Pfingsten ist vorbei, die Ferien sind zu Ende, der Schulbetrieb ist wieder am Laufen. Doch nicht zuletzt die immer noch ausgedünnten Schülerströme nach dem Mittagsgong zeigen: Die Normalität ist unter anderem an den beiden Kronacher Gymnasien nur zum Teil zurückgekehrt.

An beiden Schulen wird weiter Wert auf die Sicherheit vor dem Coronavirus gelegt - für Schüler wie Lehrer. Desinfektionsmittel allerorten, Klebemarkierungen als Abstandsangaben, Masken auf den Gängen, angepasste Pausenregelungen, mehr Aufsichten, Fachunterricht in den Klassenzimmern, eine Eingangshalle, die nur noch als Durchgangshalle dient, oder der Verzicht auf Gruppenarbeiten - Schule funktioniert weiterhin ganz anders als gewohnt. Am auffälligsten ist jedoch, dass zwar alle Schüler wieder Präsenzunterricht haben, bis zu den Sommerferien allerdings nie alle gleichzeitig da sein werden.

Wochenweiser Wechsel

"Wir wechseln wochenweise", erklärt Renate Leive das Konzept des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums. Das heißt, die halbe Klasse ist im Unterricht, die andere Hälfte wird digital am heimischen PC beschult. Eine Woche später wird dann getauscht. Mehr als 15 Schüler dürfen nicht gleichzeitig im Klassenzimmer sein. Und beide Schulen hätten nicht die räumlichen Kapazitäten, um plötzlich viele zusätzliche Teilklassen unterzubringen.

Auch am Frankenwald-Gymnasium läuft der Unterricht nach diesem Schema ab. Wie Schulleiter Harald Weichert feststellt, ist das keine perfekte Lösung, aber eine bessere als zuvor: "Schule lebt vom persönlichen Kontakt und der Begegnung." Das habe durch das sogenannte Homeschooling zuletzt wenig stattgefunden. Dem pflichtet Leive bei: "Wir freuen uns natürlich über die heutigen digitalen Möglichkeiten. Vor zehn Jahren wäre diese Situation eine ganz andere Katastrophe gewesen. Aber Lehrer wie Schüler freuen sich jetzt, sich endlich mal wieder ins Gesicht schauen zu können."

Entsprechend positiv gehen die Lehrkräfte und Jugendlichen an beiden Gymnasien mit der angespannten Situation um. Für die Lehrer bedeutet sie eine Mehrbelastung durch den zweigleisigen Unterricht, für die Gymnasiasten ist es die Fortsetzung eines Lernens unter schwierigen Rahmenbedingungen.

Doch beide Schulleiter sprechen ein Lob aus: Alle Beteiligten zeigten einen disziplinierten Umgang mit den Sicherheitsmaßnahmen. Weichert erinnert sich beispielsweise an drei Schülerinnen, die mitten in der Begrüßung aufgeschreckt sind. Ihnen sei offenbar eingefallen, dass sie Abstand halten müssen. "Da haben sie einfach eine Art La-Ola-Welle gemacht", sagt er schmunzelnd. Und Leive ergänzt: "Es funktioniert. Die Schüler selbst zeigen dadurch, dass sie nicht wieder in die Zeit der größeren Einschränkungen zurück wollen."

Abstriche lassen sich nicht vermeiden

Den Stoff für das laufende Schuljahr unter diesen Umständen lückenlos zu vermitteln, kann natürlich nicht klappen. Es muss improvisiert werden; auch Abstriche lassen sich nicht vermeiden.

Wie die Schulleiter feststellen, geben es die Lehrpläne allerdings her, teilweise auf Wünschenswertes zu verzichten, wenn es nicht zwingend erforderlich für die weitere Schullaufbahn ist. Renate Leive spricht von einem "gewissen Spielraum", in dessen Rahmen sich die Lehrer untereinander absprechen, um alle Schüler eines Jahrgangs mit gleichen Voraussetzungen in die nächste Klassenstufe schicken zu können.

Was passiert im September?

Weichert rechnet darüber hinaus mit Anpassungen für den Schulstart 2020/21, der coronabedingt kein normaler sein werde. Dass sich der verpasste Stoff jedoch komplett aufholen lasse, glaubt Leive nicht; schließlich müsse auch im neuen Jahr ein Lehrplan eingehalten werden - und mehr Unterrichtszeit stehe dann auch nicht zur Verfügung.

Wie genau der Auftakt des kommenden Schuljahres ablaufen wird, vermögen beide Schulleiter derzeit noch nicht zu sagen. "Da müsste ich in die Glaskugel schauen können", stellt Weichert fest. Und seine Berufskollegin rät ebenfalls dazu, statt voreiliger Spekulationen zunächst die weitere Entwicklung der Pandemie abzuwarten. "Wir erhoffen uns, dass es möglichst normal - eben wie vor Corona - weitergehen wird. Erwarten tue ich es aber nicht", sagt sie. Selbst weiteren Unterricht in Teilklassen hält sie ab September nicht für ausgeschlossen.

Wünschen würde sie sich vor allem auch eine zunehmende Planungssicherheit. Schon die Übergabe der Abiturzeugnisse gebe derzeit viele Fragen auf - vom Buchen von Klassenfahrten etc. ganz zu schweigen.

Doch beide gewinnen der Situation auch einen positiven Aspekt ab. Weichert bringt ihn auf den Punkt: "Corona hat gezeigt, was wir gebraucht haben, aber auch, was wir vermisst haben." Damit spielt er auf eine weiterhin zügigen Ausbau der digitalen Infrastruktur an - an den Schulen, aber auch im Elternhaus. Und er hofft, dass alle Betroffenen eine neue Wertschätzung aus der Krise mitnehmen - für den ganz normalen Schulalltag.