Vielleicht hätte ihm der Aus- und Umbau seines Arbeitsplatzes zu einer musealen Stätte gefallen: Emil Reuther hat sie jedoch nicht mehr erlebt; er war der letzte Köhler im Frankenwald gewesen. Mit einem Köhlerfest ist die mittlerweile nur noch historische Kohlstätte am Wochenende nun eingeweiht worden. Das Interesse der Bevölkerung war riesen groß.

140.000 Euro wurden an der Kohlstatt am Rand von Thiemitz investiert - 110.000 Euro durch Zuschüsse und Sponsoren. Die verbleibenden 30.000 Euro trägt der Frankenwaldverein. Auf dem Gelände gibt es nun fließendes Wasser und Strom. Ein zweites Gebäude zum Lagern von Holz und für Toiletten wurde gebaut. Am Parkplatz am Waldrand wurden großformatige Tafeln aufgestellt, die auf die historische Kohlstatt hinweisen.

2007 hatte Emil Reuther aus Alters- und Gesundheitsgründen die Herstellung von Holzkohle aufgegeben. Im April des Jahres verriet er Mitgliedern des Nordoberfränkischen Vereins noch die Geheimnisse seiner Profession. Und zwei Jahre später half er auch noch mit, als sich sieben "Kohlenarbeiter" anschickten, die Köhlerei wiederzubeleben: Paul Haueis, Waldemar Rittweg, Björn Stumpf, Kurt Liebald, Werner Stumpf, Peter Mannigel und Wolfram Haubner. Das erste Köhlerfest wurde dann im Mai 2010 gefeiert. Damals entfachte Peter Mannigel den Meiler, jetzt fungiert Kurt Liebald als "Vorarbeiter".


Emil Reuther war der letzte Köhler in Thiemitz

Seit seinem 15. Lebensjahr hatte Emil Reuther in der vierten Generation das Handwerk betrieben, in dessen Geheimnisse er von seinem Großvater allmählich eingeweiht worden war. Nachdem der Meiler angezündet ist, berichtet Reuther selbst in einer Broschüre über die Köhlerei, muss der Meiler beaufsichtigt werden.

Deshalb blieb er rund um die Uhr in der Hütte oberhalb des Meilers. Er spielte dann gelegentlich auf seiner Zither und es ging ihm durch den Kopf "wenn der Meiler ruhig vor sich hin dampft, der Mond über den Bäumen steht und die Nachtvögel ihre Laute rufen, dann weiß man, dass man eine Heimat hat".


Neuer Impuls für altes Handwerk?

Weniger romantisch hat ihn Forstbetriebsleiter Fritz Maier (den Bayerischen Staatsforsten gehört das Gelände) erlebt. "Zweimal hat er mich nur begrüßt, einmal empfangen," erzählte er von seinen Begegnungen mit Emil Reuther. Damals wurde Reuther allerdings zur Auflage gemacht, eine Brandversicherung abzuschließen, um die Kohlstatt weiterbetreiben zu dürfen.

Durch die Einweihungsfeier führte Bürgermeister Dieter Frank in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Frankenwaldvereins (FWV). Musikalisch wurde sie durch den Adelberchor gestaltet. Die kirchliche Weihe durch beide Konfessionen vollzogen die Pfarrer Bernd Wagner und Andreas Seliger.

FWV-Vorsitzender Frank stellte bei dieser Gelegenheit die Überlegung in den Raum, dass man doch die Wiederbelebung der Köhlerei mit der auch im Frankenwald traditionellen Flößerei verknüpfen (Schwerpunkte Wallenfels und Unterrodach) und so dem touristischen Angebot einen weiteren Mosaikstein hinzuzufügen könne. Worauf Landrat Oliver Bär (Hof) sofort ansprang, der zudem feststellte, dass ihm auf der Fahrt an die Grenze zum Landkreis Kronach abermals aufgefallen sei, wie schön und liebenswert die Landschaft sei, "in der wir leben." Er wies auf die Bedeutung des Tourismus hin, der im Jahr immerhin zwei Milliarden Euro in den Bezirk Oberfranken bringe.


Verbindung von Köhlerei und Flößer-Handwerk?

Unterstützt würden solche Initiativen nach wie vor von der Europäischen Union, so Rudolf Landmann von der Leader-Förderung, die den Ausbau der Köhlerstätte wesentlich mitfinanziert hat. Er wies auch darauf hin, dass es bei solchen Projekten nicht nur um Geld gehe, sondern dass es insbesondere Aktive brauche, die "etwas ausrichten und am Leben halten."

Der gut drei Meter hohe Meiler wird in den nächsten Tagen um gut ein Drittel niedriger schwelen. Er wird in dieser Zeit rund um die Uhr bewacht. Wann das Buchenholz im Innern vollständig zu Holzkohle geworden ist? "Die Uhr bestimmt nun der Meiler selbst," lautete der Spruch beim Entfachen des Meilers.