Nach den Turbulenzen um den Verkauf der Kronacher Wohnungsbaugesellschaft (KWG), der millionenschweren Sanierung ihrer Gebäude und den damit verbundenen Mieterhöhungen sind viele Mieter auf der Suche nach einem Ansprechpartner, der ihre Sorgen und Nöte mit mehr Nachdruck äußern kann als es ihnen selbst möglich ist. Bei einer Informationsveranstaltung, zu der die SPD am Mittwochabend ins Turnerheim Kronach eingeladen hatte, haben viele Betroffene diese Anlaufstelle in den Mieterschutzvereinen Kulmbach und Lichtenfels gefunden. Auch die Gründung eines eigenständigen Kronacher Vereins stand zur Debatte, doch hierfür wurde noch kein Organisator gefunden.


Bedarf ist zu erkennen

"Die Resonanz zeigt, dass Bedarf da ist", freute sich SPD-Stadtverbandsvorsitzender Ralf Völkl, dass rund 50 Bürger zur Infoveranstaltung gekommen waren.
Ziel sei es, konkret in die Arbeit mit den Mietervereinen einzusteigen. "In Kronach haben wir ja keinen", unterstrich Völkl. Er ging auch auf die Masse der Betroffenen ein, die über die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt nach dem KWG-Verkauf klagten. "Eine juristische Beratung ist in so einer großen Gruppe kaum durchzuführen", so Völkl, "da setzt die Arbeit der Mietervereine an". Diese schilderte die Vorsitzende des Kulmbacher Mietervereins, Katharina Steffen, im Detail.

Stadträtin Marina Schmitt (SPD) riet den Mietern zum Vereinsbeitritt und betonte, dass sie sich nicht auf Interventionen seitens der Politik verlassen sollten. "Da besteht kaum noch eine Einflussmöglichkeit, weil wir uns nach dem Verkauf nun in der privaten Wirtschaft bewegen."


Diskussion wird emotional

Das brachte einige betroffene Mieter in der ansonsten sehr sachlich-ruhigen Diskussion in Rage. "Ich möchte, dass wir die Leute einladen, die jahrelang die Mieteinnahmen kassiert haben. Ich möchte gerne wissen, was die mit jährlich 1,3 Millionen gemacht haben", schimpfte Edgar Thümlein. "In 50 Jahren haben sie in manchen Gebäuden nicht mal den Hausplatz streichen lassen." Aus der Versammlung heraus wurde ihm beigepflichtet: "Die Verantwortlichen sollten da sein!"

Zahlreiche Versammlungsteilnehmer nutzten darauf die Chance, dem Mieterverein Kulmbach oder Lichtenfels beizutreten beziehungsweise steckten sie die Beitrittserklärung in die Tasche und machten schon erste Beratungstermine aus. Am Ende dieses Prozesses soll jedoch die Gründung eines Kronacher Mietervereins stehen.


"Kronacher Verein wäre wünschenswert"

Für Katharina Steffen steht fest: "Ich denke, Kronach hat Bedarf." Deshalb würde sich die Vorsitzende des Mietervereins Kulmbach mittelfristig wünschen, dass sich in der Cranach-Stadt ein eigener Mieterverein etabliert.
Bis es soweit ist wollen sie und ihr Mann André Steffen (Vorsitzender des Mietervereins Lichtenfels) die Kronacher Mieter betreuen, die sich einstweilen ihren beiden Vereinen anschließen können.

Zur Gründung eines Kronacher Vereins fehle momentan noch eine ordnende Hand, ein Organisator, der als "eine Art Geschäftsstelle" die Fäden in der Hand hält und koordinierend tätig ist. "Derjenige würde das ehrenamtlich machen, aber wir würden ihn natürlich gerne unterstützen", betont Katharina Steffen.

Die Aufgabe eines Mietervereins schildert sie folgendermaßen: "Wir vertreten die Mitglieder rechtsberatend, schauen uns Mietverträge und Schriftstücke an, geben Tipps und unterstützen beim Schriftverkehr. Wir übernehmen zwar keine Vertretung vor Gericht, aber wir helfen natürlich bei der Wahl eines Anwalts, wenn es nötig wird."