Weihnachten ist für die Familie Zwosta aus Reichenbach seit dem Jahre 2001 ein besonderes Fest. Denn mit dem Fest der Geburt Christi gewinnt der Gedanke der Auferstehung eine besondere Bedeutung.

Es war ein Tag wie immer, damals im September 2001. Die Familie machte sich mit ihren drei Kindern und dem Schwiegervater auf dem Weg zu einer Familienfeier in Unterfranken. Noch heute kann sich Martina Zwosta noch gut an ihren Sohn Daniel erinnern, der mit einer neuen Jeans die Treppe herunter kam und sang: "Heute ist ein guter Tag zu sterben!" Zu diesem Zeitpunkt ahnte die Familie nicht, wie dieser Tag ihr ganzes Leben verändern sollte.

Die Kinder wollten mit dem Großvater zum Geburtstag fahren. Die Eltern in ihrem Wagen hinterher. In der Nähe von Schweinfurt verunglückte das Fahrzeug, das der Großvater lenkte. Die Folgen waren katastrophal. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurden Daniel, seine beiden Schwestern Claudia und Maria sowie der Großvater in Krankenhäuser gebracht. Der Sohn erlag vier Tage nach dem Unfall seinen Verletzungen. Am Tag seiner Beerdigung verlor auch der Großvater sein Leben. Und noch am gleichen Tagen teilten die Ärzte dem Ehepaar Zwosta mit: "Wir haben Zweifel, ob die Töchter diese Nacht überleben werden."

Mittlerweile sind 14 Jahre vergangen. Krankenhäuser, Ärzte, Therapien, Krankenkassen, Versicherungen waren und sind nahezu tägliche Begleiter. Für die beiden Töchter beginnt nach zahlreichen und mitunter sehr komplizierten und gefährlichen Operationen eine lange Leidenszeit. Damit gab es Ängste, Momente der Resignation, Hoffnungen und Schmerzen.


Kampf mit dem Tod

Claudia und ihre jüngere Schwester Maria haben schwere Schädel-Hirn-Traumata davon getragen. Bei Claudia sind es vor allem die Brüche am Schädel und Gesichtsfrakturen , die zunächst jeden Tag einen Kampf mit dem Tod bedeuten. Mittlerweile ist Claudia (27) nichts mehr anzumerken.

Entgegen den Aussagen eines Psychologen hat sie vor einigen Jahren ihren qualifizierten Abschluss gemacht und eine Ausbildung zur Bäckermeisterin absolviert. Ihre Schwester Maria (20) wird hingegen täglich mit dem Fahrdienst in eine Schule für Körperbehinderte nach Coburg und wieder zurück gebracht. Mittlerweile kann sie gut laufen, so dass sie nur noch selten gestützt werden muss.

Die Familie Zwosta ist überzeugt, dass diese Fortschritte neben den vielen Therapien zu Hause auch dem Curacao Dolphin Therapy Center geschuldet ist. Dreimal waren sie auf der Karibikinsel, um an einer Delfintherapie teilzunehmen.

Man dürfe keine Wunder erwarten, aber viel Motivation durch das Andersartige, erklärt Martina Zwosta. Ihr Ehemann Dieter ergänzt, dass die Delfine, die ausschließlich im Meerwasser schwimmen, nie zu einer Therapiestunde gezwungen würden. Unverständnis äußern beide über den vor wenigen Tagen veröffentlichten Leserbrief, in dem sich eine Frau gegen derartige Therapien aussprach. Für ihre beiden Töchter hätte die Delfintherapie viel gebracht, sind Dieter und Martina Zwosta überzeugt.

Individuell auf das Therapiekind abgestimmt - mit Einbindung der Vorlieben und Abläufe zu Hause - sei die Therapie sehr harmonisch und effektiv aufgebaut, so dass im Alltag das Erlernte sofort umgesetzt werden könne. Die Familie Zwosta hat tiefes Verständnis für Eltern, die ihr behinderten Kindern eine Delfintherapie machen lassen. "Man versucht in einer solchen Situation alles, um seinem Kind zu helfen."

Ihre Tochter Maria, die bereits dreimal (2011, 2013 und 2015) an einer Delfintherapie teilnahm, sei nach jedem zweiwöchigen Aufenthalt eine deutliche Verbesserung ihrer sprachlichen und motorischen Fähigkeiten zu verzeichnen gewesen. Martina Zwosta kommt es so vor, als ob Maria alles in der Therapie Erlernte abgespeichert habe und immer wieder abrufe.

Am liebsten würde die Familie Zwosta jedes Jahr nach Curacao fliegen. Aber das sei nicht realisierbar. Denn für eine derartige Therapie müssen 15.000 Euro aufgebracht werden. Und von der Krankenkassen gibt es keinen Zuschuss.

Martina Zwosta spricht von Glück im Unglück, denn in ihrem Fall hat die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers einen Teil der Kosten übernommen. Und während sie erzählt, merkt man, wie sehr die Familie von den Tagen in der Karibik zehrt. "Solche Tage verbinden", sagt Martina Zwosta, die den Zusammenhalt und die Kraft innerhalb in der Familie lobt.

Und so sind sie alle stolz auf Maria. "Sie war noch viel schlimmer dran als ich. Sie hat uns aber mit ihrer positiven und zuversichtlichen Art viel Mut gemacht", sagt ihre Schwester Claudia. Für Martina Zwosta haben Weihnachten und Ostern, die Geburt und die Auferstehung Jesu Christi, seit diesem Unfall im September 2001 eine ganz andere Bedeutung.