Bruder Barnabas kennt jetzt schon das Unwort des Jahres 2016: Panzer. Genauer gesagt: Martin Panzer. Denn der Kronacher Sitzungspräsident gleichen Namens soll beim Büttenabend "im hässlichsten Vorort von Ludwigsstadt" (Barnabas) zur unendlichen Geschichte mit dem Kreisel an der Südbrücke doch wirklich gesagt haben, dass es den Kronachern egal gewesen sei, wenn man an der Südbrücke nicht mehr in Richtung Ludwigsstadt habe abbiegen können, "denn wer will schon nach Ludwigsstadt." Richtig sei aber, weiß Barnabas: "Das Beste an Kronach ist die Abbiegespur nach Ludwigsstadt!"


Kultur nach Kronach

Das Publikum beim Büttenabend der Ludschter Foasenachter johlte ihm darauf auch einhellige Zustimmung zu. Ansonsten blieb die Kreisstadt aber ungeschoren - fast. Denn die Geschichte mit Daniel Leistner zeige ja deutlich, dass Undank der Welt Lohn sei.
Immerhin habe man den Ludwigsstädter Intendanten 20 Jahre lang nach Kronach ausgeliehen, damit dort auch mal Kultur in die Gänge komme, erinnerte sich Barnabas.
Wenig gebe der Ludwigsstädter Stadtrat für seine Büttenrede her, klagte er. Vielleicht könnte man ihn ja für ein Krippenspiel abstellen: Für Ochs und Esel gäbe es sicher keine Probleme, sinnierte er. Aber woher soll man die drei Weisen bekommen? Dazu gab er auch ein paar Schwänke aus dem Ludwigsstädter Kommunalleben zu Besten.
Ein vierstündiges Programm haben die Ludschter Foasenachter wieder auf die Beine gestellt. Tänze, Sketche und Shows am laufenden Band. Im besten Stechschritt präsentierten sich fesch die Gardemädchen. Was sie an Rhythmus im Blut haben, zeigten die jüngsten der Foasenachter. Viel Akrobatik hatte die Lady League einschließlich Hip-Hip-Tänzer einstudiert. Das Männerballett zeigte einen Westerntanz und die Schwarzlichtgruppe hatte eine fast schon mystische Farbshow auf der sonst dunklen Bühne zu bieten. Schließlich ließen die Tänzer das Disko-Fieber der 1980er und
-90er Jahre wieder aufleben.
Außer dem Bruder Barnabas stieg Bruno, der Jüngste der Ludschter Aktiven, in die Bütt und berichtete von seiner Einschulung. Schnell kam er auch zur Erkenntnis "Unterricht ist gar nicht schwer, wenn doch nur mehr Pause wär'."
Schwierige Fragen gab es zu beantworten im Sketch "Wer wird Millionär" der Gruppe Herzblatt; zum Beispiel "Wie heißt unser graues Stadtoberhaupt? Ehrsam, Ehrlich, Erhardt, Ehrgeiz?" - Liese und Lotte, zwei kindliche 50-erinnen, erinnerten sich daran, wie einfach es doch früher war, und wie sicherheitshysterisch schwierig jetzt. Und wie elektronisch aufwändig es jetzt ist, Freunde zu gewinnen: "Früher gingen wir einfach raus auf die Straße und trafen sie."
Paul und Jörg, zwei TSV-Fans, lassen sich über den Sport in Ludwigsstadt und Umgebung aus; der eine ein locker-bierseliger Wessi, der andere eher beflissener Ex-Ossi...
Dass es auch ganz ohne Reden geht, führten (pantomimisch) Eva und Eva vor: Was der Städterin Eva ihre Tagescreme ist, ist für Eva vom Land ihre Margarine. Und während der einen ein schicker Hut steht, mach ein Nachthaferl die andere schön. Selbstbewusst wie genauso fett macht Bullo (Kühnlenz) à la Beth Ditto die Männer im Publikum an, wenn sie/er sich auf deren Schoß breit macht.
Witzelnd, kalauernd und mit Wortspielereien führt das Ludschter Dreigestirn mit Reinhard Bräutigam in der Mitte durch den Abend. Und schon seit zehn Jahren mit dabei ist die Band "Oldie Mix" beim Büttenabend in Ludwigsstadt.