Per Mail erfährt Frauke P., dass sie bald 900 000 Euro haben könnte. Die Bedingung: Sie soll damit Menschen helfen, die zu wenig haben. Frauke P. sagt zu. Jetzt trennen sie nur noch ein paar läppische Überführungsgebühren von der Zugangskarte zum Konto mit dem Geld. Doch immer neue Kosten werden fällig. Erst als sie fast pleite ist, geht Frauke P. zur Polizei. Die Frau aus dem Kreis Kronach wollte helfen. Jetzt ist sie ruiniert.

"Ich schäme mich so, dass ich auf die Betrüger reingefallen bin", sagt Frauke P., die eigentlich anders heißt. Per Mail meldete sich im Mai 2014 eine Person bei ihr, die angab, sie habe nur noch Wochen zu leben. Weil sie keine Erben habe, wolle sie ihr Vermögen - drei Millionen Euro - sozialen Zwecken zuführen, schrieb die angebliche Dame angeblich aus einem Hospiz in England. Wenn Frauke P.
von Bedürftigen wisse, denen mit dem Geld geholfen werden kann, hieß es weiter, könne sie 900 000 Euro bekommen.

"Ich schrieb, ich würde Patenschaften für bedürftige Kinder übernehmen und mit 500 Euro pro Monat Menschen unterstützen, die Angehörige der Pflegestufe III pflegen müssen", sagt Frauke P., die alles noch nicht ganz wahrhaben will. Außerdem wollte sie ein Haus kaufen, in dem die Angehörigen von Pflegebedürftigen kostenlos Urlaub machen können. P. hat selbst eine behinderte Tochter, kennt die Nöte der pflegenden Angehörigen. "Heute schäme ich mich, weil ich so naiv war", sagt sie und schüttelt den Kopf.

Ein endloser Rattenschwanz
Denn statt etwas zu bekommen, sollte sie erst einmal geben: Gebühren für den Paketdienstboten, Gebühren fürs Finanzamt, eine Gebühr für die offizielle Bestätigung, dass es sich bei dem zu erbenden Vermögen nicht um "gewaschenes" Geld handele. Ein endloser Rattenschwanz. "Aber die Begründungen für die Zahlungen kamen mir in dem Moment so nachvollziehbar vor. Ich bin immer tiefer reingerutscht", sagt P.

Je mehr Geld sie investierte, desto weniger konnte sie abbrechen. Wie ein Sog sei es gewesen, beschreibt die Mittfünfzigerin.

Dabei hatte sie schon vor der Betrugsmasche nicht viel. Von ihrem Ersparten hatte sie das meiste in den behindertengerechten Umbau ihres Hauses - für ihre Tochter - gesteckt. Das Projekt lag dann auf Eis. Währenddessen wuchs das Darlehen bei der Bank. "Ich habe mir sogar privat Geld geliehen. Es hieß doch immer, ich würde für alle Aufwendungen das Doppelte zurückbekommen." Fazit: 10 000 Euro Miese bei der Bank, mit 3000 Euro die Kreditkarte belastet und private Schulden. "Ich hatte nie Schulden. Jetzt weiß ich nicht mal, wie ich Heizung und Strom zahlen soll. Zu schweigen von den Zinsen für die Kredite", sagt P., die von einer kleinen Witwenrente lebt, die mit Hartz IV aufgestockt wird.

Enorm hohe Opfer-Dunkelziffer
Alfons Hrubesch, Leiter der Außenstelle des Weißen Rings Kronach und Lichtenfels, kennt Fälle wie diesen. "Das Traurige ist, dass die Betrüger mit ihren Maschen der Polizei ständig einen Schritt voraus sind." Finanz-Transaktionen liefen meist über Konten aus dem Ausland und Gelder seien deshalb schwer zurückzuverfolgen. Wenn mal ein Betrüger gefasst werde, meint Hrubesch, sei bei dem selten Geld zu holen. "Die Chancen der Opfer, vollständig entschädigt zu werden, sind gering." Hrubesch appelliert dennoch an alle Opfer von Betrugsmaschen, nicht zu schweigen, sondern sich an die Polizei zu wenden und aufzuklären. Die Dunkelziffer der Opfer sei enorm: "Und solange Opfer schweigen, können Täter agieren."

Für Spenden
Der Weiße Ring betreut Kriminalitätsopfer und ihre Angehörigen. Unter anderem gewährt der Ring finanzielle Unterstützung zur Überbrückung von Notlagen. Im Fall der Frauke P. können sich Unterstützer mit der Spendenhotline der Bundesgeschäftsstelle in Verbindung setzen unter Tel: 06131/83 03-13 bzw. -16. hst