Vermisst: Ein Mensch ist verschwunden – Was soll ich tun?

Im Januar 2019 gab es in Deutschland um die 10.600 Vermissten-Fälle, berichtet das Bundeskriminalamt. Dabei handelt es sich um Menschen, die erst seit wenigen Tagen oder schon seit bis zu 30 Jahren gesucht werden. Wenn ein Mensch auf unerklärliche Weise aus seinem Umfeld verschwindet, ist es wichtig, als Angehöriger schnell und richtig zu handeln. Was in so einem Fall zu tun ist, wie man eine Vermisstenanzeige aufgibt und wie die Polizei bei der Suche vorgeht haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Was mache ich, wenn ein Angehöriger vermisst wird?

Zunächst gilt es, in so einem Fall Ruhe zu bewahren. Nach Angaben der Bayrischen Polizei handelt es sich bei einer Vermisstenmeldung häufig um einen Fehlalarm. Beispielsweise vergessen Kinder, die Eltern darüber zu informieren, dass sie sich nach der Schule mit einem Freund verabredet haben oder Erwachsene nehmen sich eine „Auszeit“ und erzählen niemandem davon.

Aus diesem Grund prüft die Polizei zunächst Dringlichkeit und Hintergründe des Falls, bevor Ermittlungen aufgenommen werden. Als polizeilich vermisst gilt jemand in der Regel erst, wenn er für eine gewisse Zeit aus seiner gewohnten Umgebung verschwunden ist und eventuell einer physischen oder psychischen Gefahr ausgesetzt ist.

Anders verhält es sich, wenn es sich um ein verschwundenes Kind oder einen suizidgefährdeten Menschen handelt. In diesen Fällen beginnt die Suche sofort. Auch bei psychisch Erkrankten, Demenkranken oder Menschen, die auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, werden die Ermittlungen unmittelbar nach der Meldung der Angehörigen aufgenommen.

 

Vermisstenmeldung: Wie gehe ich am besten vor?

Wenn ein Mensch aus dem persönlichen Umfeld verschwindet und auch telefonisch oder über andere Kommunikationskanäle nicht erreicht werden kann, besteht für Familie und Freunde oftmals Grund zur Sorge. Haben Angehörige ein mulmiges Gefühl, einen Verdacht oder einen Hinweis  auf eventuelle Gefahren, in denen sich der verschwundene Mensch befinden könnte, gilt es schnell zu handeln.

Es ist ratsam, sich lieber zu früh als zu spät an die Polizei zu wenden und eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Zusammen mit den Polizisten können sich Angehörige dann über das weitere Vorgehen abstimmen. Durch wichtige Hinweise kann in vielen Fällen ein Suchgebiet eingegrenzt werden. Zu diesen Bereichen zählen zum Beispiel Waldstücke, Wohngebiete oder Stadtteile, die dann intensiv durchkämmt werden.

 

Wie gebe ich eine Vermisstenanzeige auf?

Um eine Vermisstenanzeige aufzugeben, sollte man entweder die 110 wählen und sich telefonisch beraten lassen oder direkt eine Polizeidienststelle aufsuchen. Prinzipiell kann eine solche Meldung bei jeder beliebigen Polizeidienststelle aufgegeben werden. Allerdings ist es ratsam sich an eine Dienststelle zu wenden, die sich im Umkreis des Wohnsitzes des verschwundenen Menschen befindet.

Für alle folgenden Ermittlungen der Polizei ist es von Vorteil, wenn beim Aufgeben einer Vermisstenanzeige möglichst viele Informationen übermittelt werden. Aus diesem Grund sollten persönliche Daten und im besten Fall auch ein aktuelles Foto des vermissten Menschen an die Behörden weitergegeben werden. Außerdem sollte man Hinweise und Vermutungen, die etwas mit dem Verschwinden zu tun haben könnten, unbedingt äußern.

 

Was sollte ich beachten, wenn ein Angehöriger vermisst wird?

Nicht nur die Polizei, sondern auch Familie und Freunde eines verschwundenen Menschen werden bei einer Personensuche tätig. Bevor man als betroffener Angehöriger auf eigene Faust Ermittlungen anstellt, ist eine Absprache mit den eingeschalteten Behörden empfehlenswert.

Wenn man sich zum Beispiel durch einen Facebook-Post an die Öffentlichkeit wenden möchte, ist es wichtig, sich mit der Polizei abzustimmen. Andernfalls  kann es zu Behinderungen der Ermittlungen kommen. Vor allem Meldungen und Posts in sozialen Netzwerken können den Nachforschungen der Polizei schaden. Diese verlaufen oftmals effizienter ohne öffentliche Bekanntmachung. 

 

Ab wann kann ich eine Vermisstenmeldung aufgeben?

Ab wann ein Mensch als polizeilich vermisst gilt, definiert das deutsche Bundeskriminalamt auf seiner Internetseite. Es gibt drei Hauptmerkmale, die bei der Einleitung einer Vermissten-Fahndung erfüllt sein müssen:

  1. Eine Person hat ihren gewohnten Lebenskreis verlassen
  2. Der derzeitige Aufenthalt der Person ist unbekannt
  3. Es kann eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden

Natürlich kann man sich auch an die Polizei wenden, wenn es keine direkten Hinweise auf eine psychische oder physische Gefahr für den verschwundenen Menschen gibt. In diesem Fall wird situationsabhängig entschieden, ob eine Fahndung eingeleitet werden muss oder nicht.

 

Gibt es eine Sonderregelung bei vermissten Kindern?

Tatsächlich gibt es einen Unterschied zwischen Vermisstenanzeigen für Kinder und Erwachsene. Kinder und Jugendliche, also alle Menschen, die noch nicht 18 Jahre alt sind, gelten als besonders schutzbedürftig. Deshalb reagiert die Polizei bei einem vermissten Kind anders als bei einem vermissten Erwachsenen. Verschwindet ein minderjähriger Mensch, geht man sofort von einer Gefahrensituation aus. Die Fahndung wird unmittelbar eingeleitet. Das gilt auch für Suizidgefährdete, demente und von Medikamenten abhängige Menschen.

Jeder Erwachsene, der im vollen Besitz seiner Geistesfähigkeit und körperlichen Kräfte ist, hat das Recht, sich an einem frei gewählten Ort aufzuhalten, ohne Angehörige oder Freunde darüber zu informieren. Aus diesem Grund ermittelt die Polizei in solchen Fällen nur, wenn von einer konkreten Gefahr ausgegangen werden kann.

 

Wie läuft eine Fahndung bei einer Vermisstenanzeige ab?

Jeder Vermisstenfall wird individuell betrachtet. In besonders kritischen Situationen, wie beispielsweise beim Verschwinden eines Kindes, schalten die Behörden die Kriminalpolizei ein. Diese ermittelt dann häufig im Umfeld der vermissten Person. Bei einer umfassenden Suche helfen zum Beispiel Kräfte wie die Feuerwehr, der Rettungsdienst, die Bergwacht, die Wasserschutzpolizei, das Technische Hilfswerk, Hubschrauber oder auch Suchhundestaffeln.

Eine weitere Maßnahme, die bei einem Vermisstenfall ergriffen werden kann, ist die Öffentlichkeitsfahndung. Um das Persönlichkeitsrecht der oder des Verschwundenen zu wahren, wendet die Polizei sich erst an die Öffentlichkeit, wenn alle anderen Möglichkeiten der Personensuche ausgeschöpft sind. Für eine öffentliche Fahndung in den Medien werden vor allem soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter genutzt. So erreichen die Behörden viele und vor allem auch junge Leute.