• Jahrhunderthochwasser nach Unwetter in NRW: Viele fränkische Einsatzkräfte vor Ort
  • Einsatzkräfte aus Nürnberg, Bamberg, Kulmbach, Kronach, Naila, Erlangen, Schwabach und Baiersdorf 
  • Hochwasserschwerpunkte Erftstadt, Stolberg, Ophoven: Bilderstrecke zeigt Ausmaß der Zerstörung
  • "Die Leute sind traumatisiert": Fränkische THW-Helfende berichten von ihrem Einsatz

Seit mehreren Tagen sind dutzende fränkische Helfer in den Hochwassergebieten in NRW im Dauereinsatz: In Erfstadt, Stolberg und Ophoven helfen die Einsatzkräfte dabei, Flutopfer mit Nahrung und Lebensmitteln zu versorgen, schließen Häuser so weit möglich ans Stromnetz an und haben auch ein offenes Ohr für die Nöte der Menschen. Zuvor mussten Kräfte des THW Kronach das nach einem Dammbruch geflutete Ophoven (Ortsteil von Wassenberg, Kreis Heinsberg) mit Hochleistungspumpen von meterhohem Wasser befreien. 15-Stunden-Schichten seien in den Flutgebieten im Rheinland an der Tagesordnung, berichtet eine Helferin gegenüber inFranken.de. 

Unwetter-Katastrophe in NRW: Erlanger Helfer beeindruckt - "kleine Dinge wiegen schwer"

Am 15.07.2021, kurz vor Mitternacht, machte sich der THW-Ortsverband Erlangen auf den Weg nach Euskirchen, um dort beim Abpumpen der von einem Dammbruch bedrohten Steinbachtalsperre zu helfen. "Die Helferinnen und Helfer fahren sprichwörtlich in die Nacht, denn was die Einsatzkräfte vor Ort erwartet lässt sich noch nicht abschätzen. Die Taschen sind auf jeden Fall für mehrere Tage gepackt", hieß es in einem Facebook-Post von Donnerstagabend. 

Doch der Einsatz nahm einen anderen Verlauf als geplant. "Manchmal ändern sich Pläne - so auch der ursprüngliche Plan für unsere Helferinnen und Helfer in Nordrhein-Westfalen. Statt zur Steinbachtalsperre ging es in das vom Hochwasser stark getroffene Erftstadt", schreibt das THW in einem Update vom Samstagabend (17.07.2021). Dort habe man zeitgleich ein Wohnhaus und eine Tiefgarage ausgepumpt.

Dann habe es plötzlich die örtliche Feuerwehr selbst getroffen. "Es sind aber auch die scheinbar kleinen Dinge die groß wiegen. So konnten wir heute den Kameraden der Freiwillige Feuerwehr Erftstadt - Löschgruppe Liblar, welche von Beginn an unermüdlich gegen die Flut kämpft, eine kleine Tauchpumpe überlassen damit die Kameraden ihre eigenen Häuser vom Wasser befreien können", schreiben die Helfenden. Noch immer seien die Erlanger Einsatzkräfte nicht wieder in Franken, wie Annelie Schiller von der THW-Regionalstelle Nürnberg berichtet. 

THW Baiersdorf: Helferin berichtet - "Menschen leben ohne Strom in oberen Stockwerken"

Die prekäre Lage in Erftstadt habe ein schnelles Eingreifen der Erlangener THW-Kräfte erfordert.  Ein Seniorenheim habe wegen der Überschwemmung evakuiert werden müssen, anschließend hätten die Helfenden überflutete Keller und Räume leer gepumpt, so Schiller. "Darüber hinaus sorgen sie dafür, dass die örtlich ausgefallene Kläranlage wieder in Betrieb genommen werden kann. Auch hier stehen umfassende Pumparbeiten im Vordergrund. Dank einer Gesamtpumpleistung von knapp 15.000 Liter pro Minute können die Einsatzkräfte Großes bewirken", schreibt Schiller in einem Bericht. In Erftstadt herrscht nach einem Erdrutsch der Kiesgrube Blessem am Montag (19.07.2021) weiter Lebensgefahr, wie die Rheinische Post berichtet. 

