• Luchs im Frankenwald (an der Landesgrenze zu Thüringen) gespottet
  • Autofahrerin gelingt Schnappschuss von "sehr rarem" Raubtier
  • Trotz wachsender Population vom Aussterben bedroht

Während einer Autofahrt auf der Frankenwald-Hochstraße von Nordhalben Richtung Tschirn trauen Susanne und Marco Schmidt ihren Augen kaum. Ein kurzer Stopp für Fotos und es ist klar - die Aufnahmen von Susanne Schmidt zeigen, dass es sich bei ihrer Sichtung um ein Exemplar eines seltenen Raubtiers handelt. Das Ehepaar habe Ende Mai (22. Mai 2021) einen Luchs in Straßennähe entdeckt, erklärt der Naturschutzbund (NABU)Thüringen. Marco Schmidt erinnerte sich an den Aufruf des NABU Thüringen solche Sichtungen zu melden. Den Tierschützern gegenüber beschrieb er  das Tier "als groß, etwa 20 Kilogramm schwer und mit kaum sichtbarer Fellfleckung, die eigentlich so typisch für Luchse ist". Diese Angaben werden laut NABU Thüringen aktuell noch vom zuständigen Thüringer Kompetenzzentrum Wolf/Biber/Luchs überprüft und bewertet.

Landkreis Kronach: Autofahrerin fotografiert Luchs nahe der Landesgrenze zu Thüringen 

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) erklärt, dass eurasische Luchse etwa die Größe von Schäferhunden erreichen. Sie seien dabei allerdings mit 17 bis 26 Kilogramm deutlich leichter. Da Luchse eine Katzenart sind, seien sie schlank und hochbeinig. Männliche Tiere, auch Kuder genannt, seien außerdem schwerer als die Weibchen. Weibliche Tiere würden nur selten 20 Kilogramm Gewicht erreichen.

Silvester Tamás, Koordinator des Luchsprojekts beim NABU Thüringen, vermutet aufgrund der Beschreibung von Marco Schmidt, dass es sich bei der Sichtung um ein Männchen aus der Luchs-Population im Harz handeln könnte. Im vergangenen Monitoringjahr 2019/20 seien im Frankenwald insgesamt drei Luchse gesichtet und nachgewiesen worden - alle drei stammten aus dem Harz.  Dort gebe es etwa 90-100 Tiere, wodurch der Populationsdruck sehr hoch sei und es gezwungenermaßen zu Abwanderungen komme. Entstanden ist die Population dort so: "Im Harz fand Mitte der 2000 Jahre eine Wiederansiedlung mit insgesamt 24 Gehegeluchsen statt", schreibt das LfU auf seiner Internetseite. 

Der Luchs steht sowohl in Bayern als auch deutschlandweit auf der Roten Liste und ist somit vom Aussterben bedroht. Zuletzt sind die Bestandszahlen in Bayern leicht angestiegen. "Für das Monitoringjahr von Mai 2019 bis April 2020 wurden in Bayern 70 selbstständige Luchse sowie 27 Jungtiere nachgewiesen. Ein Jahr zuvor waren es noch 60 selbstständige Luchse und 26 Jungtiere", erklärte das LfU Anfang des Jahres. Trotzdem: "Die Sichtungen sind doch sehr rar", erklärt der Experte.

Im Monitoringjahr 2019/20: Drei nachgewiesenen Luchse im Frankenwald 

Neben der Luchs-Population im Harz gebe es in Deutschland noch einen zweiten "Hotspot" - den Bayerischen Wald. Da Franken und Thüringen genau zwischen diesen beiden Luchsvorkommensgebieten liegen, schreibt Tamás ihnen eine besonders wichtige Rolle zu.  Sie seien "wichtige Punkte für die Wiederausbreitung", denn hier würden die beiden Populationen aufeinander treffen. "Die Nachweise verdeutlichen die große Bedeutung des Grünen Bandes, der ehemaligen innerdeutschen Grenze, als Lebens- und Vernetzungsraum für hochmobile, wandernde Arten", bestätigt der NABU Thüringen.

Die niedrigen Monitoringzahlen zeigen, dass Zusammentreffen mit Menschen bei Luchsen ohnehin selten sind. Sollte es doch zu einem Treffen kommen gilt: "Der Luchs ist von Natur aus vorsichtig und weicht dem Menschen aus", so das LfU. Trotzdem ergreifen die Tiere beim Anblick von Menschen nicht immer sofort die Flucht: "Oft verharrt das Tier regungslos, vertraut auf seine Tarnung und schätzt zunächst die ungewohnte Situation ein." Experte Tamás erklärt, dass man sich in einer solchen Situation dem Luchs keinesfalls nähern sollte. 

Laut dem LfU seien Luchse Pirsch- und Lauerjäger und gehen alleine auf Beutefang. Zu ihren Beutetieren gehören beispielsweise Rotwild, Hasen, Füchse, Wildschweine und Marder. Außerdem: "Gelegentlich kommen Übergriffe auf Kleinvieh wie Schafe und Ziegen sowie Wild in landwirtschaftlicher Gehegehaltung vor." 

Für den Tierschutz: Luchs-Meldungen aus der Bevölkerung laut NABU sehr hilfreich

Bedroht sei der Luchs einerseits durch natürliche Ursachen. Beispielsweise beträgt die Jungensterblichkeit bei Luchsen bis zu 80 Prozent. Andererseits gehört auch der Mensch zu den größten Bedrohungen für das Raubtier. Vor allem die illegale Jagd und der Straßenverkehr sind laut Tamás Probleme. Zu den Schutzmaßnahmen gehören deshalb beispielsweise Grünbrücken oder Wildwechselwarnanlagen. Langfristig seien aber auch Wiederansiedlungen einzelner Tiere, vor allem von Weibchen, denkbar.

Unerlässlich sei für den Experten außerdem das Monitoring. Hierbei solle man auch die Jäger mehr einbeziehen. Für Meldungen aus der Bevölkerung, wie die von Marco und Susanne Schmidt, sei man außerdem sehr dankbar: „Nur so können wir die schönen Pinselohren auch effektiv schützen, wenn wir wissen, wo sie vorkommen und leben", erklärt Tamás.

Auch ein Wolf wurde zuletzt in Franken gesichtet und fotografiert: Ein Mann begegnete im Kreis Haßberge einem Wolf. Er fotografierte das Tier sogar. Anhand einer Genprobe an einem toten Reh ließ sich der Wolf nun auch wissenschaftlich nachweisen.