Es ist der Fußball-Klassiker schlechthin: Legenden ranken sich um die Begegnung England gegen Deutschland. Jetzt es zu einer Neuauflage dieses Duells - wenn auch im "etwas" kleineren Rahmen, sprich auf dem Fußballgelände in Wallenfels, wo sich der heimische FC und Bingham FC gegenüberstanden.

Vor dem Freundschaftsspiel wurden die Mitspieler einzeln auf Deutsch und Englisch vorgestellt. Wie es sich gehört, wurden die Nationalhymnen geschmettert, es gab ein freundschaftliches Shake-Hands und es wurden die Wimpel ausgetauscht.


Um jeden Ball gekämpft

An Ehrgeiz mangelte es beiden Mannschaften nicht: Da wurde um jeden Ball gekämpft und offensiv nach vorne gespielt.
Es ging zwar nicht um den Gewinn einer Welt- oder Europameisterschaft, aber doch um einen ganz besonderen Pokal - den Ian-Cottee-Gedächtnispokal.

Ian Cottee war ein großer Verfechter der Städtepartnerschaft. Er verunglückte 2007, kurz bevor er mit einer Abordnung in die Flößerstadt fahren wollte. "Als Erinnerung wurde der Gedächtnispokal gestiftet, der seitdem Jahr für Jahr ausgespielt wird. "Er wird nach jedem Spiel zwischen Wallenfels und Bingham von den Kindern des Verunglückten an die siegreiche Mannschaft übergeben", erzählt Steve McRobie, der beim Freundschaftsspiel die Kapitänsbinde des Bingham FC trug.

McRobie hatte den ersten Kontakt zwischen den beiden Fußballvereinen hergestellt und war in der Zeit des ersten Besuchs der Fußballer im Jahre 2001 und auch einige Jahre danach noch Vorsitzender des Bingham Town Youth FC.

Auch dieses Mal zeichnete er auf englischer Seite hauptverantwortlich für den Besuch. "Ich mag Wallenfels. Die Landschaft ist schön, die Bäume, der Wald. Es ist etwas hügeliger als bei uns in Bingham. Vor allem aber mag ich die Menschen hier", schwärmt der Engländer, dessen Trikot-Rückennummer 50 sein Alter verrät.


"Die Gastfreundschaft ist übewältigend"

An den Wallenfelsern schätze er ihre Offenheit, ihre Freundlichkeit und Herzlichkeit. Die Gastfreundschaft sei überwältigend. Besonders freue es ihn, dass in Reihen der 29-köpfigen Abordnung, die neben dem Tennisplatz beziehungsweise neben dem Freibad-Parkplatz zeltete, wieder so viele Junge dabei seien. So bestand auch seine Mannschaft insbesondere aus Fußballspielern im Alter von 20 bis 25 Jahren, mit denen er aber super mithalten konnte.

"Die jungen Leute kennen sich schon von Kindheit an. Es ist toll, wie sich das entwickelt hat und dass unsere Freundschaft nun schon über Generationen geht", schwärmt er.

So sieht es auch der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn. Auch er beteiligt sich seit seiner Kindheit an der Städtepartnerschaft. "Meine Eltern haben die Städtepartnerschaft sehr gefördert. Wir waren ein sehr offenes, gastfreundliches Haus. Bei uns haben öfters Engländer übernachtet oder meine Eltern haben sie zum Essen eingeladen. Ich fand das sehr schön" erinnert er sich.


"Lebendige Partnerschaft"

Nach wie vor sei ihm die Partnerschaft ein echtes Herzensanliegen. Einen großen Anteil zu deren Fortbestand leiste der Förderkreis Bingham-Wallenfels. Dieser habe die Partnerschaft etwas weg vom offiziellen Charakter und mehr zu den Menschen geführt. Auch der Musikverein Wallenfels, der schon oft in Bingham aufspielte, bringe sich beispielsweise stark ein. Ein echtes Highlight sei im vergangenen Jahr die Feier des 30. Partnerschaftsjubiläums gewesen mit dem Bavarian Beer-Fest.

"Im nächsten Jahr geht es wieder nach England", freut er sich und spricht von einer sehr lebendigen Partnerschaft. Diese habe ihn bereits als junger Mensch sehr in seiner Entwicklung vorangebracht. "Es war unglaublich bereichernd für mich, ein neues Land, eine andere Kultur und neue Menschen kennenzulernen. Auch sprachlich habe ich sehr davon profitiert."

Von einer sehr freundschaftlichen Atmosphäre - trotz einer Entfernung von rund 1250 Kilometern - spricht Wolfgang Köhlmann vom FC Wallenfels. Er als Hauptorganisator sowie Andreas Buckreus jun., Erster Vorsitzender des FC Wallenfels, und Ralf Leipold, Zweiter Vorsitzender des Förderkreises Bingham-Wallenfels, zeichneten auf deutscher Seite hauptverantwortlich für den Besuch. Zudem können die Verantwortlichen in beiden Städten auf eine schon eingespielte Gruppe von Helfern zurückgreifen.

Seit 2007 finden regelmäßig im jährlich wechselnden Turnus gegenseitige Austauschbesuche der Fußballer statt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das Spiel FC Wallenfels gegen Bingham FC mit 0:1 endete.