Die Einsatzkräfte aus Baiersdorf seien mit einer Fachgruppe für Elektroversorgung seit Samstagnacht im Krisengebiet. In Stolberg bei Aachen sorgen sie dafür, dass ausgefallene Trafostationen wieder funktionieren, heißt es. "Die Einsatzkräfte schließen zahlreiche Hauptverteilerkästen wieder an das Ortsnetz an, sodass die Bevölkerung das Stromnetz wieder nutzen kann", so Schiller. In einem Telefonat mit inFranken.de berichtet die Bubenreuther Helferin Sabrina Dickau von dem schrecklichen Ausmaß der Zerstörung in Stolberg.  "Da liegen ganze Leben auf der Straße", so Dickau. "Meterhoher Schutt", umgekippte "Lastwagen im Wald" und weggespülte Stromkästen: diese Bilder hätten sie bewegt, sagt die 25-Jährige.

Seit Samstagmorgen um sieben Uhr sei ihr Team in Stolberg im Einsatz, 15-Stunden-Schichten an der Tagesordnung. Erst am Freitag sei geplant, nach Franken zurückzukehren. "Wir wollen möglichst viele Häuser mit Strom versorgen", so Dickau. Auch das THW Kulmbach ist seit Freitagnacht mit neun Leuten in Stolberg. Dort übernehme man "Pumparbeiten und Strom- sowie Lichterzeugung, Rückbau von störenden oder gefährlichen Gebäudeteilen, Zugänge zur Gebäudeteilen schaffen", erzählt Helfer Jürgen Lang. Die Lage vor Ort sei schwierig, aber "man merkt sehr starken Arbeitswillen der Bevölkerung und ein Heer an Freiwilligen ist auch vorhanden. Uns schlägt auch sehr viel Dankbarkeit entgegen, was uns sehr freut und motiviert".

Nach Dammbruch in Ophoven: THW Kronach pumpt ganzen Ortsteil leer 

Auch Frank Hofmann, Ortsbeauftragter des THW Ortsverbandes Kronach ist seit Donnerstagabend im Hochwasser-Einsatz. In Ophoven war am Freitagabend ein Rur-Damm gebrochen. "700 Menschen wurden evakuiert, dann sind wir nachts um halb 10 von Geilenkirchen rübergefahren und haben dort unsere Hochleistungspumpen angeschlossen. Das Wasser stand bis zu zwei Meter hoch im gesamten Ortskern und ist nicht mehr abgeflossen. Wir haben am nächsten Tag insgesamt pro Minute 25.000 bis 30.000 Liter pro Minute abgepumpt", so Hofmann. 

Hochwasser im Raum Bamberg? So gefährdet ist die Region (ein Plus-Angebot von fraenkischertag.de)

Während Hofmann am frühen Montagmorgen wieder in Franken angekommen ist, haben sich Malteser-Einsatzkräfte aus Bamberg, Kulmbach und Waischenfeld am Vormittag auf den Weg zur allgemeinen Sammelstelle der Hilfsorganisationen nach Hösbach bei Aschaffenburg gemacht. Den Teams gehören insgesamt 24 Malteser aus dem Erzbistum Bamberg an, wie es in einer Pressemitteilung des Malteser Hilfsdienstes Bamberg heißt. Sie seien, "in erster Linie dafür zuständig, vorübergehend obdachlos gewordene Menschen mit Nahrungsmitteln und sauberem Trinkwasser zu versorgen". Zudem stellten sie Betroffenen "Aufenthaltsmöglichkeiten und Notunterkünfte zur Verfügung". 

Andere Einsatzkräfte seien unter anderem mit Generatoren und Aggregaten unterwegs, um "die Stromversorgung für die Einheiten im Krisengebiet zu sichern". Die Aufräumarbeiten und die komplette Versorgung mit Strom würden vermutlich noch lange dauern, schätzen auch die befragten fränkischen Helfenden gegenüber inFranken.de ein. Nur um eine Sache sind alle froh: Bislang ist in ihren Einsatzgebieten kein Mensch durch das Hochwasser gestorben. In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der bekannten Todesopfer am Montag um einen Menschen auf 47 gestiegen, wie Innenminister Herbert Reul (CDU) bekannt gab. 

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