicher. Das werde erst Ende 2016 entschieden. "Vorher können wir leider keine Einschätzung darüber abgeben, ob Kronach in dieses "Bayernpaket" - finanziert vom Freistaat und DB Station & Service - aufgenommen wird", so der Bahnsprecher weiter. In der Auswahl seien alle noch nicht barrierefreien bayerischen Bahnhöfe mit mehr als 1000 Ein- und Aussteigern. Dazu gehört auch Kronach.


Hilfe von Bahnmitarbeitern

Um Rollstuhlfahrern die Reise mit dem Zug zu erleichtern, bietet die DB einige Hilfestellungen an. "Die gesamte Reisekette kann über den Mobilitäts-Service der Bahn geplant werden", erklärt der Pressesprecher. Vor ein paar Jahren hat Sebastian Kotschenreuther seine Reise nach Köln genau so geplant. In Kronach gebe es laut Bahnsprecher jedoch gar keine Ein-, Aus- und Umstiegshilfen. Die nächsten gebe es in Lichtenfels. "In weiser Voraussicht bin ich in Bamberg gestartet", sagt der Neufanger.

Für den Mobilitäts-Service der DB musste er sich weit im Voraus anmelden. Nichts für spontane Einfälle. Sebastian Kotschenreuther hat im Formular der DB angegeben, dass er Hilfe beim Koffer tragen braucht. Den Rest schaffe er alleine. Als Treffpunkt gab der Neufanger direkt das Abfahrtsgleis in Bamberg an.

Zur Abfahrtszeit war in Bamberg weit und breit keine Hilfe zu sehen. "Mir hat dann jemand von der Bundeswehr geholfen einzusteigen." Im Zug angekommen, fragt er per Mail direkt bei der Servicestelle der Bahn nach, warum das nicht geklappt hat. Die Antwort: Sebastian Kotschenreuther sei am falschen Treffpunkt gestanden.
In Würzburg klappte die Hilfe dann wiederum gut. "Es stand jemand direkt am Gleis und hat mich zum nächsten Gleis chauffiert", erzählt er.

In Köln stand dann wieder niemand von der DB bereit, um Sebastian Kotschenreuther mit den Koffern zu helfen. "Als ich schon los gerollt bin, sehe ich, wie jemand mit dem Hubwagen auf mich zufährt. Ich hab mich sogar weggedreht. Das habe ich doch nicht angegeben." Der Neufanger wollte lediglich Hilfe mit seinem Gepäck und nicht mit einem Hubwagen durch die Gegend gefahren werden. Eine unangenehme Situation für ihn.


Nur Treppen führen in den Zug

Und dann ist da ja auch noch die Sache mit den Zügen. Denn als Rollstuhlfahrer muss man da erst einmal rein kommen. Die neuen Regionalbahnen sind bereits mit Rampen am Eingang ausgestattet, nicht so die älteren Modelle. Und der ICE sei laut Kotschenreuther sowieso nur über Stufen zu erreichen.

"Einige Züge führen zum Beispiel Rampen mit, über die Stufen zwischen Bahnsteig und Zug überwunden werden können", sagt der Bahnsprecher dazu. Nur leider reicht es nicht, wenn nur "einige Züge" damit ausgestattet sind. Laut Sebastian Kotschenreuther müsse der Ausstieg ebenerdig zum Gleis sein. "Für alles haben wir Normen, aber das bekommen wir nicht auf die Reihe", so der Neufanger.

Sein Resümee in Sachen Bahnfahren: "Lieber nicht. Das ist viel zu großer Aufwand."