Jürgen Baumgärtner (CSU) ist nicht dafür bekannt, dass er politisch etwas dem Zufall überlässt. Er ist auch niemand, der auf sich warten lässt. Am Sonntagabend mussten seine Parteikollegen jedoch 30 Minuten Geduld zeigen, ehe der alte und neue Stimmkreisabgeordnete am "CoCoNo" zu seiner Wahlparty eintraf. Und er hatte tagsüber bewusst Distanz zum politischen Treiben gehalten, Luft geholt nach den harten Monaten des Wahlkampfs.

"Zum Stimmkreis hatte ich bis jetzt keine Infos", gestand er. Aufgeklärt wurde er auf seine Anfrage, wie's denn steht, sehr schnell. "Im Landkreis ganz gut - dank Dir!", rief der Kronacher JU-Kreisvorsitzende Markus Oesterlein. Dieser hatte zusammen mit Bernd Liebhardt ständig die Schnellmeldungen zur Landtagswahl im Blick.

Das Ringen um Tettau

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Auch vom Kronacher CSU-Kreisgeschäftsführer Liebhardt gab es ein wohlwollendes Nicken für die Entwicklung rund um Baumgärtner und die CSU im Landkreis. "Unser Kandidat liegt stabil bei 45 Prozent", analysierte er die Situation bereits um 19.12 Uhr, also etwas mehr als eine Stunde nach Schließung der Wahllokale.

Da konnte er es sich sogar leisten, "Luxusprobleme" in den Blickpunkt zu rücken. Tettau ist rot - und schwarz - und dann plötzlich doch wieder rot. Der Ausreißer auf der Kronach-Lichtenfelser Landkarte störte ihn sichtlich. Am Ende, pünktlich zu Baumgärtners Eintreffen, stand es aber fest: Die einst rote Hochburg hatte sich endgültig neu eingefärbt. Liebhardt schmunzelte zufrieden.

Im Lokal flimmerte derweil die Münchner Prominenz über die Leinwand. Erste Koalitionsüberlegungen wurden von den Spitzen der Parteien im Fernsehen getroffen. Ebenso im "CoCoNo" von der CSU-Basis. Hier wurde auf die politische Nähe zu den Freien Wählern gepocht, dort über eine spannendere, vielleicht zukunftsorientiertere Verbindung mit den Grünen philosophiert.

An diesem Punkt bezog auch Jürgen Baumgärtner Stellung. Er sicherte Ministerpräsident Markus Söder seine volle Unterstützung zu und forderte dazu auf, sich erst einmal ums Land, also um eine Regierung zu kümmern, ehe es um parteiinterne Entscheidungen geht. "Ich habe immer Schwarz-Grün favorisiert", betonte er zur Koalitionsfrage. Allerdings stehe damit in den eigenen Reihen relativ alleine da.

"Wir müssen auf vielen Feldern besser werden", nahm er die CSU in die Pflicht, ihre Positionen zu überdenken. "Man wird an der einen oder anderen Stelle nachjustieren müssen." Beim Klimawandel und beim Flächenverbrauch könnten die Grünen seiner Ansicht nach als Partner neue Impulse geben. Und in der Migrationsfrage möchte Baumgärtner gerne das "C" in der CSU wieder mehr in den Fokus rücken.

Als endlich feststeht, dass Baumgärtner alle Gemeinden im Stimmkreis für sich entschieden hat, geht er auch auf sein persönliches Ergebnis ein. "Das gab's noch nie", freute er sich über die inzwischen komplett "eingeschwärzte" Landkarte des Stimmkreises. Von einer "klaren Verbesserung zur Wahl vor fünf Jahren" war die Rede. Das von der Frankenwald-CSU gesteckte Ziel sei somit erreicht worden.

Heiße Eisen nicht gescheut

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Dass es rund fünf Prozent weniger bei den Stimmen waren, machte Baumgärtner an veränderten Rahmenbedingungen, aber auch an unbequemen Themen fest, die er aufgegriffen habe. Nationalpark, Migration, Klinik - es habe viele heiße Eisen gegeben, welche die Frankenwald-CSU und er aufgegriffen hätten. Oftmals habe man dabei eine andere Herangehensweise als die Bayern-CSU gewählt. Anscheinend sei dieser eigene Weg von sehr vielen Wähler anerkannt worden.