Seit dieser Woche herrscht an den Schulen im Kreis Kronach eine "Luftveränderung". Die rote Corona-Ampel sorgt dafür, dass die Masken bei Lehrern und Schülern wieder während des ganzen Schultags vor Nase und Mund müssen. Hinzu kommen weitere Einschränkungen, zum Beispiel im Musik- und Sportunterricht. Das gefällt natürlich nicht jedem. Doch die Mehrheit scheint diese Vorgehensweise der Alternative vorzuziehen.

Lieber in die Schule gehen

"Ich finde Präsenzunterricht wichtig. Dann lieber den mit Maske als zu Hause ohne", spricht sich die Kronacherin Susanne Faller dafür aus, möglichst lange vom Schulalltag im Homeoffice abzusehen. Ihr Sohn Fridolin sieht das genauso. Der Neuntklässler vom Frankenwald-Gymnasium findet das Tragen der Maske gar nicht so schlimm. Er weiß aber auch, dass der Unterricht mit dem Mund-Nase-Tuch nicht allen seinen Schulkameraden genauso leicht fällt.

Angesichts der jetzigen Entwicklung rechnet er damit, dass "wir die Masken diesen Winter vermutlich nicht mehr loswerden". Aber das kleine Utensil vermittelt ihm sogar ein bisschen mehr Sicherheit.

Fridolins Schulleiter Harald Weichert freut sich, dass Schüler, Eltern und Lehrer sehr besonnen mit dem Thema "Corona und Schutzmaßnahmen" umgehen. Die wechselnden Vorgaben bedeuten auch am Frankenwald-Gymnasium, ständig die Entwicklung im Blick zu behalten. Durch den Sprung auf Stufe Rot heißt es nun eben Maske auf, soweit zumutbar, und Abstand halten. "Der Wechsel ist ganz geräuschlos passiert", freut sich Weichert über einen reibungslosen Übergang. Da habe die gesamte Schulfamilie von den Erfahrungen im Umgang mit dem Virus aus den vergangenen Monaten profitiert.

Weitere Veränderungen: Im Musikunterricht würden bei "Rot" das Singen und das Spielen von Blasinstrumenten nur noch im Einzelunterricht funktionieren. Bisher war das bei richtiger Aufstellung und Blickrichtung noch in Gruppen möglich, wie Weichert erklärt. Im Sportunterricht geht jetzt nur noch, was ohne Kontakt und Schwitzen umgesetzt werden kann. Weichert nennt beispielsweise die Technikschulung oder Wurfübungen.

Entwicklung abwarten

Der Schulleiter stellt aber auch das Positive im Vergleich zum Lockdown im Frühjahr heraus: "Wir können immer noch einen Sportunterricht in der Halle anbieten. Und Stufe 3 bedeutet auch keinen Automatismus, dass die Schule wieder in den Schichtbetrieb muss." Ob es in Zukunft zu Klassenteilungen und Homeschooling kommen kann, vermag er nicht abzuschätzen. Das liege in anderen Händen und hänge von vielen Faktoren ab.

"Ich suche immer nach dem Guten im Schlechten", führt Weichert weiter aus. Das findet er im Willen der Politik, den Schulbetrieb möglichst lange am Laufen zu halten und so die Elternhäuser, aber auch die Wirtschaft zu entlasten. Und er sieht das Positive darin, dass im Lockdown bei vielen das Bewusstsein gereift ist, wie gut der Schulbesuch doch ist.

Sport im Freien und Religionsunterricht mal anders in Pressig

Das Beste aus der aktuellen Situation machen - so lautet das Motto in Pressig. Die Grund- und Mittelschule besuchen täglich 355 Schüler bis zur zehnten Jahrgangsstufe, aufgeteilt auf die beiden Standorte in Pressig und Rothenkirchen. Dass sich die Klassen nicht vermischen, ist die Herausforderung, die es zu bewältigen gilt.

So wird im Religionsunterricht nun nicht mehr nach Konfession, sondern nach Klassen unterrichtet. "Die Lehrkräfte nehmen derzeit die Inhalte dran, die im Prinzip bei allen Konfessionen gleich sind", berichtet Schulleiter Hans-Peter Müller. Ein interessantes Modell, das die Toleranz füreinander fördert und durchaus Potenzial hätte, die Corona-Pandemie zu überdauern.

Noch ein positiver Corona-Nebeneffekt: Aktivitäten im Freien liegen an der Grund- und Mittelschule nun ebenfalls im Trend. "Was Sport in der Halle betrifft, ist es schwierig, weil wir die Umkleiden nicht nutzen können." Zum Umziehen müssten die Masken abgenommen werden, während Abstände nicht eingehalten werden könnten. "Darum gehen wir bei schönem Wetter nach draußen und spielen mit den Jüngeren einfache Spiele", berichtet Hans-Peter Müller.

Insgesamt geht es in Pressig und Rothenkirchen gesittet zu. Wo vor Corona in der Mensa und am Pausenverkauf noch gedrängelt wurde, würden Schüler nun vorbildlich in einer Reihe stehen. Hier und da müsste mal ein Schüler an den Mindestabstand erinnert werden. Doch: "Sowohl die Kleinen als auch die Großen verhalten sich sehr vernünftig." Pausen finden häufig in den Klassenzimmern statt, oder die Schüler aus einer Klasse bleiben in einem Teil des Pausenhofs - natürlich auch dort mit ausreichend Abstand zueinander - unter sich. "Da achten die Lehrkräfte auch sehr darauf, denn beim Essen müssen die Masken ja abgenommen werden."

Außerhalb des Schulgeländes sind die Lehrer allerdings machtlos. "Der Knackpunkt, und da spreche ich wahrscheinlich für viele Kollegen, ist der Busverkehr", merkt der Schulleiter an. Die meisten seiner Schüler kommen mit dem Bus. In der Schule könnten sie noch so vorsichtig sein. "Im Bus sitzen sie dann doch wieder alle zusammen." Zwar würden die Schüler auch im Bus Masken tragen. Doch ausreichend Abstand zu halten, sei da nicht möglich.saha