"Sind jetzt endlich alle da? Wo ist denn wieder.. ? Wer hat denn ... ?", Gisela Düthorn versucht die Schauspieler kurz vor der Premierenaufführung von "Heribert, der Klosterfrau-Narzissengeist" endlich alle zusammenzubringen.

Die Bänke vor der Naturbühne sind alle besetzt. 500 erwartungsvolle Gesichter blicken hoch zu den liebevoll gestalteten Kulissen, die das Kloster und seine Nebengebäude darstellen. Lampenfieber gehört zum Schauspielen dazu. Doch die Aufregung legt sich spätestens nach dem ersten Satz, den man auf der Bühne sagt. Das alles weiß die Regisseurin des Stücks, Gisela Düthorn, seit Jahren ganz genau.

Sie führt seit vielen Jahren Regie bei den Aufführungen der Theaterfreunde Wallenfels. "Eigentlich war ich immer schon mit dem Theater verbunden.
Ich habe in Bamberg im Gymnasium schon beim Theaterarbeitskreis gespielt und gehe auch selbst gerne ins Theater", erzählt Gisela Düthorn. Bereits 1977 war sie als Souffleuse tätig.

Der Arbeitsaufwand für so ein Theaterstück sei enorm, aber er mache ihr auch sehr viel Spaß, erklärt Gisela Düthorn. Sie muss das Stück auswählen und die Spieler fragen, ob sie mitmachen wollen. "Für die Naturbühne brauche ich andere Stücke als für das Kulti", meint die Regisseurin. Schließlich werden die Rollen verteilt, Leseproben abgehalten und dann mit den richtigen Proben begonnen. Etwa ein halbes Jahr wird geprobt, am Anfang alle zwei Wochen, kurz vor der Premiere sogar drei Mal in der Woche.

Gisela Düthorn muss sich auch um den Aufbau und die Gestaltung der Kulissen kümmern. Sie gibt Schminktipps und sucht passende Kleidung aus. "Aber das Interessanteste ist, wie sich bei meinen Schauspielern im Laufe der Wochen Gestik und Mimik verändern, wie sie wirklich in ihre Rollen hineinwachsen", bekräftigt Gisela Düthorn.

Vor allem die drei wehrhaften Klosterfrauen zeigen bei dem Stück "Heribert, der Klosterfrau-Narzissengeist" große Leistung. Sie schimpfen, lachen und flehen - sie sind so sehr in ihre Rollen hineingewachsen, dass man nicht weiß, ob es gespielt oder echt ist.

Ein eigener Klostergeist

Brillant sind sie alle, auch die affektierte Elvira von Suppenhahn (Tina Krump), die zusammen mit Bruno Schnappes (Michael Weiß) den gierigen Dorfmafioso Bürgermeister Egon Dünkel (Edelbert Stadelmann) über den Tisch zieht, um das Klostergebäude und die Ländereien an sich zu reißen. Domkapitular Hansemann (Udo Schlee) unetrstützt dabei brav. Er will die Nonnen aus ihrem Kloster vertreiben und dem Schnapsbrennen ein Ende bereiten. Doch sie haben die Rechnung ohne den klostereigenen Geist gemacht: Heribert, der Klosterfrau-Narzissengeist (Christian Weiß).

Vor vielen Jahrhunderten eingemauert, so heißt es, kommt er dem Kloster zu Hilfe, wenn ihm Gefahr droht. Carolin Schlee hat als Babette Fenchel nicht nur allerhand in ihrem Korb zu verkaufen. Nach einigen Gläsern Schnaps und Bier hat sie auch ein "zweites Gesicht" und "sieht weit voraus und Heribert kommen".

Das Tüpfelchen auf dem i ist jedoch die Sprache des Theaterstücks. Im schönsten Wallenfelser Dialekt wird frisch von der Leber weg geredet. Das verleiht den einstudierten Worten gleich eine intensivere Ausstrahlung. So ist Schwester Appolonia "nie schwähöri" und Karlchen Krötz (Andreas Gleich) geht Schwester Pankrazia immer wieder "dori".

Viele Helfer aus Vereinen, aber auch Geschäfte und Firmen haben das Theater unterstützt. Dafür bedankte sich Birgit Brehl, die Vorsitzende der Theaterfreunde Wallenfels.

Weitere Vorstellung und Informationen

Die zweite Vorstellung von "Heribert, der Klosterfrau-Narzissengeist" findet am kommenden Samstag, 29. Juni 2013 ebenfalls auf der Kümmelswiese statt. (Ausweichtermin bei äußerst schlechter Witterung am Sonntag 30. Juni beziehungsweise am Samstag, 6. Juli), Beginn ist 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Raiffeisenbank und der Sparkasse. Vom Marktplatz aus wird ein kostenloser Fahrdienst angeboten. Nähere Infos auch auf derHomepage.