"Wir sitzen zusammen und diskutieren", antwortet Ralf Pohl auf die Frage nach der Stimmung auf der "Wahlparty" der SPD. Nach Feiern ist den Genossen, die sich im Kronacher Gasthaus "Frische Quelle" versammelt haben, überhaupt nicht zumute - auch wenn das Resultat im Stimmkreis Kronach/Lichtenfels ein wenig besser war als der Bayerntrend. "Es ist ein katastrophales Ergebnis, das flächendeckend alle in ganz Bayern betrifft. Ein schwarzer Tag für die SPD", analysiert Ralf Pohl, Direktkandidat der "Roten".

Zehn Prozent weniger als 2013

13,58 Prozent holte der Küpser bei den Erst- und seine SPD 14,80 Prozent bei den Zweitstimmen in den beiden Landkreisen. Das sind in beiden Fällen rund zehn Prozent weniger als das Ergebnis von 2013. Auch damals schon war Pohl Direktkandidat, wurde wie diesmal Zweiter hinter CSU-Mann Jürgen Baumgärtner. Damals allerdings konnte er wesentlich höhere Prozentzahlen auf sich vereinen und scheiterte über die SPD-Liste recht knapp am Landtagseinzug.

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Diesmal befasst sich der Kronacher SPD-Kreisvorsitzende gar nicht mit Gedankenspielen am Maximilianeum. "Wegen dem schlechten Gesamtergebnis gab es darüber gar keine Diskussion", sagte Pohl. Zwar waren am Wahlabend noch nicht alle diesbezüglich relevanten Zahlen vorhanden. "Aber ich denke, es ist unrealistisch."

"Wir liegen in einem negativen bundesweiten Trend. Die Menschen sind mit der Arbeit der Großen Koalition nicht zufrieden, wollen auch den ständig von Horst Seehofer befeuerten Streit nicht mehr", analysierte der 53-jährige Wirtschaftswissenschaftler, der als Dozent an der Universität Erlangen-Nürnberg tätig ist. "Wir haben es nicht geschafft, uns zu erneuern und das Profil zu schärfen. Eine ganz schwache Phase der SPD."

Jürgen Baumgärtner holt das Direktmandat in Kronach/Lichtenfels

Zu den aktuellen Rahmenbedingungen kämen Altlasten. Pohl: "Wir haben Fehler gemacht - etwa bei der Rentenpolitik oder bei Hartz IV. Und das verlorene Vertrauen konnten wir nicht zurückgewinnen." Zwar sei die Entscheidung der Bayern-SPD, einen sachlich-anständigen Wahlkampf zu führen, die richtige gewesen. "Aber wir machen nicht deutlich, wo unsere Kernpunkte in den Fragen sozialer Gerechtigkeit liegen."

Auch im Stimmkreis findet Pohl, richtige Ziele gesetzt, aber nicht genug durchgedrungen zu sein. "Wir werben weiter für gleichwertige Lebensverhältnisse überall in Bayern."

Unterschiede zwischen Kreisen

Gleichwertig, dieses Stichwort trifft auf das Ergebnis von Ralf Pohl in Kronach und Lichtenfels nicht zu. Während der Küpser Gemeinde- und Kronacher Kreisrat in vier Kommunen seiner politischen Heimat Ergebnisse über 20 Prozent erzielte (Tettau 29,7; Reichenbach 26,2; Küps 25,2; Ludwigsstadt 23,3), holte er in Lichtenfels teilweise nur knapp über fünf Prozent (Ebensfeld 5,7; Weismain 5,9).

Insgesamt lag der Unterschied zwischen den Kreisen bei den Erststimmen bei rund fünf Prozent, während die SPD bei den Zweitstimmen in Lichtenfels "nur" drei Prozent weniger erreichte als in Kronach. Damit setzt sich ein Trend von 2013 fort, als Pohl in Lichtenfels bei den Erststimmen in Lichtenfels 9,5 Prozent weniger erhielt.

Gute Stimmung nach der Wahl bei den Freien Wählern

Darauf angesprochen, dass der über die Liste angetretene Lichtenfelser Kreisvorsitzende Sebastian Müller in manchen Orten des Kreises Lichtenfels häufiger plakatiert wurde als er, sagte Pohl: "Wir müssen die Frage stellen, ob ich flächendeckend genug beworben wurde. Es hat nicht reibungslos funktioniert."

Persönliche Zukunft offen

Überhaupt, so findet Pohl, müsse nun alles auf den Prüfstand. "Wir werden darüber sprechen - aber zunächst intern in den Gremien", beantwortet er die Frage, welche Rolle er künftig spielen werde. Ob er noch einmal für den Landtag kandidieren wolle, sei ebenso offen wie die personelle Aufstellung der Kronacher SPD. "Wir haben im Winter Neuwahlen für den Kreisvorsitz und müssen vorher darüber sprechen, wer zur Verfügung steht."

Das nächste Ziel sind die Kommunalwahlen 2020. "Da wollen wir unsere Bürgermeisterposten verteidigen. Das wird schwer genug."