• Todesflut in NRW: Kronacher THW-Helfer berichtet von Erlebnissen 
  • "Die Leute waren traumatisiert": Anwohner konnten nicht evakuiert werden
  • Ortsteil Ophoven komplett geflutet: THW Kronach pumpt bis zu 30.000 Liter pro Minute ab
  • "Dauert Stunden": Fränkischer Helfer übt Kritik an Kommunikationssystem 

Ortsbeauftragter des THW Kronach spricht über Einsatz in Flutgebiet - Kritik an Kommunikation: Der THW-Ortsverband Kronach war seit Donnerstagabend (19.07.2021) im Rheinland eingesetzt. Dabei haben die Helfenden nach einem Dammbruch unter anderem eine gesamte Ortschaft von meterhohem Wasser befreit. Der Kronacher THW-Ortsbeauftragte Frank Hofmann berichtet gegenüber inFranken.de von den Erlebnissen der Einsatzkräfte. 

Einsatzhelfer aus Kronach in Geilenkirchen: "Die Leute waren traumatisiert"

Am Donnerstagabend sei der Einsatzbefehl gegen 22 Uhr gekommen. Mit technischem Gerät, Feldbetten, mobiler Heizung und Zelten hätten sich 13 Einsatzkräfte aus Kronach auf den Weg nach Köln gemacht. Am kommenden Tag halfen die Kronacher vor allem an der von einem Bruch bedrohten Steinbachtalsperre bei Euskirchen. "Die Lage war sehr unübersichtlich, immer wieder wurden Autos an Brückenpfeilern zertrümmert", erzählt THW-Helfer Hofmann. Anschließend sei ein Teil der Helfenden gemeinsam mit THW-Kräften aus Naila nach Geilenkirchen (Kreis Heinsberg) geschickt worden.

"Die Innenstadt wurde von Wassermassen durchspült, wir haben dann die örtliche Feuerwehr beim Auspumpen der Keller unterstützt", so Hofmann. Der 44-Jährige habe schon bei vielen schlimmeren Hochwassern geholfen, unter anderem an Elbe und Donau. "Der Unterschied ist: In NRW war kein großer Fluss in der Nähe. Die Leute wurden schwer überrascht, sie kennen so etwas ja nicht. Die Keller waren nicht leergeräumt, die Leute waren traumatisiert."

Trotzdem sei die Dankbarkeit der Bevölkerung "Wahnsinn" gewesen, erzählt er. In Geilenkirchen habe man nämlich "keine Chance" gehabt, die Menschen zu evakuieren. In Ophoven, wohin seine Gruppe am Samstagabend versetzt worden sei, seien hingegen zuvor alle 700 Personen aus dem Ortsteil von Wassenberg evakuiert worden. Dann sei dort ein Damm gebrochen. "Der gesamte Ortskern stand nachts um 22 Uhr meterhoch unter Wasser", so Hofmann. Und dieses sei auch nicht mehr abgeflossen, weshalb das THW-Team zunächst Hochleistungspumpen um den Ortsteil herum eingesetzt habe, um am nächsten Morgen ins Zentrum vorzurücken. 

Kritik an Kommunikation der Behörden: "Wandert von Stelle zu Stelle"

"Insgesamt können wir 25.000 bis 30.000 Liter pro Minute abpumpen", sagt Hofmann. Dafür setze man Pumpen in die Kanalnetze ein. "Wirklich neu war auch, dass es so viele Schadensereignisse auf so großem Raum gibt." Das habe die Arbeit der Helfenden nicht gerade einfach gemacht. Ein weiterer Punkt ist dem 44-Jährigen ebenfalls deutlich ins Auge gefallen. 

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"Die Kommunikationsdecke war sehr dünn", erzählt er. Oft habe man überhaupt nicht gewusst, wie die Lage in den Orten der Umgebung gerade sei. "In Bayern haben wir ein gutes System, gerade wenn es darum geht, in Krisensituationen schnell zu koordinieren." In Nordrhein-Westfalen sei das - wie auch in anderen Bundesländern - "etwas ungelenkiger", formuliert Hofmann vorsichtig.

"Es ist normal, dass nicht jeder alles sofort weiß, wenn so etwas Schlimmes passiert. Aber in Bayern sind wir da deutlich schlanker und flexibler". Während es hierzulande einen örtlichen Einsatzleiter gebe, der "die überregionalen Kräfte koordiniert", sei diese Aufgabe in NRW von der Bezirksregierung in Köln ausgegangen. "Bis die Regierung von der genauen Situation weiß, wandert das von Stelle zu Stelle. Das dauert locker Stunden." Die Flutkommunikation in Nordrhein-Westfalen ist in den letzten Tagen auf heftige Kritik von Experten und politischen Parteien gestoßen.

Einsatz in NRW: THW Kronach äußert sich zum weiteren Vorgehen 

"Die rechtzeitigen Warnungen der Meteorologen sind weder von den Behörden noch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinreichend an die Bürgerinnen und Bürger kommuniziert worden", sagte etwa FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch fehlende Sirenenalarme in den betroffenen Gebieten wurde angeprangert. Der nordrhein-westfälische Innenminister findet hingegen, die Kreise und Städte hätten gut reagiert.

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"Die Entscheidungen vor Ort sind richtig getroffen worden", sagte Reul (CDU) am Montag in Düsseldorf. Er kenne "keinen Fall, wo aufgrund zu später Evakuierung Schaden entstanden ist." Auch in Ophoven ist nach den Informationen von Helfer Hofmann niemandem etwas passiert: "Zum Glück." Hofmann selbst ist in der Nacht von Sonntag auf Montag zurückgekehrt.

"Gestern trafen gegen Abend neue Helfer aus Kronach und Naila ein um die Helfer vor Ort zum Teil abzulösen", schreibt der Ortsverband bei Facebook. Und es gehe weiter: "Über Nacht und heute Morgen wurden alle Einsatzstellen in Ophoven abgearbeitet und die Einsatzmittel zurückgebaut. Aktuell verlegen unsere Kräfte zum nächsten Einsatzort."

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