Ein bisschen Bammel haben Lynn und Fabio Weigelt schon vor ihrer ersten Fahrt im Schulbus von Roßlach in die Kreisstadt. Da geht es den Zehnjährigen wie ihren und vielen anderen Eltern. Die waren in den vergangenen Tagen noch verunsichert, weil das neue Schulwegkonzept des Landkreises Fragen aufgeworfen hatte und schließlich der Probebetrieb kurzfristig vertagt worden war. Doch seit Mittwoch atmen die beiden Schülermütter und Nachbarinnen Desirée Weigelt und Ulrike Schmidt auf.

Der Landkreis hat an diesem Tag den Reset-Knopf gedrückt und sein Schulwegkonzept in komplett überarbeiteter Form vorgestellt. Die beiden Roßlacherinnen sehen darin einen guten Schritt, von dem sie sich große Verbesserungen für die Schüler im ganzen Landkreis erhoffen.

"Es ist schön, dass im Konzept auch der ländliche Bereich berücksichtigt wird" - und das über die reine Schülerbeförderung hinaus, freut sich Ulrike Schmidt. Bisher habe außer den Schulbussen kein Bus in Roßlach gestoppt. Das wird sich jetzt ändern, wie Pressesprecher Alexander Löffler vom Landratsamt auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt.

Desirée Weigelt wünscht sich derweil, dass die früher teilweise langen Wartezeiten für ihre beiden Kinder wegfallen. Lynn und Fabio, die beide heuer ans Schulzentrum in Kronach wechseln, sehen das genauso. "Wir sind bisher auch schon mit dem Bus zur Schule gefahren. Ich hoffe, dass wir jetzt nicht mehr so lange warten müssen."

Folgen der Pandemie

Das erwarten sich auch die Verantwortlichen im Landratsamt, wo kurz vor Schulbeginn noch einmal das gesamte Konzept auf den Prüfstand gebracht wurde. "Der Landkreis Kronach hat die Fahrpläne für die Schülerbeförderung neu überarbeitet. Diese Entscheidung hat Landrat Klaus Löffler (CSU) bereits in der vergangenen Woche getroffen, um vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie überfüllte Busse zu vermeiden und damit das Ansteckungsrisiko so weit wie möglich zu reduzieren", erklärt der Pressesprecher die kurzfristige Änderung. Gabriele Riedel und ihr Team von der Mobilitätszentrale wurde gemeinsam mit dem Planungsbüro von der Nahverkehrsberatung Südwest aktiv.

Mehr als 50 Schüler sollten in Zeiten der Pandemie nicht in den Bussen sitzen. "Wir haben alles auf Null gestellt, weil wir eine gewisse Verantwortung tragen, der wir auch gerecht werden wollen", betont der Landrat. Unterm Strich heißt das nun, dass vom ersten Schultag an zwölf zusätzliche Busse - vorerst bis zum 31. Dezember - zum Einsatz kommen werden.

"Die Sicherheit und die Gesundheit unserer Schüler steht über allem", betont der Landrat, der sich in diesem Zusammenhang bei Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für die am Montag beschlossene Kostenübernahme bedankt.

Allerdings stellt Klaus Löffler auch fest, dass der Landkreis das Überarbeiten der Fahrpläne bereits zuvor angestoßen hatte - und unabhängig von Münchner Entscheidungen umgesetzt hätte. Klaus Löffler unterstrich ebenso die Rolle der Schulen und ihrer Leiter, die durch ihre Flexibilität wesentlich dazu beigetragen hätten, dass das neue Konzept realisiert werden konnte.

Bessere Verbindungen

Doch bei der Neuausrichtung geht es nicht nur um die Zahl der Schulbusse, sondern auch um Verbesserungen der Routen. So hatten kürzlich Eltern aus dem Teuschnitzer Raum erhebliche Verschlechterungen für ihre Schulkinder befürchtet. Lange Fahrten, sehr frühe Abfahrtszeiten und mehrere Umstiege zeichneten sich ihrer Ansicht nach ab. Nun gibt Alexander Löffler eine Entwarnung: "Völlig neu konzipiert wurde die Strecke Teuschnitz - Kronach als Direktverbindung. Diese Strecke wird künftig ebenfalls mit mehreren Bussen bedient, in denen auch die Schüler aus Rappoltengrün befördert werden." Die ursprüngliche Planung hatte vorgesehen, die Schüler aus dem Bereich Teuschnitz nach Pressig zum Bahnhof zu bringen.

"Eine weitere Änderung gibt es für die Schüler aus Haßlach bei Teuschnitz, die nun nicht zum Zug nach Pressig, sondern mit einem zusätzlich eingesetzten Kleinbus zum nur vier Kilometer entfernten Bahnhof nach Steinbach am Wald gebracht werden."

Mehr Möglichkeiten

Ulrike Schmidt und Desirée Weigelt sehen es positiv, dass bis zuletzt an möglichen Schwachstellen des Systems gearbeitet wird, damit ihre Kinder gut und sicher in die Schule kommen. Und dass der Nachwuchs künftig nicht nur in die Schule fahren kann, sondern den neuen ÖPNV des Landkreises auch noch kostenfrei für die Fahrt zur Musikschule oder zum Training nutzen darf, halten sie obendrein für ein tolles Angebot.

Wichtige Infos zur neuen Schülerbeförderung

Die für das Mobilitätskonzept verantwortliche Gabriele Riedel informierte, dass in diesem Jahr alle Schüler - also auch die Grundschüler - Jahreskarten erhalten werden. Diese werden grundsätzlich über die Schulen verteilt. Neu ist: Alle Schüler von der fünften bis zur zehnten Jahrgangsstufe erhalten eine Zusatzkarte, mit der sie in den Ferien sowie an den Wochenenden ganztägig und an Schultagen ab 15 Uhr kostenlos mit Bus und Bahn durch den gesamten Landkreis fahren können. Sollte die Verteilung der Fahrkarten nicht gleich am ersten Schultag erfolgen, besteht kein Grund zur Sorge. "Es werden keine Schüler stehen gelassen!", versichert Gabriele Riedel. Auf diesen Strecken werden die zusätzlichen Busse eingesetzt: Tettau - Pressig, Mitwitz - Gehülz - Kronach, Brand - Zollbrunn - Ziegelerden - Kronach, Reitsch - Gundelsdorf - Kronach, Seibelsdorf - Marktrodach - Kronach, Nordhalben - Steinwiesen - Kronach, Wallenfels - Kronach, Küps - Kronach. Nachdem sich die Schülerbeförderung auch auf die bestehenden Hauptlinien erstreckt, findet zum Montag, 7. September, ein genereller Fahrplanwechsel statt. Die entsprechenden Fahrpläne - inklusive die der Schülerbeförderung - werden am Wochenende auf der Homepage des Landkreises unter www.landkreis-kronach.de einzusehen sein. Zu beachten ist auch, dass künftig jedermann auch in den Schulbussen mitfahren kann.