Am Mittwoch war Alf Rüger "mit einem Kollegen auf Probefahrt". Als sie gegen 10.30 Uhr auf der Straße zwischen Dörfles und Kronach fuhren, sah er die Wildsäue. Sie liefen aus den Büschen nahe der Festung Rosenberg in Richtung Kreuzberg. Rüger, der Beifahrer war, zückte das Handy, bat den Kollegen, eine sichere Haltemöglichkeit zu suchen und hielt drauf.

Das Video zeigt ein schneebedecktes Feld, im Hintergrund ist das Seniorenhaus des Kronacher BRK zu sehen. Dann läuft die Reihe Wildsauen im Galopp von rechts kommend über die Staatsstraße. Die Autofahrer haben die Schweine wohl längst gesehen und fahren langsam heran, lassen Platz zum Überqueren. "Es war auch nicht glatt. Alles relativ harmlos", kommentiert Rüger das Schauspiel.

Ungewöhnliche Reisezeit

Bernhard Schmitt, Kreisvorsitzender des Kronacher Jägerverbands, kennt das Video. Er meint, dass eine Rotte von mehr als 20 Tieren hurtig unterwegs ist, sei nicht ungewöhnlich. Wohl aber, "dass sie bei Tag in Stadtnähe eine Bundesstraße überlaufen", sagt der Experte. Wildschweine sind normalerweise nacht- und dämmerungsaktiv. Wahrscheinlich sei, dass sie etwas aufgeschreckt habe. Schmitt gibt aber zu verstehen, dass er nicht spekulieren möchte. Eine Gruppe Fußgänger, ein Hund oder viele andere Dinge könnten der Auslöser für den Lauf der Schweine gewesen sein.

Sehr wohl sieht Schmitt die Rotte als einen Indikator dafür, dass es derzeit viele Wildschweine im Kreis gibt. "Die milden Winter der letzten Zeit und die dadurch reichliche Nahrung haben zur Vermehrung geführt", weiß Schmitt. Eine einzige Bache kann bis zu acht Junge werfen, die wiederum nach wenig mehr als einem halben Jahr selbst trächtig werden können. Das kann zu rasanten Anstiegen der Wildschweinpopulation führen. Auch weil die Tiere schwer zu bejagen sind.

Schwer zu bejagen

Dass es bereits zu viele Schweine gibt, bestätigt Winfried Wachter. Er ist einer der Jagdpächter des Reviers Kronach Nord, zu dem der Bereich aus dem Video gehört. "Wir jagen Tag und Nacht", sagt er. Aber es gebe zu viele Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere im tiefen Dickicht. Weil von ihnen eine Gefahr im Verkehr ausgehe, bleibe zum Schutz nur, sehr vorsichtig zu fahren.

Wie in dem Video zu sehen ist, kam weder Mensch noch Tier zu Schaden. "Wenn sie im Dunkeln aus dem Wald gekommen wären, hätte es vielleicht geknallt", meint Schmitt. Für den Fall, dass man als Autofahrer selbst einmal in der Situation sei, plötzlich eine Rotte Schweine vor der Haube zu haben, rät er: "Wenn Sie nicht gefahrlos ausweichen oder bremsen können, fahren Sie drauf zu. Ein Wildschwein gibt nach, ein Baum am Straßenrand nicht."