Herbe Kritik gab es vor einem Jahrzehnt bei den Bürgerversammlungen in Nurn, weil die Einheimischen von der Errichtung eines ungeheuerlichen Steinhaufens gut einen Kilometer von ihrem Ort entfernt überrascht worden waren. Ein Marktgemeinderat wetterte im November 2010 bei der seinerzeitigen Veranstaltung mit den Worten: "Dies hätte man Nurn nicht antun dürfen."

Bürgermeister Gerhard Wunder bat bei dieser Gelegenheit darum, nicht von einem Steinhaufen oder Geopark, sondern bestenfalls von einem Geotop zu sprechen. Inzwischen wird dieses Areal als "Nurner Brocken" bezeichnet und ist mit diesem Begriff auch auf Google zu finden. Hier ist unter anderem zu lesen, dass es sich um ein einzigartiges Stein-Ensemble handelt und man auf der höchsten Erhebung, der Hügelkuppe, eine wunderbare Aussicht über den Frankenwald genießen kann.

Eine lustige Anekdote

Nachdem ein User auf Facebook "Am Nurner Brocken ist es einfach immer schön" geschrieben hatte, bekam er von den Frankenweibern die Antwort: "Ohna uns ober nur halb su schö." Beim Frankenwald-Wandermarathon im Jahr 2014 gehörte der "Nurner Brocken" zu einem der Anlaufpunkte, und hier sorgte die achtköpfige lustige Frauenschar aus dem Bereich von Naila für Unterhaltung und begrüßte die Wanderschar auf ihre fröhliche Art.

Vorbei am Platz mit den zahlreichen Felsblöcken und Gerölle, bestehend aus Grauwacken und Tonschiefer, führt das zertifizierte "Frankenwaldsteigla Ködeltour" mit dem Wanderweg RT 24 (Zweiwasserweg). Unterdessen ist der "Brocken" auch ganzjährig zu einem äußerst beliebten Anlaufpunkt und Aufenthaltsort von Auswärtigen und Einheimischen geworden, so dass von der seinerzeitigen Kritik nichts mehr zu hören ist.

Zu den Besuchern gehörte auch schon der einstige Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Als er im August 2017 im Steinwiesener Ortsteil gastierte, wurde er belächelt, denn er sprach von einer ungeordneten Steinablage.

Entstanden ist diese Steinflur aus 30 000 Kubikmeter Felsmaterial, das als Abraum von Sprengarbeiten beim Ausbau der Staatsstraße 2207 und des Radwegs zwischen Steinwiesen und Mauthaus angefallen war. Damals stellte sich die Frage: Wohin mit dieser enormen Menge Geröll? Eine Ablagerung im angrenzenden Talraum kam aus Gründen des Hochwasserschutzes nicht infrage. Dennoch sollte der Transportweg für die rund 3000 Lastwagenfahrten nicht zu weit werden. Schließlich wurde die jetzige Fläche gewählt.

Diese Aktion löste damals aber keine Begeisterung bei der Nurner Bevölkerung aus, unter anderem deshalb, da neben der enormen Staubbelästigung auch der Zustand des zum Ablageplatz führenden Weges in arge Mitleidenschaft gezogen wurde.

Steinhaufen fast doppelt so groß

Die Anlage hatte das Staatliche Bauamt Bamberg in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde in alleiniger Verantwortung geplant und realisiert. Die damaligen Vorwürfe an die Marktgemeinde musste Bürgermeister Gerhard Wunder zurückweisen: "Die Gemeinde ist erst zu einem späteren Stadium dazu gehört worden. Allerdings sind Menge und Höhe der Steine erheblich vom Plan abgewichen und im Gesamtumfang fast doppelt so groß geworden."

In den Folgejahren sind die Kritikpunkte mehr und mehr verhallt, zumal ein Zurück nicht mehr möglich war.

Einher mit den Felsbeseitigungen an der Staatsstraße ging auch der Verlust von Lebensräumen seltener Pflanzen und Tiere. Als Ausgleichsfläche bot sich der "Nurner Brocken" bestens an, so dass die Naturschützer voll des Lobes für diese Lösung waren. Durch die relative Unordnung der Gesteinsschüttung sind die unterschiedlichsten Lebensräume entstanden: stark besonnte Steine, kühle Schattenlöcher, Nord- und Südhänge, felsig oder mit Schotter und Sand, zersetzbare Holzhaufen, hohe Trockenlagen und erdnahe Schüttungen.

Pflanzen und Tiere siedeln sich an

Diese Vielfalt soll und wird sich weiter verändern, denn immer mehr Pflanzen und Tiere siedeln sich nach und nach an. Hierzu sagen die Ökologische Bildungsstätte Oberfranken und die Untere Naturschützbehörde Kronach: "Es wird spannend sein, diese Entwicklung weiter zu beobachten!"

Für die Besucher stehen an verschiedenen Stellen Ruhebänke zur Rast und zum Ausblick bereit. Näheres dazu kann Infotafeln entnommen werden. Auf einer von ihnen ist zu lesen: "Willkommen in der Steinflur von Nurn, unserer fränkischen Steinwüste! Lassen Sie sich von dem schroffen Charme nicht abschrecken: Entdecken Sie auf einem kurzen Spaziergang die Faszination der nur auf den ersten Blick unbelebten Steinlandschaft."

Längst haben auch Fotografen diesen Ort entdeckt, der auf dem Weg vom Nurner Friedhof zum "Gänsehügel", vorbei an einer Andachtskapelle, in Richtung Steinwiesener Sportplatz am Steinernen Kreuz zu finden ist. So ist es nicht verwunderlich, dass Aufnahmen beim jüngsten Wettbewerb "Die schönsten Aussichtspunkte des Naturparks Frankenwald" eingereicht worden sind und zwei Bilder sogar unter den besten 15 sind.