"Such", befiehlt Hundefreund Arno Holland seinem Hund Othello von der Elbperle. Der achtjährige Hovawart, der diszipliniert neben seinem Herrchen auf sein Kommando gewartet hatte, reagiert sofort. Mit gleichmäßigem schnellem Tempo schnüffelt er auf dem Boden. Zielgerichtet und ruhig folgt er einer "unsichtbaren" Fährte, die Holland drei Stunden vorher gelegt hat. "Kein Blick geht nach oben oder zu seinem Herrchen, der ihn - ohne Kommando und Einwirkung - an der zehn Meter langen Suchleine führt. Jetzt hat er den ersten Gegenstand entdeckt und verweist ihn, das heißt er verharrt daneben und fixiert mit Nase und Augen jenen Punkt, wo er den Geruch wahrgenommen hat.

"Prima", lobt sein Herrchen und gibt ihm ein Leckerli. Schon geht es für Othello weiter. Ganz auf seine Aufgabe fixiert, würdigt er an diesem schönen Morgen selbst vorbeikommende Fahrradfahrer oder Jogger keines Blickes.
Perfekt nimmt er die Winkel der Fährte und problemlos findet er auch die restlichen Gegenstände. Arno Holland ist zufrieden und belohnt Othello mit Leberkäse-Stückchen. "Das ist der Jackpot, den bekommt er immer zum Schluss", sagt der Neustadter lachend, während sich Othello sein Lieblings-Leckerli schmecken lässt.

Vor drei Stunden hatte das Mitglied des Vereins der Hundefreunde Kronach die Fährte bei einer Wiese oberhalb der Hammermühle abgelaufen und die farblich nicht vom Untergrund zu unterscheidenden Gegenstände platziert. Der Gegenstand muss zehn Zentimeter lang und zwei Zentimeter breit und kann aus Holz, Leder oder Stoff sein. "Die Aufgabe besteht für den Hund darin, die getretene Fährte mit der Nase zu verfolgen", erklärt der Hundefreund. Zertretene Gräser, kleine Lebewesen oder die verletzte Ackerkrume strömten Gerüche aus, die der Hund mit seiner feinen Nase aufnehmen und vom "Duft" der Umgebung unterscheiden könne. Der Individualgeruch des Fährtenlegers halte ihn auf der Fährte. "Ich finde das faszinierend, wie gut Hunde feinste Duftspuren erkennen und der Spur treu bleiben können. Sie haben eine gigantische Nase", ist Holland sicher.

Spezielle Prüfungen

Die Anzahl der gelegten Gegenstände und die Länge der abzusuchenden Fährte steigern sich mit den entsprechenden Prüfungsstufen. Die Fährtenhundprüfung - es gibt FH1 und die noch schwierigere FH 2 - sind spezielle Prüfungen, bei denen der Hund nur in Fährtenarbeit vorgeführt wird. Bei der Fährtenarbeit werden die Leistungsfähigkeit des Geruchsorgans und auch die Konzentrationsfähigkeit des Hundes geprüft. Wenn der Hund sicher im Verweisen der Gegenstände ist, lernt er - außer gerade Formen (Schenkel) - auch Winkel und Bögen zu gehen, die sauber von ihm zu erarbeiten sind.

"Der Hund muss seine Fährtensicherheit in FH 1 auf einer circa 1000 bis 1200 Schritt langen und drei Stunden alten Fremdfährte mit sechs Winkeln zeigen. Das Legen der Fährte erfolgt von einer dem Hund unbekannten Person", erklärt Holland. Die Fährten der Stufe 1 werden vom Fährtenleger in einem Mischgelände - beispielsweise Äcker, Wiesen, Wege - gelegt. Als besondere Schwierigkeit wird sie von einer weiteren dem Hund fremden Person 30 Minuten nach dem Legen durchkreuzt. Man nennt das Verleitungsfährte. Über die beiden Fährten und das Verbringen der Gegenstände wird eine Skizze gefertigt. Auf das Hörzeichen "Such" nimmt der Hund den Fährtengeruch auf und soll diesen dann über den ganzen Fährtenverlauf halten. Andere Gerüche dürfen ihn nicht ablenken oder gar veranlassen, die Fährte zu verlassen. Unterordnung und Gehorsam sind die Grundlagen der gesamten Ausbildung eines Hundes, die beim VdH Kronach in unterschiedlichen Stufen erfolgen kann.

Vom Kronacher Verein haben sich - neben Arno Holland mit Othello von der Elbperle - noch Werner Friedrich mit Corry sowie Susanne Hanft mit Django vom Haus Neipp für die Bayerischen FH 1-Meisterschaften qualifiziert. Dafür hatten diese zunächst vereinsintern bei der Fährtenhundeprüfung und anschließend bei der oberfränkischen Meisterschaft eine gewisse Punktanzahl erreichen müssen. Daran war Bianka Mayer aus Steinach mit Chipsy gescheitert. "Das ist auch abhängig von der Tagesform", räumt sie ein. Für die Bayerische FH 1-Meisterschaft haben sich circa 35 bis 40 Hunde aus ganz Bayern qualifiziert, wo es neun Kreisgruppen gibt. Insgesamt sind 44 Teams gemeldet.

Hunde wollen gefordert werden

Geschafft hat es auch Hundefreund Werner Friedrich aus Kaltenbrunn, der ebenfalls an diesem Morgen mit seinem neunjährigen Mischling Corry für das Wochenende trainiert. "Der Hund merkt schon, dass es eine Prüfungssituation ist. Das spürt er schon allein dadurch, dass wir Herrchen auch aufgeregt sind", ist er sich sicher. Für den Erfolg seien unzählige Übungsstunden vonnöten. "Hunde wollen etwas lernen und gefordert werden. Sie wollen eine Aufgabe", ist sich Friedrich sicher. Er und die anderen Hundefreunde empfehlen allen Hundebesitzern, die Interesse am Hundesport und dem Suchen haben, sich beim VdH zu melden. Man sollte möglichst bald anfangen - am besten schon im Welpenalter. Fährtenarbeit sei für Hund und Mensch eine Geduldsarbeit und fordere von beiden kontinuierliches Arbeiten. Werner Friedrich weiß: "Das ist sehr anstrengend für einen Hund. Die Hunde sind danach völlig erschöpft."

Weitere Infos gibt es auf der Homepage.