Von einem "glücklichen Kündigungstermin" hatte das Staatliche Bauamt noch Ende des Jahres gesprochen. Da über die Wintermonate die Arbeit ohnehin brach gelegen hätte, sollte der Baustopp an der Ortsumgehung keine Auswirkungen auf den Zeitplan des Millionenprojekts haben. Frost und Schnee sind längst verschwunden, doch in Zeyern sind am Freitag die Regentropfen das einzige, was Bewegung in die sonst verwaiste Baustelle bringt.

Grund für den Stillstand auf der künftigen Bundesstraßentrasse war die fristlose Kündigung der Baufirma, die für Erd- und Streckenbauarbeiten beauftragt war. "Bauvertragliche Differenzen" nannte das Bauamt in seiner Begründung. Der Plan: Das Leistungssoll feststellen, das Projekt neu ausschreiben und im neuen Jahr wie gewohnt weiterarbeiten.


Warten auf Gutachten

Wiederholte Nachfragen in den vergangenen Monaten machten deutlich: Dieser Plan ist längst vom Tisch. Statt sich auf die Suche nach einem neuen Vertragspartner zu konzentrieren, muss das Amt zunächst die Unstimmigkeit mit der gekündigten Firma klären. Ein Gutachter, auf den sich beide Parteien geeinigt haben, ist demnach der einzige, der bis Mitte Mai Fuß auf den Baugrund setzen wird. "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Jens Laußmann vom Staatlichen Bauamt. "Wir müssen feststellen, was vorhanden ist, was die technische Beschaffenheit ist." Gemeint ist die Gründung für den Dammbereich - diese sollte mit Hilfe sogenannter Rüttelstopfsäulen geschehen. Hier kam es wohl zum Dissens mit der ausführenden Firma. "Der Gutachter muss feststellen, ob die vorgenommene Gründung vertragsgemäß ist oder nicht", erklärt Laußmann. Vor Mitte Mai könne man nicht beantworten, wann und wie es mit dem Projekt weitergehe.

"Es ist ein Desaster, wenn ein Auftrag an eine Firma vergeben wird, die scheinbar nicht leistungsfähig ist", sagt MdB Hans Michelbach (CSU). Dass sechs Monate nach der Kündigung keine konkreten Aussagen getroffen werden - für ihn nicht nachvollziehbar. "Wir haben den gleichen Sachstand seit letztem Herbst", sagt er, "das muss jetzt auch mal beendet und weitergebaut werden."


Mit aller Brisanz

Zuletzt hatte er im Gespräch mit dem Leiter des Bauamts deutlich gemacht, dass man erwarte, das Anliegen "schleunigst und mit aller Brisanz" abzuarbeiten. Seitdem sind drei Wochen vergangen. Michelbach sei aber bereit, erneut zu intervenieren und mit dem Thema auch bei der obersten Baubehörde in München vorstellig zu werden. "Ich werde massiv darauf drängen, dass der Stillstand überwunden wird."

Dieser Stillstand ist vor allem für Anwohner und diejenigen, die jahrelang auf eine Entlastung der Verkehrssituation in Zeyern gepocht hatten, nicht zu übersehen. "Es ist für die Bevölkerung natürlich nicht nachvollziehbar, dass es bei diesem Wetter nicht weitergeht", sagt Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD). Er stehe regelmäßig in Kontakt mit der Baubehörde - könne selbst natürlich nur auf eine baldige Wiederaufnahme der Arbeit hoffen. Ihm sei es wichtig, dass man die verlorene Zeit wieder aufholen und das Projekt ohne Zeitverzögerung fertigstellen könne. "Jeder Tag länger ist unschön." Die ursprüngliche Planung sah vor, dass Mitte 2019 die ersten Fahrzeuge die fast 16 Millionen Euro teure Alternativroute nutzen können. Laußmann lässt sich keine Prognose abringen, ob das noch realisierbar ist. "Auf Grundlage des Gutachtens werden wir im Mai richtungweisende Entscheidungen treffen." In welche Richtung diese gehen werden - könne und wolle er nicht sagen.