Beim Sportfischereiverein Nordhalben herrscht Frust. "Gesetze und Verordnungen werden alle Jahre mehr", betonte Vorsitzender Dieter Radlo bereits in der Hauptversammlung, als er auf einen vermeintlichen Schildbürgerstreich zu sprechen kam. Die Fischer müssen sich mit einem Betretungsverbot für die Tschirner und Nordhalbener Ködel (Zuläufe zur Talsperre Mauthaus) ausein andersetzen. Dort sind sie Pächter und müssten von Vertragsseite her eigentlich die Gewässer pflegen. Das geht aber nicht, wie Radlo bei einem Ortstermin mit unserem Reporter schildert (siehe auch Artikel unten).

Aus diesem Grund hat der Verein inzwischen die Fischereifachberatung in Bayreuth eingeschaltet.
Auf Nachfrage unserer Zeitung erläutert Pressesprecher Christian Porsch von der Regierung von Oberfranken, wie die Abteilung mit diesem Fall umgeht.


Hilfe aus Bayreuth erhofft
"Das Thema ist hier bei uns aufgeploppt", stellt er fest, dass die Anfrage der Fischer eingegangen und bereits in Bearbeitung ist. "Das betroffene Gewässer ist im Einzugsbereich der Ködeltalsperre, dem größten Trinkwasserreservoir für Oberfranken." Für derart neuralgische Gebiete hat sich Porschs Vermutung nach inzwischen wohl eine Verschärfung der Vorgaben beziehungsweise ihrer Umsetzung ergeben. Das dürfte mit der Bedeutung des Trinkwasserspeichers zusammenhängen.

"Die Verantwortlichen wollen schauen, dass da wirklich nichts reinkommt", zeigt er Verständnis für diesen Schritt. Daher gebe es verschiedene Einschränkungen für diesen Bereich. Unter anderem sei das Befahren verboten. "Wenn da zum Beispiel Diesel reinkäme, ... der Schaden wäre wohl nicht zu beziffern." Aus diesem Grund sei offenbar vorgesehen, dass künftig immer eine spezielle Sondergenehmigung beantragt werden muss.

Doch was heißt das konkret für die Fischer? Porsch spricht den Ausgleich der Interessen an. Der soll bei einem Gesprächstermin mit allen Beteiligten im Kronacher Landratsamt gefunden werden. Wann genau das geschehen soll, konnte der Pressesprecher noch nicht sagen. "Derzeit finden Gespräche statt. Wir sind noch in der Abstimmung, weil viele Behörden beteiligt sind", sagt er.

Auch Andi Nerger von der Abteilung Wasserrecht am Landratsamt hat davon gehört, dass sich der Sportfischereiverein Nordhalben "Hilfe aus Bayreuth" erhofft. Auf unsere Anfrage teilte er schriftlich mit, dass man diese auch anhören wird - im Zuge des Verfahrens als Träger öffentlicher Belange. Prinzipiell weist Nerger allerdings darauf hin, dass sich an der Situation im Zufluss der Ködeltalsperre seit Jahrzehnten nichts geändert habe.


Aus dem Jahr 1971
Mit der Wasserschutzgebietsverordnung für die Trinkwassertalsperre Mauthaus aus dem Jahr 1971, geändert durch eine Verordnung aus dem Jahr 2005, für deren Vollzug das Landratsamt Kronach zuständig sei, sei unter anderem der Fassungsbereich festgesetzt worden. "Dieser Fassungsbereich gliedert sich in den Hauptstau, den Vorstau und teilweise die Zuflüsse Tschirner Ködel und Nordhalbener Ködel", erklärt Nerger. Durch die Verordnung sei das Betreten des Fassungsbereiches und dort auch die Ausübung der Fischerei verboten.

"Die Schutzgebietsverordnung gilt seit dem 8. April 1971." Wer vorsätzlich oder fahrlässig einem der Verbote zuwider handele, begehe eine Ordnungswidrigkeit und könne mit einer Geldbuße von bis zu 500 Euro belegt werden. Wie Nerger ausführt, ist diese Situation nicht neu. Er stellt fest: "Besonders ist darauf hinzuweisen, dass an diesen Vorgaben seit Inkrafttreten der Verordnung keine Änderungen vorgenommen wurden, das heißt, ein Betreten des genannten Fassungsbereichs war und ist seit Inkrafttreten der Verordnung ordnungswidrig." Damit kommt er auf die verärgerten Fischer in Nordhalben direkt zu sprechen: "Dem Landratsamt Kronach ist nicht bekannt, dass von diesem Verbot seitens des Sportfischereivereines Nordhalben oder von seinen Mitgliedern jemals eine Ausnahmegenehmigung für die Hege und Pflege der genannten Gewässer beantragt wurde." Und Änderungen zu der genannten Verordnung habe es eben nicht gegeben, so Nerger. Dem Verein sei vielmehr in Gesprächen sowie schriftlich mitgeteilt worden, dass eine bestimmte Anzahl von Vereinsmitgliedern eine Ausnahmegenehmigung beantragen solle.


Die Fischer stellen ihre Sicht der Dinge dar
Dieter Radlo und Reinhard Wolf fahren die verschiedenen Stellen ab, an denen die Zuläufe zur Talsperre Mauthaus beginnen oder wo sie in den Trinkwasserspeicher münden. Überall stoßen sie auf blaue Schilder mit drei Wellen darauf: "Fassungsbereich! Betreten verboten!" Würden sie noch einen Schritt weitergehen, würden sie eine Ordnungswidrigkeit begehen. Fassungslos macht sie beim Fassungsbereich, dass wenige Meter daneben ein markierter Wanderweg entlangführt und an anderer Stelle Radwege ausgeschildert sind. An einem Ort führt sogar eine Furt für Fahrzeuge der Betreiber durch den Zulauf der Talsperre. Und manchmal seien ganz normale Baumaschinen im Einsatz, um Schlamm abzutragen. All das geht ihrer Schilderung nach reibungslos, doch wenn die Angler ins Wasserschutzgebiet kommen, droht Ärger. Die beiden Männer schmunzeln an einer Brücke über die Nordhalbener Ködel, wo diese in den Vorstaubereich mündet. Auf der einen Seite dürfen sie angeln, die andere Seite, nur zwei Meter weiter, dürfen sie nicht einmal betreten.

Viele Jahre habe man die Fischer nicht nur geduldet, sondern der frühere Betriebsleiter der Talsperre sei ihnen - und den Fischen - sogar entgegengekommen, indem er eigens Staustufen angelegt habe. So könnten die Fische besser flussaufwärts zum Laichen wandern, erklärt Radlo. Von einem Betretungsverbot sei nie die Rede gewesen. Doch seit 2013 sei alles anders. Nach Veränderungen in der Betriebsleitung sei das Thema "Fischen" auf die Tagesordnung gekommen.


Aufgaben des Vereins
Radlo erklärt, dass der Verein hinsichtlich der Zuläufe Pächter bei der Marktgemeinde Nordhalben beziehungsweise beim Landesfischereiverband sei. Als Pächter müsse der Verein verschiedene Maßnahmen an den Gewässern durchführen. Dazu zähle die Kontrolle der Populationen ebenso wie das Hegefischen oder Besatzmaßnahmen. "Das können wir aber nicht tun, weil wir nicht hin dürfen", erklärt Wolf die Krux für die Fischer.

Damit kommt Radlo auf die Sondergenehmigungen zu sprechen, die seiner Aussage nach nur für vier bis fünf Personen vom Landratsamt erteilt werden würden. Er schimpft: "Uns ärgert, dass sie uns mit Mordsgebühren schickanieren." Die Fischer würden schon Pacht zahlen und die Aufgaben ehrenamtlich durchführen. Nun solle auch noch eine sehr kleine Gruppe die Arbeiten stemmen. Und dazu kämen weitere Kosten: 50 Euro plus Bearbeitungsgebühr für eine Sondergenehmigung. Radlo schüttelt den Kopf. Zur Not wolle man rechtliche Schritte einleiten. Lieber wäre es den Fischern jedoch, eine gütliche Lösung zu finden.

Sie betonen, dass es ihnen um die Natur gehe. Und die würde letztlich leiden, wenn sich niemand um die Gewässer kümmere. Das Fischen habe der Verein an der Talsperre von sich aus sehr strikt beschränkt. Hierdurch werde die Umwelt nicht geschädigt. Wenn man in manche Bereiche allerdings nicht einmal zur Kontrolle gehen dürfe, müsse man sich über Probleme nicht wundern, erklären die beiden Fischer. Als Beispiel nennen sie die Signalkrebse. "Im Haupt- und Vorstaubereich gibt es schon größte Probleme damit", so Radlo. Doch auch Kilometer weit weg seien diese Tiere aufgetaucht. "Und wenn dieser Krebs überhand nimmt, ist ein Gewässer tot."